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Virtueller Weiberfastnacht im Lockdown

Weiberfastnacht in der Pandemie : Konfetti auf dem Bildschirm

Pappzuschauer und ganz viel Distanz: Weiberfastnacht gibt es in dieser Session nur virtuell. Vermutlich nicht nur Wolfgang Niedecken hat dabei einen Kloß im Hals. Eindrücke vom Lockdown-Karneval aus Köln, Mönchengladbach und Neuss.

Knackige minus ein Grad, blauer Himmel und Sonne den ganzen Tag – das Wetter in Köln ist an Weiberfastnacht perfekt. Aber Kostüm und Skiunterwäsche müssen in diesem Jahr im Schrank bleiben. Wie schon der 11.11. ist dieser Donnerstag ein ganz normaler Tag im Corona-Lockdown.

Damit nicht sämtliche Jecken mit gebrochenen Herzen zurückbleiben, gibt es diverse Livestreams – zum Schunkeln und Singen für zu Hause. Aber auch verbunden mit einem guten Zweck: Beim Kölner Spendenmarathon „Mer looße üch nit allein“ in der Lanxess-Arena treten sechs Stunden lang Künstler und Bands auf, um Geld für in Not geratene Kollegen und Helfer zu sammeln. Per SMS können die Zuschauer fünf oder zehn Euro spenden. Am Mittag waren schon mehr als 500.000 Euro zusammengekommen.

Die Moderatoren Mirja Boes und Guido Cantz trinken Energy-Drinks statt Kölsch und halten sich damit an das Alkoholverbot, das an diesem Tag in Köln gilt. Auf den Rängen der Arena sitzen ein paar Pappfiguren. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken sagt nach seinem Auftritt, er habe beim Anblick der Pappkameraden einen Kloß im Hals gespürt. „Aber wir müssen geduldig und solidarisch sein“, sagt der Sänger, der im März 70 wird. Zusammen mit den Bläck Fööss hat er zuvor „Drink doch ene met“ gesungen – und damit mit Sicherheit für einige Tränchen gesorgt unter den Jecken vor den Bildschirmen. „Wenn die Bläck Fööss rufen, bin ich da“, sagt Niedecken.

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Thorsten Eisele von der Bläck-Fööss-Crew ist einer der Helfer, die von dem Geld profitieren sollen. „Das wäre meine 24. Session gewesen und manchmal hätte ich es mir ein bisschen ruhiger gewünscht, aber jetzt es ist zu ruhig.“ Seine Arbeit und die Menschen fehlen ihm sehr, sagt er. Und natürlich auch der Verdienst. „Wenn wir jetzt alle zusammenrücken, überstehen wir diese Durststrecke hoffentlich.“ Die Bläck Fööss gibt es inzwischen seit 50 Jahren. Die Jubiläumsfeier wurde noch einmal verschoben auf den Herbst.

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wird zum Spendenmarathon zugeschaltet und spricht über Techniker, Fahrer und Bühnenarbeiter. „Wir müssen auf tolle Stunden voller Spaß verzichten, diese Menschen aber müssen nicht nur auf Spaß verzichten, sondern auf ein fest eingeplantes Einkommen“, sagt er. „Viele geraten in wirtschaftliche Not und das dürfen wir nicht zulassen.“ Jede Spende sei ein Stück Hoffnung darauf, „dass wir unseren Karneval eines Tages – ich hoffe im nächsten Jahr – wieder so feiern können, wie wir es kennen“, sagt Laschet. Mirja Boes nennt den Ministerpräsidenten „den alten Haudegen“ und ruft die Zuschauer dazu auf, einfach direkt bei ihm anzurufen, wenn noch Fragen offen sein sollten. Cat Ballou, die Höhner oder die Band Cöllner sind auch für den guten Zweck dabei. Die Pappkameraden bleiben stumm auf ihren Stühlen sitzen. Vielleicht ist in einem Jahr alles wieder normal in Köln und die Menschen können in den Kneipen feiern – und nicht vor dem Bildschirm.

Mönchengladbach

In mit vielen bunten Luftballons geschmückter Kulisse eröffnet das Mönchengladbacher Prinzenpaar Axel I. und Niersius Thorsten um 11.11 Uhr den Straßenkarneval – natürlich nur virtuell, zu sehen in „Gladbachs jecker Flimmerkiste“. Gleich das erste Lied gibt das Motto für diese besondere Session vor, „Ein bisschen Spaß muss ein“. Vorher witzelt das Prinzenpaar noch über Lockdown-bedingte Haarlänge und Figurprobleme, die es nötig machten, in die Uniform „reingehievt zu werden“. Aufgelockert wird das Ganze durch witzige Einspielszenen zum Kostüm-Casting.

 Weiberfastnacht im Stream - so feiern die Karnevalisten in Mönchengladbach. Auf dem Foto Prinzenpaar Axel I. (Ladleif) und Prinz Niersius Thorsten.
Weiberfastnacht im Stream - so feiern die Karnevalisten in Mönchengladbach. Auf dem Foto Prinzenpaar Axel I. (Ladleif) und Prinz Niersius Thorsten. Foto: Jörg Isringhaus

Mit dem Kinderprinzenpaar Louis I. und Theresa I. geht es musikalisch weiter, später werden immer wieder Aufnahmen aus der vergangenen Session in die Lieder geschnitten – damals noch mit ausgelassen feierndem Publikum. Aber beide Prinzenpaare machen das Beste aus der schwierigen Situation und die schon monatelang andauernden Einschränkungen damit zumindest für eineinhalb Stunden vergessen.

Das neue virtuelle Format wurde vom Prinzenpaar gemeinsam mit dem Mönchengladbacher Karnevalsverband entwickelt; Oberbürgermeister Felix Heinrichs hatte die Schirmherrschaft übernommen und war ebenfalls Gast in der jecken Flimmerkiste.

Neuss

Lange wollen die zwei Moderatoren der „CoroNarrensitzung“ nicht quatschen. Ja, es ist alles anders als sonst, aber deswegen soll man nicht in Traurigkeit versinken. Keine zwei Minuten dauert es, bis die erste Band auftritt. Und bei den „Rabaue“ aus Grevenbroich ist von Traurigkeit wirklich gar nichts zu spüren. „Ich bin verliebt“, singt Rabaue-Frontmann Alex Barth lauthals, es fallen Konfetti von der Decke, die Zuschauer werden animiert zu singen. „Damit uns zumindest der Nachbar hören kann.“ Und das ist erst der Anfang.

Zweieinhalb Stunden Spaß hat das Neusser Lokalradio NE-WS 89.4 voraufgezeichnet. Die Karnevalssitzung kommt so nach Hause: Die Bläck Föös sind dabei, die Räuber, die Höhner, zwischendurch tritt der Duisburger Stand-Up-Comedian Markus Krebs auf. Und dann kommen am Ende auch noch Brings auf die Bühne, und wieder kommt die Liebe ins Spiel. „Glaub mir, die Liebe gewinnt“, singt Peter Brings. Der Satz hallt nach, und man fühlt sich tatsächlich ein bisschen besser. Das beste dabei – kauft man einmal das Ticket für zwölf Euro, kann man die Auftritte immer wieder schauen. Wenn mal wieder Bedarf nach guter Stimmung ist. 

Hier geht es zur Bilderstrecke: So laufen die virtuellen Karnevalspartys