Öffentlicher Nahverkehr: VRR verspricht einfache und handytaugliche Tarife

Öffentlicher Nahverkehr : VRR verspricht einfache und handytaugliche Tarife

Einfache Tarife, kein Rätselraten vor den Fahrkartenautomaten und mehr Smartphone-Tickets - so will der VRR attraktiv für Millionen Menschen an Rhein und Ruhr bleiben. Finanziell geht es bergauf.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr will den Tarifdschungel weiter lichten. Aus den derzeit 130 unterschiedlichen Geltungsbereichen sollen höchstens 30 werden, erklärte VRR-Vorstand José Luis Castrillo am Mittwoch in Gelsenkirchen. So sollen in der Preisstufe C nur noch wenige großräumige Regionen angeboten werden.

Die Preisstufen D und E sind bereits zusammengelegt worden. Im VRR koordinieren 16 Städte und sieben Kreise ihren öffentlichen Nahverkehr. Auch das in Preisstufen unterteilte Young-Ticket soll zum 1. August einem einheitlichen Azubi-Ticket weichen, kündigte Castrillo an.

"eTarif" fürs Smartphone

Ferner steht von diesem Sommer an ein Experiment mit dem kilometerbasierten "eTarif" fürs Smartphone an: Bei diesem checkt man mit seinem Handy bei Fahrtantritt ein und bei -beendigung aus, der Fahrpreis wird dann bargeldlos abgebucht. Nach einer Testphase bis Sommer 2018 will der VRR dann entscheiden, ob der Tarif flächendeckend eingeführt wird.

  • Hilden : Rheinbahn bietet ab sofort drei neue Tickets an
  • Düsseldorf : Drei neue Rheinbahn-Tickets
  • Moers : Bus und Bahnfahren im VRR teurer

Von 2020 an Dann soll nicht mehr die Deutsche Bahn die VRR-Tickets verkaufen, sondern die französische Firma Transdev. Mit deren Automaten soll es auch einfacher werden: "In einem Großteil der Fälle kommen die Kunden mit nur drei Klicks zu ihren gewünschten Nahverkehrstickets", sagte Vorstandssprecher Martin Husmann.

Der traditionelle VRR-Partner Deutsche Bahn verliert deutlich an Gewicht in dem Verbund. Im Jahr 2021 wird die Bahn nicht einmal mehr halb so viele Züge stellen wie bisher. Den größten Marktanteil werden dann sechs private Anbieter wie etwa die Firma Abellio haben. "Die DB hat es in den vergangenen 15 Jahren versäumt, sich intensiv auf Wettbewerb einzustellen", begründete Husmann dies.

Regionalbahn 35 soll ausgeweitet werden

Der Verkehrsverbund blickt nach eigenen Angaben auf ein gutes Jahr 2016 zurück. So seien die Ticket-Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent auf rund 1,24 Milliarden Euro gestiegen, bilanzierte Castrillo. Für 2017 plant er unter anderem, die bisherige Regionalbahn 35 auszuweiten: Ab dem 6. April soll sie die Fahrgäste als Regionalexpress 19 von Düsseldorf bis ins niederländische Arnheim bringen.

Auch beim jährlich vorgelegten Stationsbericht zeigte sich der VRR-Vorstand zufriedener als vergangenes Jahr. Das Erscheinungsbild der Haltestellen habe sich verbessert. "154 Stationen verfügen inzwischen über ein akzeptables Erscheinungsbild, das sind 21 mehr als noch im Vorjahr", berichtete Husmann. "In 2015 waren noch 53 Bahnhöfe in einem inakzeptablen Zustand, 2016 sind es nur noch 39."

Die Pünktlichkeit insbesondere der Regionalexpresse müsse allerdings besser werden, sagte Husmann. Hier hätten die VRR-Züge vor allem mit einer sanierungsbedürftigen Infrastruktur zu kämpfen. Die Verantwortung dafür gab er der Deutschen Bahn. Dort sei nicht genug investiert worden.

(csi/lnw)