Video aus Prosper Haniel: Youtuber filmen in stillgelegter Zeche in Bottrop

Youtuber filmen in Prosper Haniel : „Die haben nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt“

Youtuber haben sich in Bottrop illegal Zugang zur stillgelegten Zeche Prosper Haniel verschafft. Die Aktion haben sie gefilmt und online gestellt. Warum das lebensgefährlich war, hat uns ein ehemaliger Bergmann erklärt.

Jürgen Jakubeit klingt empört, wenn er über das Video aus dem Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop spricht. Der ehemalige Bergmann hat für die Youtuber, die in die stillgelegte Zeche eingedrungen sind und die Aktion gefilmt haben, deutliche Worte. „Da kann man sich nur drüber aufregen. Das ist unmöglich und unfassbar. Die haben nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, sondern auch das von anderen.“

Jakubeit gehörte zu den letzten Reviersteigern im Ruhrgebiet, hat bis zum Schluss im Bergwerk Prosper Haniel gearbeitet. Als die Zeche im Dezember mit einem Festakt geschlossen wurde, überreichte er Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier symbolisch das letzte geförderte Stück deutscher Steinkohle. Er kennt die Welt unter Tage. Er weiß um die Gefahren.

Jetzt ist Prosper Haniel wieder in den Schlagzeilen – diesmal wegen des Videos aus dem Bergwerk. Jakubeit vermutet, dass die Gruppe über den Förderberg unter Tage gekommen und bis zur 5. Sohle im Bergwerk gelangt ist. Ein Weg von mehr als drei Kilometern, rund 750 Meter tief.

Emotionaler Abschied vom Steinkohlenbergbau auf Prosper-Haniel in Bottrop

In Prosper Haniel besteht immer noch Explosionsgefahr

Die Kleidung der Filmer, die im Video zu sehen sind, die Kameras, die sie benutzen, lassen den Bergmann darauf schließen, dass sie gar nicht wussten, in welche Gefahr sie sich begeben. „Wir haben unter Tage immer noch leicht entzündliche Gase. Die Arbeitskleidung der Bergleute besteht deshalb aus reiner Baumwolle. Bei Synthetikklamotten kann es zu statischer Aufladung kommen und das kann eine Explosion auslösen. Und dass die Kameras explosionssicher waren, denke ich auch nicht.“

Im Video sind einige Mitglieder der Gruppe zu sehen, die nicht etwa in Schutzkleidung, sondern nur mit T-Shirt und Jeans im Schacht unterwegs sind. „Eine Dame aus der Gruppe hat sich zwischendurch sogar die Schuhe ausgezogen. Wenn sie umgeknickt wäre und nicht hätte weiterlaufen können, wie wären die dann den Förderberg wieder hochgekommen? Ein anderer hat versucht, eine Wettertür per Hand zu öffnen. Das ist lebensgefährlich“, sagt Jakubeit.

RAG hat Strafanzeige gestellt

Das Video hatte sich unter den ehemaligen Bergleuten schnell verbreitet. Sie sind auch sauer, weil eine mögliche Explosion oder ein anderer Vorfall ihre alten Kollegen hätte treffen können, sagt Jakubeit. „Unter Tage wird ja noch gearbeitet. Das Bergwerk wird zurückgebaut – das ist kein Lost Place. Und der Förderberg ist mit weiteren Schächten verbunden“, sagt Jakubeit. Das bestätigt auch RAG-Sprecher Christof Beike. „Was die Jungs da gemacht haben, ist in höchstem Maße gefährlich - nicht nur für sich selbst.“ Der Bereich sei Teil der Grube, Schlagwetterexplosionen seien nicht ausgeschlossen. „Die haben nicht nur sich selbst gefährdet, sondern auch alle Kollegen, die noch im Bergwerk arbeiten.“

Die Gruppe selbst wollte sich gegenüber unserer Redaktion nicht äußern. Auf ihrem Youtube-Kanal gibt sie als Ausrüstung auch Gasmelder an. Der WDR schreibt, dass die Gruppe ihm gegenüber die Gefahr herunterspielt. „Man habe einen bergbauerfahrenen Kollegen dabeigehabt sowie Geräte und Kameras verwendet, die dort sicher seien“, zitiert der Sender die Gruppe. Die RAG hat Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Gefährdung gestellt. Das Unternehmen will jetzt außerdem nochmal prüfen, wo Lücken im System sind, über die Unbefugte ins Bergwerk kommen könnten, sagt Beike. „Wenn wir eine Lücke übersehen haben, müssen wir die schließen.“

Die Polizei in Recklinghausen hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Sprecherin Ramona Hörst sagt, dass sie davon ausgehe, dass die Aufnahmen am 28. April gemacht wurden. An diesem Tag soll es demnach einen Polizeieinsatz gegeben haben, weil sich eine verdächtige Person auf dem Bergwerksgelände aufgehalten habe. Jürgen Jakubeit hofft, dass die Polizei die Gruppe ausfindig machen kann. „Hoffentlich gibt es da keine Nachahmer“, sagt er.

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