Weihnachtsmärkte 2016 bleiben in NRW nach Anschlag in Berlin geöffnet

Weihnachtsmärkte in NRW : Poller und Maschinenpistolen gegen den Terror

Die Weihnachtsmärkte in Nordrhein-Westfalen bleiben trotz des Terrorangriffs in Berlin geöffnet. Vielerorts gibt es Gedenkminuten, aber auch erkennbar verschärfte Sicherheitskonzepte. Ein Überblick.

Den Markt am Dom in Köln zu schließen, wäre Veranstalterin Monika Flocke nicht eingefallen: "Die Gefährdungslage ist heute nicht anders als gestern oder vorgestern." Aus Respekt gegenüber den Angehörigen und Toten in Berlin soll am Dienstag um 18 Uhr der Marktbetrieb für eine Schweigeminute unterbrochen werden. An den Öffnungszeiten zwischen 11 und 21 Uhr wird sich Flocke zufolge nichts ändern.

Henriette Reker (parteilos) will den Stadtrat um 18 Uhr um ein Gedenken bitten. "Unser ganzes Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Opfer", heißt es in einer Mitteilung der Kölner Oberbürgermeisterin. "Wir denken auch an die vielen Verletzten und hoffen, dass sie bald wieder ganz gesund werden und die schlimmen Erlebnisse überwinden können."

Dass es auf ihrem Markt vor dem Kölner Dom einen Anschlag mit einem Lkw geben könnte, schließt Monika Flocke aufgrund der Lage aus. Im Gegensatz zum Vorjahr wird es trotzdem zusätzlich zum privaten Sicherheitsdienst mehr Polizei auf dem Markt geben. Wie das Innenministerium und mehrere Polizeibehörden ankündigten, sollen die Beamten sichtbar mit Schusswesten und Maschinenpistolen ausgerüstet sein. "Die Polizeipräsenz war von Beginn an hoch", sagt Flocke. Die Veranstalterin begrüße es, die Sicherheit weiter zu erhöhen, "ob das aber in dieser Form geschehen muss", wisse sie nicht.

Auch in Düsseldorf hat man der Opfer und Verletzten gedacht: Zu einer Schweigeminute auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz kam neben den Veranstaltern des Marktes auch Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Die Stadtspitze trug sich in ein Kondolenzbuch im Foyer des Rathauses ein, dass auch den Bürgern von 8 bis 18 Uhr bis Freitag dafür offen steht. Am Dienstag sollen die acht Weihnachtsmärkte in der Innenstadt ohne Musik stattfinden. Was sich am Sicherheitskonzept des Marktes ändern wird, wollten Stadt und Polizeibehörde aus polizeitaktischen Gründen nicht bekanntgeben. "Ein Sicherheitskonzept, dass allgemein bekannt ist, ist keines", sagte eine Stadtsprecherin.

Verena Winkelhaus, Betreiberin des Weihnachtsmarkts in Dortmund und Geschäftsführerin des Markthandel- und Schaustellerverbands Westfalen freut sich über die Verstärkung der Polizei: "Das ist für die Bürger wichtig, ein eindeutiges Zeichen dafür zu bekommen, dass etwas getan wird." Auch Winkelhaus wolle ein Zeichen für die Opfer des Angriffs in Berlin setzen: Um 18 Uhr wird das Bühnenprogramm für eine Schweigeminute unterbrochen und die Beleuchtung des Tannenbaums für 30 Minuten abgeschaltet.

Zwei Polizeibeamte patrouillieren mit Maschinenpistolen über den Weihnachtsmarkt in Dortmund. Foto: dpa, bt

Kraft: "Bittere Wahrheit unserer Zeit"

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte unterdessen, es gebe zwar keine direkte Bedrohung für ihr Bundesland. "Aber es muss sich jede Bürgerin und jeder Bürger bewusst sein, dass es auch Nordrhein-Westfalen treffen kann. Wir dürfen die Gefahr nicht ignorieren, wir müssen mir ihr leben." Es gehöre "zur bitteren Wahrheit unserer Zeit, dass es in einer freien und offenen Gesellschaft keine 100-prozentige Sicherheit geben kann", sagte Kraft. Zugleich appellierte sie an die Menschen, ihren Lebensstil nicht aufzugeben. "Wir kapitulieren nicht vor dem Terror."

Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte: "Die Sicherheitsbehörden unternehmen alles in ihrer Macht Stehende, um die Menschen in NRW zu schützen. Wir dürfen uns vom Terror nicht unterkriegen lassen." Obwohl es derzeit keine konkreten Hinweise auf bevorstehende Anschläge gibt, habe die NRW-Polizei noch in der Nacht nach dem Berliner Anschlag mehr Sicherheitsmaßnahmen veranlasst. Außerdem werde geprüft, "wo ergänzende technische Vorkehrungen verhindern können, dass Fahrzeuge als Waffen gegen Menschenansammlungen missbraucht werden."

Schwere Lastwagen dürfen ab Mittwoch bis zum Jahresende nicht mehr durch die Dortmunder City fahren. Es gebe ein abendliches Durchfahrtverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, teilte die Stadt am Dienstag mit. Dies sei mit den Schaustellern und der Polizei abgesprochen. Entsprechende Verkehrsschilder würden aufgestellt. Das Durchfahrtverbot gilt innerhalb des Wallringes, der die unmittelbare City mit dem großen Weihnachtsmarkt begrenzt.

Zwei große mobile Sperren stellte etwa die Stadt Duisburg zur Sicherung des weiterhin geöffneten Weihnachtsmarktes auf. Diese sollen einer Mitteilung der Stadt zufolge schnell fahrende Pkw und Lkw vom Gelände fernhalten. Zusätzlich zu den Doppelpatrouillen der Polizei soll auch die Zahl der städtischen Ordnungskräfte erhöht werden. Außerdem wolle man auf dem Weihnachtsmarktgelände "zahlreiche technische Sicherungsmaßnahmen" platzieren.

Zur Absicherung des Weihnachtsmarkts in Bochum sind laut Angaben der Polizei kleinere Poller geplant, die die Massenbergstraße sperren sollen. Dass auch in der Ruhrgebiets-Stadt viele mit MP5 bewaffnete und mit dicker Schussweste bekleidete Beamte zu sehen sein werden, sei "kein schöner Anblick auf den Märkten", einem Polizeisprecher zufolge aber notwendig.

Um 17.45 Uhr sollen in Neuss Oberpfarrer Guido Assmann zufolge die Glocken des Quirinusmünsters läuten, um die Marktbesucher zur Schweigeminute mit anschließendem Gedenkgottesdienst am Münsterplatz zu rufen. Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch für die Anschlagsopfer aus. Den Weihnachtsmarkt will Betreiber Josef Kremer wie geplant bis zum 23. Dezember geöffnet halten. Laut Polizei wird derzeit geprüft, ob es weitere Sicherheitsmaßnahmen geben soll.

Der Weihnachtsmarkt in Grevenbroich läuft ebenfalls weiter wie bisher. Das sagt Betreiber Norbert Lupp. Neben den landesweit verstärkten Polizeipatrouillen solle es keine Einschränkungen und besonderen Sicherheitsvorkehrungen zwischen Markt und City-Kirche geben. "Ich bin gespannt, ob heute weniger Besucher als sonst kommen", sagt Lupp. Wie eine Stadtsprecherin informierte, werden die Flaggen vor dem Alten Rathaus wegen der Ereignisse in Berlin im Laufe des Vormittags auf Halbmast gesetzt. Gleiches gilt vor allen amtlichen Gebäuden des Landes auf Anordnung des NRW-Innenministeriums. In Dormagen wird es wie in vielen Städten um 18 Uhr auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Historischen Rathaus eine Schweigeminute geben, auch Trauerbeflaggung ist im Gespräch. Die Buden werden jedoch wie gewohnt geöffnet sein, so der Veranstalter Heinz Reusrath von der veranstaltenden RTR-Event-Gemeinschaft.

Am Alten Markt in Mönchengladbach wurden Poller vor dem Weihnachtsdorf postiert. Ausrichter Sven Tusch sagt: "Wir bleiben trotz des Terrorangriffs bei unserem Programm." Die Polizei in Mönchengladbach teilte mit, dass sie ihre Präsenz auf den Weihnachtsmärkten verstärken wird. "Es werden mehr Streifen dorthin geschickt", sagte Polizeisprecherin Isabella Hannen. Aus Respekt vor den Opfern in Berlin wird die Musik auf den Märkten leiser gedreht.

Der Weihnachtsmarkt in Krefeld soll laut Polizeiangaben dem "aktuellen Geschehen" Rechnung tragen, es werde daher eine mobile Wache am Dionysiusplatz eingesetzt. Außerdem wird die Polizeipräsenz erhöht und eine mobile Barriere installiert, die verhindern soll, dass ein Fahrzeug wie in Berlin auf den Weihnachtsmarkt fahren kann.

Mit Material der dpa.

(bur)
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