Warntag 2018 in NRW: Darum blieben in diesen Städten die Sirenen still

Warntag in NRW: Darum blieben in manchen Städten die Sirenen still

Landesweiter Warntag 2018: In NRW heulten nicht nur die Sirenen

Pünktlich um 10 Uhr haben am Donnerstag landesweit die Sirenen beim ersten NRW-Warntag geheult - allerdings nicht in allen Städten. Die Warn-App „Nina“ blieb teilweise ebenfalls stumm. Dafür gibt es eine einfache Erklärung.

Als Innenminister Herbert Reul (CDU) in Krefeld die Sirenen auslöste, war dies der Startschuss für den ersten landesweiten Warntag in Nordrhein-Westfalen. In zahlreichen Städten heulten die Sirenen los, allerdings nicht überall. Der Grund: manche Städte verfügen einfach über keine Sirenen.

In Neuss, Grevenbroich, aber auch in Ballungsräumen wie Essen bleibt es im Gefahrenfall still. Aktuell sind laut Sirenenkataster des Innenministeriums NRW insgesamt 105 Gemeinden sirenenlos. Auch die Menschen in Münster bekamen nichts von dem Probealarm mit.

Landesweiter Warntag 2018: In NRW heulten nicht nur die Sirenen

Zwar gibt es in Geldern aktuell ebenfalls keine Sirenen, daran soll sich jedoch bald etwas ändern: „Wir haben die alten Sirenen bereits vor einiger Zeit abgeschafft. Es gibt jedoch einen Ratsbeschluss, nachdem eine moderne und neue Sirenenanlage aufgerüstet werden soll“, sagt Herbert van Stephoudt, Sprecher der Stadt Geldern. Gerade die Vorfälle im belgischen AKW hätten den Entschluss bestärkt, dass es ganz ohne ein Warnsystem nicht geht. „Die neue Sirenen werden jedoch viel moderner sein“, sagt Stephoudt. Sie seien mit den alten nicht vergleichbar: So könne man sie zum Beispiel gezielt einzeln ansteuern. „Beispielsweise haben wir bei einem Bombenfund die Möglichkeit, gezielt die Regionen zu informieren, die betroffen sind - und nicht alle acht Ortschaften.“

Auch in Neuss gibt es keine Sirenen, und das schon lange. 1990 wurden die letzten Sirenen abgeschafft. Vor zwei Jahren beschloss die Stadt, wieder welche anzuschaffen, bis heute hat sich aber nichts getan. Der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings beschwerte sich am Donnerstag kurz nach dem Abklingen der Sirenen über die Zustände in Neuss. „Neuss ist inzwischen die einzige Stadt im Kreis ohne Sirenen. Zwei Jahre, nachdem wir den Wiederaufbau des Sirenennetzes beschlossen haben, ist nichts Erkennbares passiert“, so Geerlings. „Egal ob Großbrände, Unwetter oder Bombenentschärfungen - nahezu regelmäßig erleben wir auch in Neuss Großschadenslagen“, so Geerlings weiter: „Wir setzen uns dafür ein, dass jeder Mensch in unserer Stadt vor Gefahren gewarnt werden kann. Das geht nur mit Sirenen.“

Es gibt aber auch Kreise, die zwar über Sirenen verfügen,die am Donnerstag aber nicht funktionierten. Beispiel: Soest. Vermutet wird, dass die Auslösung den Leitstellenrechner überfordert habe. Noch nicht alle Sirenen im Kreis seien mit der neuen Software für die Sirenentöne ausgestattet worden. Für den Alarmfall hätte es laut Kreissprecher Wilhelm Müschenborn also nicht gereicht.

Warn-App NINA funktionierte teilweise nicht

Die Warn-App Nina sollte bei den Nutzern auf dem Handy klingeln, die sie installiert haben. Doch auch das Mobiltelefon blieb bei einigen Menschen in NRW still. Einige Menschen bekamen die Warnmeldung in Düsseldorf, andere nicht. Zuständig für die technische Infrastruktur der App ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). „Beim Warntag NRW handelt es sich auch um einen Lasttest für unsere Warn-App NINA“, sagt Wahid Samimy, Pressesprecher des BBK, auf Anfrage unserer Redaktion. Man werte derzeit die Ergebnisse aus. „Wir lesen gerade in den sozialen Netzwerken und beobachten natürlich auch selbst, dass die App bei einigen Nutzerinnen und Nutzern nicht in dem Umfang wie erwartet funktioniert hat“, sagt Samimy weiter.

Innenminister Reul hatte den Aktionstag initiiert. Er wolle „das Thema Warnung wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken“, sagte der Minister. Nur wer gut informiert sei, könne in Gefahrensituationen richtig handeln. Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässige Warnmittel bei Unwettern, Großbränden oder Chemieunfällen. In den vergangenen Jahren hat das Innenministerium den Kommunen 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Sirenennetzes zur Verfügung gestellt.

(seeg/skr)
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