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VRR: So funktioniert das neue Tarifsystem

Neuerung bei Europas größtem Verkehrsverbund : So funktioniert das neue Bezahlsystem des VRR

Aus der neuen Verbindung von entfernungsabhängigen Fahrpreisen und Smartphone-Technologie ergeben sich völlig neue Möglichkeiten für Bus- und Bahnnutzer. Zum Beispiel ist die Einbindung von Leihfahrrädern oder Autos möglich.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr will im kommenden Jahr ein zusätzliches Tarifsystem einführen. Gleichzeitig gibt es für Smartphone-Nutzer eine neue Bezahlmöglichkeit, die bislang ungekannten Komfort verspricht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen VRR-Tarif.

Was ist neu?

Für alle, die nichts Neues wollen, ändert sich nichts: Das neue Tarif- und Bezahlsystem führt der VRR Ende kommenden Jahres nur als zusätzliches Angebot ein. Wer will, kann dann Tickets nach einem Kilometer-Tarif kaufen. Dabei wird nicht wie im alten Tarif die Anzahl durchquerter Zonen berechnet, sondern die tatsächlich gefahrenen Kilometer. Wer sich dafür entscheidet und ein Smartphone hat, braucht gar kein Ticket mehr. Er kann sich im Zug oder Bus bei Fahrtantritt anmelden und nach dem Aussteigen abmelden. Ein Computersystem berechnet die Fahrtstrecke und bucht das Geld ab ("Checkin-Checkout"-System).

Wird Bahnfahren teurer?

Voraussichtlich ja. Das hat aber nichts mit dem neuen Tarifsystem zu tun, sondern mit politischen Vorgaben. Der VRR erwirtschaftet nur knapp die Hälfte seiner Kosten selbst - den Rest müssen Kommunen und Kreise zuschießen. Deren Bereitschaft dazu sinkt, weshalb der VRR die Tickets immer teurer verkaufen muss. Die maßgeblichen Politik-Gremien tagen im kommenden Juni und Juli. Anfang 2014 stiegen die Preise um 3,3 Prozent.

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Kurzstreckenfahrer, die mehrere Tarifzonen durchqueren. Beispiel: Die Fahrt von der Haltestelle "Düsseldorf-Hamm, Brückenrampe" zur Stadthalle Neuss entspricht nach altem Tarif der Preisstufe B und kostet gut fünf Euro. Die Fahrt von derselben Haltestelle in den Norden von Oberhausen ist rund 20 mal länger, kostet aber dasselbe, weil gleich viele Tarifzonen durchquert werden. In diesem Fall fährt man im neuen Kilometertarif auf der kürzeren Strecke günstiger als im alten Zonentarif. Auf der längeren ist der Zonentarif billiger, weil der Zonenverlauf auf dieser Strecke zufällig günstig ist. Die exakten Kilometerpreise berechnet der VRR derzeit mit Experten des Fraunhofer-Instituts.

Gibt es Nachteile?

Der Kilometer-Tarif selbst birgt keine Nachteile. Nur wer ihn in Verbindung mit dem neuen "Checkin-Checkout"-System kombiniert, geht ein Datenrisiko ein. Der Computer, der die Fahrtstrecke aufgrund der vom Smartphone gesendeten Standortdaten ermittelt, könnte theoretisch auch ein Bewegungsprofil erstellen. Unklar ist auch, was passiert, wenn ein Passagier seine Abmeldung vergisst. Oder ein Fahrradfahrer, der parallel zur S-Bahn fährt, zufällig von dem System erfasst und zur Kasse gebeten wird. Der VRR verspricht in solchen Fällen Kulanz. In den Niederlanden, wo ein ähnliches System bereits eingesetzt wird, beträgt die Fehlerquote ein bis zwei Prozent.

Welchen Vorteil hat der VRR?

Er kann über seine "Checkin-Checkout"-Kunden mehr Informationen über das Fahrverhalten gewinnen. Selbst wenn sie sich anonym anmelden, was möglich sein soll, bekommt der VRR Daten etwa über die Auslastung bestimmter Strecken.

Was ist der nächste Schritt?

Langfristig ist die Kombination von Smartphone-Technik und entfernungsabhängigen Tarifsystemen auch eine Plattform für völlig neue ÖPNV-Möglichkeiten. Denkbar sind auf dieser Basis landesweite oder gar bundesweite Tarifsysteme, denn der Kilometer-Tarif vereinfacht die Abrechnung der verschiedenen Anbieter untereinander. Ebenso ist die Anbindung von Leihfahrrädern oder -autos in den Tarif möglich, weil das Smartphone über die eingebaute Ortungsfunktion zurückgelegte Strecken auch außerhalb des Bahn- und Busnetzes erkennt. Zugleich ist das Smartphone bei dieser Zukunftsvision Streckenberater und verweist auf Sehenswürdigkeiten oder Restaurants am Zielort - es soll die Funktion einer Auskunft, Navigation und Abrechnungsstelle verbinden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dreckige und kaputte Bahnhöfe in der Region

(RP)