Waffenverbotszonen an Hauptbahnhöfen in NRW

An drei Bahnhöfen schon eingerichtet : Polizei will mehr Waffenverbotszonen in NRW

Bei den bisherigen Schwerpunktkontrollen in Dortmund, Düsseldorf und Köln wurden mehr als 1000 Personen durchsucht. Die Bundespolizei plant weitere Verbotszonen. Kontrolliert werden vor allem junge Männer.

Der Hauptbahnhof in Gelsenkirchen steht seit gut einer Woche im Fokus der Bundespolizei. Die Beamten gehen dort gegen aggressive Gruppen junger Männer vor, die immer wieder Passanten anpöbeln und attackieren. Bei den Schwerpunktkontrollen hat die Bundespolizei bereits Waffen sichergestellt. Erst am vergangenen Wochenende haben Randalierer dort Personen mit Schottersteinen beworfen. Ein Polizist ist bei dem Einsatz schwer verletzt worden.

Zu einer temporären Waffenverbotszone ist der Gelsenkirchener Hauptbahnhof noch nicht ausgewiesen worden. Das wurden bislang nur die Hauptbahnhöfe Dortmund, Düsseldorf und Köln – und das jeweils an Wochenenden. Dabei kontrollierte die Bundespolizei rund 1000 verdächtige Personen, wie eine Abfrage unserer Redaktion bei der Behörde ergeben hat. Demnach wurden in Dortmund 430 Personen kontrolliert und vier Messer sowie ein Schlagstock entdeckt. In Düsseldorf waren es 330 Personen und elf Messer, in Köln 230 Personen, bei denen drei Messer sowie ein Schlagstock gefunden wurden. Die Bundespolizei spricht in ihrer Einsatzbilanz von einem Erfolg. Die auf der Grundlage des Bundespolizeirechts per „Allgemeinverfügung“ durchgeführten Maßnahmen „werden von uns als durchweg positiv erachtet, so dass wir auch in diesem Jahr weitere Einsätze an Bahnhöfen in Nordrhein-Westfalen planen“, sagt Jens Flören, Sprecher der Bundespolizeidirektion St. Augustin.

Im Rahmen der Waffenverbotszonen werden nach Angaben der Bundespolizei besonders Männer und Personengruppen bis 40 Jahre kontrolliert, die unter Alkohol- und Drogeneinfluss stünden und der „Partyszene“ zuzuordnen seien. „Hier hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass von dieser Gruppe eine besondere Gefährdung ausgeht“, sagt Flören. Die Beamten unterstellen diesem Personenkreis zwar nicht, Messer mit der Absicht mitzuführen, diese auf dem Weg zu oder bei Partys einzusetzen. Aber die Gefahr sei relativ hoch, wenn Drogen oder Alkohol im Spiel seien. „So kann eine zunächst unscheinbare Auseinandersetzung sehr schnell eskalieren und ein mitgeführtes Messer kommt zum Einsatz, mitunter mit unabsehbaren Folgen“, sagt Flören. Er weist darauf hin, dass Waffenverbotszonen auch der Prävention dienen. „Wir wollen das Sicherheitsgefühl der Reisenden stärken und richten den Appell an die Bahnfahrenden, gefährliche Gegenstände wie Messer oder Waffen grundsätzlich nicht mitzuführen“, betont er.

Die Bundespolizei plant in diesem Jahr weitere temporäre Waffenverbotszonen an Bahnhöfen, aber nur beschränkt auf konkrete Zeiten wie am Wochenende, wenn Menschen zu Partys und Großveranstaltungen strömen. Gegen eine dauerhafte Einrichtung solcher Zonen hätte die Bundespolizei wohl nichts einzuwenden. Aber das könne sie nicht selbst entscheiden. „Dazu bedarf es einer Rechtsverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen“, erklärt Flören.

Die meisten Reisenden würden dauerhafte Waffenverbotszonen in Hauptbahnhöfen begrüßen. „Das subjektive Sicherheitsempfinden steigt dadurch“, sagt ein Sprecher des Fahrgastverbandes ProBahn. „Messer und andere Waffen haben in Zügen und Bahnhöfen nichts verloren.“ Auch die Bundespolizei habe nach eigenen Angaben während der Einsätze überwiegend positives Feedback der Fahrgäste erhalten: Sie lobten die Aktion und fühlten sich dadurch sicherer.

Die Deutsche Bahn erklärt, die Einrichtung der Waffenverbotszone und die Kontrollen der Polizei dienten der Sicherheit ihrer Kunden. Ein Sprecher betont, dass Bahnfahren sicher sei. Dafür sorgten bundesweit 5000 Bundespolizisten und 4000 Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn. In Zügen und Bahnhöfen gebe es grundsätzlich weniger Kriminalität als im übrigen öffentlichen Raum, so der Sprecher. „Hinzu kommen 7000 Videokameras in mehr als 1000 Bahnhöfen, die Livebilder sowie Aufzeichnungen liefern. Zudem gibt es 32.000 Kameras in Nahverkehrs- und S-Bahnzügen“, so der Sprecher.

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