Waldbrandgefahr in NRW bleibt -

NRW wappnet sich gegen Hitze : „Es riecht nach Waldbrand“

Wegen der anhaltenden Hitze wächst die Waldbrandgefahr. Am Niederrhein könnten ganze Wälder gesperrt werden, auch die Städte reagieren. Ein Ausmaß wie in anderen Teilen Europas ist in NRW aber nicht wahrscheinlich.

Großflächige Brände wie in Schweden oder auch in Griechenland kann sich Silke Düllmann, Försterin in Welschen-Ennest im Sauerland, hier nicht vorstellen. „Wir haben bei uns eine gute Mischung verschiedener Baumarten, außerdem sind die Wälder immer wieder durchbrochen von landwirtschaftlich genutzten Flächen“, sagt sie. Trotzdem: „Es riecht nach Waldbrand. Wenn das Moos schon knistert, dann ist Alarm angesagt.“ Schon ein kleiner Funkenflug könne ein Feuer ausbrechen lassen.

Mindestens 50 Tote bei Waldbränden in Griechenland

Düllmann weiß, wovon sie spricht. Jahrelang war sie im US-Bundesstaat Oregon im Kampf gegen Waldbrände im Einsatz. „Das sind 14- bis 18-Stunden-Tage“, berichtet die Försterin, „bis zu zwei Wochen am Stück“. Danach seien ein bis zwei Ruhetage Pflicht. Waldbrände hier in NRW könne man mit diesen Einsätzen aber nicht vergleichen. „Hier brennen vielleicht einmal ein paar Hektar - das hört sich dann vor allem schlimm an“, sagt Düllmann. Die hohe Besiedlungsdichte verhindere in Deutschland ausgedehnte Waldbrände. Der Landesbetrieb Wald und Holz bestätigt diese Einschätzung. Wohl auch deshalb besitzen weder Bund noch Länder Löschflugzeuge, wie sie gerade in anderen Teilen Europas eingesetzt werden.

Silke Düllmann ist Försterin und ehemalige US-Firefighterin. Foto: Wald und Holz NRW

Die Lage ist trotzdem ernst in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (WBI) erreicht in weiten Teilen schon Stufe 4 (“hohe Gefahr“), wird teilweise in den nächsten Tagen sogar auf die höchste Stufe 5 (“sehr hohe Gefahr“) steigen. Der Landesbetrieb mahnt die Bürger deshalb zu besonderer Vorsicht. „Offenes Feuer ist nur mit 100 Metern Abstand zum Wald erlaubt“, sagt Sprecher Michael Blaschke. Ebenfalls gilt ein Rauchverbot in allen Wäldern. Die Waldgebiete am Niederrhein könnten in den kommenden Tagen sogar komplett für Bürger gesperrt werden. Zunächst soll es ab dem Wochenende nicht mehr erlaubt sein, die Wege zu verlassen.„So eine Lage hatten wir schon lange nicht mehr, auch ein Waldbetretungsverbot haben wir seit Jahren nicht ausgesprochen“, sagt Bianca Hutmacher vom Regionalforstamt. Michael Blaschke betont, die Waldgebiete am Niederrhein seien besonders gefährdet, aber: „Es gibt keine landesweiten Planungen, die Wälder zu sperren.“

Parallel reagieren auch die Kommunen auf die erhöhte Waldbrandgefahr. Die Stadt Düsseldorf bittet Bürger, nicht nur in Wäldern, sondern auch in Parks und Wiesen nicht zu grillen oder zu rauchen und auch kein offenes Feuer zu entzünden. Die Stadt Mönchengladbach hat die öffentlichen Grillzonen nach Absprache mit der Feuerwehr ebenfalls gesperrt. Solche Vorsichtsmaßnahmen seien „alternativlos“, zitiert die Stadt Jörg Lampe, den Feuerwehrchef von Mönchengladbach.

Denn auch die kommenden Tage sinkt die Waldbrandgefahr nicht, im Gegenteil. „Es ist extrem trocken, daran ändert sich nichts“, sagt Franz Molé vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Dieser warnt in diesen Tagen offiziell vor Hitze für weite Landesteile. Am Wochenende gebe es zwar vereinzelte Ausreißer durch einen Tiefausläufer, der dann nach NRW kommt und Schauer und Gewitter mit sich bringt. „Danach geht es aber auf hochsommerlichem Niveau weiter“, sagt Molé. Statistisch gesehen werde die Jahreshöchsttemperatur außerdem am häufigsten im August erreicht. Als Beispiel nennt Molé den Rekord-Sommer 2003. Damals wurde in NRW die höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen, mit 40,1 Grad im Schatten in Weilerswist und Nörvenich. Die bisherige Rekordtemperatur in Düsseldorf wurde ebenfalls 2003 gemessen. Am 8. August lag sie hier bei 38,5 Grad.

Über die Auswirkungen der Hitzewelle halten wir Sie auch in unserem Liveblog auf dem Laufenden.