Unterrichtsausfall in NRW: Viele Schulen warten auf Vertretungslehrer

Unterrichtsausfall in NRW: Viele Schulen warten auf Vertretungslehrer

Zum Start ins zweite Schulhalbjahr können viele Vertretungslehrer ihren Dienst noch nicht antreten, weil der notwendige Vertrag noch bei der Bezirksregierung Düsseldorf liegt. Dort kommt man offenbar mit der Arbeit nicht nach.

Eigentlich hat Manfred Drüsen (Name geändert) alles richtig gemacht. Der Schulleiter eines Gymnasiums aus dem Kreis Kleve hat bereits vor etwa vier Wochen — und damit rechtzeitig — die Mittel für einen Vertretungslehrer bei der Bezirksregierung Düsseldorf beantragt und auch bewilligt bekommen. "Auch einen qualifizierten Lehrer für die vakante Stelle habe ich längst gefunden", sagt er. Der neue Kollege soll eigentlich am Montag seinen Dienst als Englisch- und Sportlehrer antreten. Doch daraus wird wohl nichts. "Der Vertrag mit der Unterschrift von der Bezirksregierung ist noch nicht bei uns eingegangen", berichtet der Schulleiter. "Ich habe sogar angeboten, ihn selbst in Düsseldorf abzuholen. Aber sowohl auf dieses Angebot als auch auf meine Anrufe habe ich keine Resonanz erhalten."

So wie dem Schulleiter aus dem Kreis Kleve soll es derzeit vielen Direktoren gehen: Im Regierungsbezirk Düsseldorf müssen wohl viele Schulen zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres auf beantragte Vertretungslehrer verzichten, weil das zuständige Dezernat bei der Bezirksregierung Düsseldorf offenbar überlastet ist. "Wir sorgen sozusagen mit Mann und Maus dafür, dass die notwendigen Verträge abgeschlossen werden und der Unterricht stattfinden kann", betont Bernhard Hamacher, Sprecher der Bezirksregierung Düsseldorf. Nach Informationen unserer Zeitung müssen die Beamten in dem Dezernat derzeit Hunderte solcher Anträge bearbeiten. Wegen der Fülle der aufgelaufenen Verträge sind angeblich schon Mitarbeiter aus anderen Abteilungen hinzugezogen worden.

Wer momentan im Dezernat 47 Z anruft, bekommt eine Ansage auf Band zu hören. Darin wird dem Anrufer mitgeteilt, dass bis zum 7. Februar "aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens" niemand zu erreichen sei. Man solle auch keine Sachstandfragen per E-Mail schicken. Der Sprecher der Bezirksregierung erklärt in einer Stellungnahme den Grund für diese Maßnahme: "Es geht hier um ausgefallene Lehrkräfte, die kurzfristig durch Vertretungslehrkräfte aufgefangen werden sollen. Gleichzeitig ist die Anfrageflut der Schulleitungen und Lehrkräfte so enorm, dass wir nicht in der Lage sind, beides zu tun: Verträge schreiben und telefonische Anfragen beantworten." Die Bezirksregierung betont, dass dadurch kein Unterrichtsausfall entstehe.

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Das sehen betroffene Schulen jedoch anders. Ein Direktor aus dem Bergischen Land erklärt: "Dadurch, dass der Ersatz für unseren kranken Kollegen nicht anfangen kann, müssen andere Kräfte aus dem Kollegium das Loch stopfen." Diese wiederum fehlten dann an anderer Stelle, sagt der Schulleiter. "Wenn es tatsächlich so wäre, dass kein Unterricht ausfallen würde, bräuchten wir auch keinen Vertretungslehrer."

Petra Vogt, schulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, übt scharfe Kritik an Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). "Die Vorkommnisse sind ein weiteres Beispiel dafür, wie lax die Ministerin mit dem Thema Unterrichtsausfall umgeht", sagte Vogt unserer Zeitung. "Erst streicht sie die Mittel für den Vertretungsunterricht, dann weigert sie sich, den Unterrichtsausfall überhaupt zu erfassen, und nun wird er durch eine Behörde in ihrem Zuständigkeitsbereich verursacht." Diese Fahrlässigkeit gehe zulasten von Schülern und Lehrern. Zuvor hatte bereits die FDP-Fraktion die Ministerin aufgefordert, den Missstand zu beheben.

Der Philologen-Verband NRW verteidigt hingegen die Bezirksregierung. "Die machen schon alles, was sie können, um die Verträge zu bearbeiten", sagt Cornelia Kapteina-Frank, Personalrätin für Lehrer an Gymnasien. "Die Mitarbeiter haben so einen hohen Berg an Arbeit auf dem Tisch liegen, dass sie nicht einmal ans Telefon gehen können", betont Kapteina-Frank. Sie sieht die Schuld dafür aber auch bei Schulleitern selbst: "Einige meiner Kollegen haben auch erst sehr spät ihre Anträge gestellt. Darum müssen sie jetzt auch etwas länger warten."

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(RP)
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