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Wohnungen: Leerstände in Nordrhein-Westfalen: Vorreiter Duisburg, Verlierer Remscheid

Wohnungen: Leerstände in Nordrhein-Westfalen : Vorreiter Duisburg, Verlierer Remscheid

Bezahlbarer Wohnraum ist schwer zu finden – soweit die Probleme vieler Mieter in Deutschlands Metropolen. In vielen Städten in der Region sieht die Realität jedoch anders aus. Dort sinken die Mieten, einziehen will trotzdem niemand.

Bezahlbarer Wohnraum ist schwer zu finden — soweit die Probleme vieler Mieter in Deutschlands Metropolen. In vielen Städten in der Region sieht die Realität jedoch anders aus. Dort sinken die Mieten, einziehen will trotzdem niemand.

In Nordrhein-Westfalen stehen laut Ergebnissen des Zensus rund 325.000 Wohnungen leer. Das entspricht 3,7 Prozent aller Wohnungen in NRW. Damit liegt die Region deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 4,5 Prozent.

Besonders dramatisch ist die Situation in Duisburg. Dort stehen fast 12.000 Wohnungen leer. Im Umgang mit diesen Problemen nimmt die Stadt eine Vorreiter-Rolle ein. In Marxloh und Bruckhausen werden leer stehende Gebäude abgerissen statt saniert. Es soll ein grüner Wall entstehen der die Wohnbebauung vom Straßen- und Industrielärm abschirmen soll.

Beginnend am Marxloher Schwelgernstadion zieht sich der künftige Schutzwall nach Bruckhausen und weiter bis an die Grenze von Beeck. In weiten Teilen wird er parallel zur Kaiser-Wilhelm-Straße verlaufen. Besonders in Bruckhausen ist der Leerstand groß — hier sind 40 Prozent der Wohnungen nicht bewohnt.

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Ein Blick nach Norden: Im Kreis Kleve stehen - im Vergleich zum verfügbaren Wohnraum - die meisten Wohnungen in Emmerich leer — 493 bleiben ungenutzt, das sind 3,3 Prozent. Das ist zwar deutlich mehr als der Kreis-Durchschnitt mit 2,6 Prozent, liegt aber immer noch unter dem Landesdurchschnitt. Es folgen Weeze mit 3,1 Prozent, Wachtendonk und Kalkar mit jeweils 2,9 Prozent ungenutzter Wohnungen. Das sind in Kalkar 172 der insgesamt 5943 Wohnungen, in Wachtendonk 99 der 1866 und in Weeze 141 Wohnungen von 4586. Mit 672 Wohnungen (2,8 Prozent) stehen in der Kreisstadt Kleve zahlenmäßig die meisten Wohnungen leer.

Ein Problem, das ganz Deutschland betrifft, hat in Remscheid Auswirkungen auf den Immobilienmarkt: Dort schrumpft die Bevölkerung. Es stehen 7,4 Prozent der Wohnungen leer — Tendenz steigend. Da der Anteil der leer stehenden Wohnungen in Remscheid deutlich über den NRW-Durchschnitt liegt, haben Experten dort die Entwicklung im "Wohnungspolitischen Handlungskonzept" analysiert. Das Ergebnis: Der soziale Wohnungsbau gewinnt wieder an Bedeutung, außerdem sind Seniorenwohnungen und Häuser jüngeren Baudatums zunehmend gefragt.

Tatsächlich steigt in Remscheid die Nachfrage nach Einfamilienhäusern enorm. Experten gehen deswegen davon aus, dass es einen qualitätsbedingten Neubaubedarf gibt — gleichzeitig sind aber Baugrundstücke in der Stadt knapp.

Problem in unattraktiven Vierteln

Am südlichen Niederrhein ist die Situation besser. Das Problem des Wohnungsleerstands gibt es in Mönchengladbach nur in der Rheydter Innenstadt und in Alt-Gladbach. Sie sind auf dem Wohnungsmarkt die Stadtteile mit den niedrigsten Einkommen und Mieten in der Stadt. Und: Beide kennzeichnet mittlerweile eine wachsende Zahl nicht vermittelbarer Wohnungen. 2000 inserierte Wohnungen gab es dort 2011.

Krefeld hat derweil vor allem mit den Folgen des demografischen Wandels zu kämpfen. Im Jahr 2035 werden in Krefeld rund 66.280 Menschen älter als 65 Jahre sein — das sind rund 38 Prozent mehr als derzeit. Die Prognose für Krefeld gehe von rund 10.890 Pflegebedürftigen im Jahr 2035 aus. Experten fordern deshalb, mehr barrierearme Wohnungen für Senioren zu schaffen. Insgesamt müssten in Krefeld dafür 120,7 Millionen Euro in das altersgerechte Bauen investiert werden.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für Krefeld. Die Stadt wird aufgrund ihrer Nähe zur Landeshauptstadt Düsseldorf immer interessanter für Neubürger. Die Immobiliennachfrage ist nach Angaben des Rings Deutscher Makler (RDM) in den zurückliegenden Monaten um 20 Prozent gestiegen. Grund dafür sind auch die deutlich niedrigeren Mieten in der Samt- und Seidenstadt.

Während die Kaltmieten nur um rund zwei Prozent stiegen, ist der Preis eines Reihenmittelhauses in der Vergangenheit um fünf bis sechs Prozent gestiegen. An guten Standorten betrugen die Kosten damit durchschnittlich 230.000 Euro.

Hier geht es zur Infostrecke: Zensus 2011: Duisburg in Zahlen

(anch)