Zwei Festnahmen Jugendliche Islamisten sollen Anschlag in Leverkusen geplant haben

Update | Köln · Um einen möglichen islamistischen Terroranschlag in Leverkusen zu vereiteln, hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg zwei Jugendliche festgenommen. NRW-Innenminister Herbert Reul gab am Abend weitere Einzelheiten bekannt.

Zwei jugendliche Islamisten sollen einen Anschlag in Leverkusen geplant haben. (Symbol, Archiv)

Zwei jugendliche Islamisten sollen einen Anschlag in Leverkusen geplant haben. (Symbol, Archiv)

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die Sicherheitsbehörden haben zwei junge Islamisten festgenommen, die möglicherweise einen Anschlag verüben wollten. Wie der WDR zuerst berichtete, sollen die beiden einen Weihnachtsmarkt oder eine Synagoge als mögliches Ziel ausgewählt haben. Über ihre Pläne sollen sich die beiden mutmaßlichen Islamisten im Nachrichtendienst Telegram ausgetauscht haben, wie Sicherheitskreise unserer Redaktion bestätigten. Demnach sollte der Anschlag in Leverkusen stattfinden. In einem Video ruft der Telegram-Nutzer nach unseren Informationen aus Sicherheitskreisen zum Jihad auf und kündigt einen Anschlag an. Er nennt auch ein konkretes Datum: Freitag, 1. Dezember.

Die Sicherheitsbehörden wurden auf das Video und die beiden aufmerksam. Bei den beiden mutmaßlichen Islamisten handelt es sich noch um Minderjährige: einen 15-jährigen Deutsch-Afghanen aus Burscheid und einen 16-jährigen Russen aus Brandenburg. Die beiden sollen am Dienstag festgenommen worden sein.

Der 16-Jährige wird in Brandenburg als sogenannte relevante Person geführt. Er soll Sympatisant der Terrororgansiation Islamischer Staat sein und geplant haben, nach NRW zu reisen und sich an dem Anschlag zu beteiligen. Wegen des Verbreitens von Propagandamaterialien soll der 16-Jährige bereits polizeilich bekannt sein.

Die ermittelnde Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf teilte mit, dass Haftbefehl wegen der Planung eines terroristisch motivierten Anschlags erlassen worden sei. „Das Amtsgericht Leverkusen hat in einem Ermittlungsverfahren der Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf gegen einen 15-jährigen Beschuldigten aus dem Rheinisch-Bergischen-Kreis, der am 28. November 2023 anlässlich der Durchsuchung seiner Wohnanschrift vorläufig festgenommen worden ist, einen Haftbefehl wegen des Verdachts der Planung und Vorbereitung eines terroristisch motivierten Anschlages erlassen“, heißt es in der Mitteilung.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte zur Festnahme des 15-Jährigen in Burscheid: „Der junge Mann hat in einer Chatgruppe über Anschlagspläne geschrieben. Man hat sich auf einen ganz konkreten Anschlagsplan für einen Weihnachtsmarkt verständigt. Wir haben aus dem Ausland einen Hinweis über eine mögliche Anschlagsplanung einer Person aus NRW erhalten. Wir haben dann sofort mit allen Sicherheits- und Justizbehörden des Landes abgestimmt und alle notwendigen Schritte eingeleitet“, sagte Reul. „Die Person, die aus NRW kommt, konnte schnell ermittelt und identifiziert werden. Es wurden Beweismittel wie elektronische Datenträger sichergestellt. Das zuständige Jugendamt wurde miteingebunden“, erklärte Reul, und er fügte hinzu: „Der islamistische Terror ist nicht weg. Es gibt keine absolute Sicherheit. Die abstrakt hohe Gefahr kann jederzeit konkret werden. Wir müssen unsere Augen offenhalten – auch was unsere Weihnachtsmärkte angeht. Trotzdem muss man nicht Angst haben, auf Weihnachtsmärkte zu gehen. Die Sicherheitsbehörden sind wach, gut vernetzt und tauschen Informationen schnelle untereinander aus“, sagte Reul.

„Was mich an den Fall ganz besonders beunruhigt, ist, dass wieder ein sehr junger Täter dabei genannt wird. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass junge Menschen auch viel im digitalen Raum unterwegs sind und sich dort in sozialen Netzwerken austauschen“, so Reul weiter.

Der Konflikt im Nahen Osten habe Auswirkungen auf NRW. „Die Gefährdungslage in Deutschland durch islamistischen Terror hat zugenommen“, so Reul. Allgemein gilt die Sicherheitslage in NRW derzeit als angespannt. NRW-Verfassungsschutzchef Jürgen Kayser hatte erst vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass eine abstrakte Anschlagsgefahr durch Einzeltäter besteht, die sich blitzschnell radikalisieren. Auch der Bundesverfassungsschutz warnte am Mittwochmorgen vor einer hohen Anschlagsgefahr in Deutschland.

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in NRW, erklärte: „Der Fall zeigt, dass unsere Sicherheitsbehörden wachsam sind und schnell zugreifen können. Gleichzeitig zeigt der Fall aber auch, wie hoch die Anschlagsgefahr ist. Sie ist angesichts der Weltlage derzeit so hoch wie noch nie“, sagte Rettinghaus.

Der Leiter der Direktion Kriminalität bei der Polizei Köln, Michael Esser, nahm am Abend Stellung zur Sicherheit auf Weihnachtsmärkten und an jüdischen Einrichtungen: „Wir haben die Ermittlungen im vorliegenden Fall in Köln geführt und den Jugendlichen aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse festgenommen. Aktuell ergeben sich aus dem Verfahren keine Hinweise, die für eine Neubewertung der aktuellen Sicherheitslage sprechen.“ Die Polizei sei „sehr wachsam“ und stehe im ständigen Austausch mit den Sicherheitsbehörden in Land und Bund und tue alles, um die Bevölkerung zu schützen. „Der aktuelle Fall zeigt, dass das Frühwarnsystem erneut funktioniert hat“, sagte Esser. „Der hohe Schutz der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität.“

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde mehrmals überarbeitet. In einer vorherigen Version dieses Artikels haben wir die Stadt Köln unter Berufung auf Meldungen des WDR und des Tagesspiegels als mutmaßlich geplanten Anschlagsort genannt. Diese Stelle haben wir inzwischen angepasst. Nach Informationen unserer Redaktion sollte der mutmaßliche Anschlag in Leverkusen stattfinden.

(csh/hsr)
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