1. NRW
  2. Panorama

Köln: Wachsen die Findelkinder bei einer Familie auf?

Köln : Wachsen die Findelkinder bei einer Familie auf?

Das Baby, das im Juni unter eine Brücke in Roermond gefunden worden war, könnte gemeinsam mit seinem Schwesterchen in St. Augustin aufwachsen. Darüber wird in verschiedenen Medienberichten spekuliert.

Die Schwester des Jungen — sie wurde Lina genannt — war vor zwei Jahren in Hürth ausgesetzt worden. Ein DNA-Abgleich der beiden Kinder hatte ergeben, dass sie dieselbe Mutter haben. Das Mädchen ist von einer Familie in St. Augustin adoptiert worden. Ob es tatsächlich zu einer Zusammenführung der Geschwister kommt, lässt sich allerdings schwer sagen. "Das ist alleine Sache der Jugendämter", erklärt Christoph Gilles, Sprecher der Polizei Köln, "und mit Sicherheit ein aufwendiger bürokratischer Vorgang."

Über die Mutter der Kinder und etwaige Hintergründe ihres Vorgehens gibt es bisher nur Mutmaßungen. Die 25-Jährige stammt aus dem Rhein-Erft-Kreis und soll laut "Bild"-Zeitung einer geregelten Arbeit als Friseurin nachgehen. Sie hatte bei ihrer Vernehmung gegenüber der Polizei eingeräumt, beide Kinder ausgesetzt zu haben. Ein DNA-Abgleich, dass sie wirklich die leibliche Mutter der Babys ist, stand gestern noch aus. Laut "Express" soll die Frau Mitglied in einem Schützenverein sein und auch während der Schwangerschaft den Sport ausgeübt haben.

Mitglieder des Vereins vermuteten gegenüber dem Blatt, dass sich die Frau mit verheirateten Männern eingelassen haben könnte. Das würde auch ein Motiv liefern, warum sie die Kinder ausgesetzt hat. Das Mädchen war damals auf einem Wanderparkplatz von einem unbekannten Mann an einen Rentner übergeben worden. Dieser soll nun angeblich Fotos von möglichen Verdächtigen sichten, heißt es. Weder Staatsanwaltschaft Köln noch Polizei können das bestätigen. "Die Ermittlungen gegen die Frau laufen allerdings weiter", sagt Christoph Gilles.

Der in Roermond ausgesetzte Junge befindet sich in der Obhut der niederländischen Behörden. Sollte er irgendwann adoptiert werden — ob nun von Linas Familie in St. Augustin oder einem anderen Paar — hat die leibliche Mutter keinerlei Zugriff mehr auf das Kind. Ob es zu einer Anklage gegen die Mutter kommt, ist noch unklar. Ermittelt wird wegen Aussetzung, das Strafmaß dafür liegt zwischen einem und zehn Jahren.

(jis)