Öffentlicher Nahverkehr: VRR droht mit Spar-Fahrplan

Öffentlicher Nahverkehr : VRR droht mit Spar-Fahrplan

Die Fahrten stagnieren beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Digitale Angebote sollen mehr Passagiere in die Züge locken. Im Sommer werden die Tarife vermutlich wieder angehoben, um Geld in die klamme VRR-Kasse zu spülen.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) droht mit massiven Fahrtenreduzierungen in seinem Streckennetz, sollte der Bund die jährlichen finanziellen Mittel nicht deutlich von derzeit 7,3 Milliarden auf 8,5 Milliarden Euro erhöhen. "Sollte das nicht passieren, führt das zu Betriebseinstellungen, weil das Geld nicht mehr reicht", sagte VRR-Chef Martin Husmann unserer Redaktion am Rande der Jahresbilanz des Verkehrsbetriebes, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Mit Fahrtenreduzierungen meinte Husmann, dass die Bahnen deutlich weniger fahren als derzeit - insbesondere morgens und abends müssten dann Fahrpläne zusammengestrichen werden. Denkbar seien auch deutliche Erhöhungen der Ticketpreise, so Husmann.

Die derzeit 7,3 Milliarden Euro werden auf alle 16 Bundesländer verteilt. NRW erhält davon rund 19 Prozent. Husmann empfindet diese Verteilung, den sogenannten Kieler Schlüssel, als ungerecht. "Besonders die ostdeutschen Länder bekommen viel zu viel Zuwendungen für ihre Strecken", beklagte Husmann. "Dort fließt Geld in den Ausbau, wo kaum ein Zug fährt." Doch der Bund zögert seine Entscheidung über die Erhöhung der Mittel seit längerem schon hinaus. Der VRR-Chef sieht dadurch sogar den Nahverkehr generell gefährdet. "Das Aussitzen hat eine nachhaltige Beschädigung des Schienenpersonenverkehrs zur Folge", beklagte Husmann. Durch die Unterfinanzierung seien auch Straßen- und U-Bahnen gefährdet, die fast in allen NRW-Städten dringend saniert werden müssten. "Dafür ist derzeit kein Geld da. Sowohl Verkehrsbetriebe als auch Kommunen haben dafür keine Rücklagen, weil man die nicht bilden konnte", so der VRR-Chef.

Preise werden wahrscheinlich im Sommer erhöht

Damit der Nahverkehr dennoch leistungsstark bleibt, wird der VRR im Sommer mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder die Tarife anheben. "Davon ist auszugehen", sagte VRR-Vorstand José Luis Castrillo. Zur Höhe der Preissteigerungen wollte er noch keine Angaben machen. Auch die geplante Verteuerung des Semestertickets für Studenten werde auf jeden Fall kommen. "Das hätten wir schon vor zehn Jahren machen müssen", betonte Husmann, der die Kritik an dem Vorhaben nicht nachvollziehen kann. "Es geht hier um eine Erhöhung, die nicht teurer ist als ein Bier." In anderen Bundesländern seien die Studententarife längst wesentlich höher.

Der VRR ist dringend auf neue Einnahmequellen angewiesen. Zwar stiegen die Ticketeinnahmen im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf 1,148 Milliarden Euro. Dafür stagnieren aber die Fahrten im VRR-Raum. Für neues Wachstum soll eine digitale Offensive sorgen. Schon jetzt buchten viele Fahrgäste ihre Tickets über Apps auf ihren Smartphones, so Castrillo. "Das zeigt uns, dass genau in dem Bereich der Ansatzpunkt ist."

Neben den Finanzen machen dem VRR auch weiterhin die Negativschlagzeilen über die S-Bahnlinien S 5 und S 8 zu schaffen. Die auf diesen Strecken neu eingesetzen Fahrzeuge lösten bei vielen Passagieren Verärgerung aus. Die Bahnen sorgten unter anderem wegen defekter Schließmechanismen an den Türen und zu wenig eingesetzter Züge für Verspätungen. Hauptkritikpunkt bleibt aber, dass die neuen S-Bahnen 20 Zentimeter niedriger als ihre Vorgänger sind, so dass einige Passagiere Probleme beim Ein- und Aussteigen haben. Darum plant der VRR, die Bahnsteige durch Erhöhungen des Gleisbetts im gesamten Netz den neuen Gegebenheiten anzupassen. "Das soll nach und nach geschehen", so Husmann.

(RP)
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