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Baustellen in NRW: Verzögerungen durch Metalldiebe

Baustellen in NRW : Verzögerungen durch Metalldiebe

Auf den Autobahnbaustellen in NRW stehlen Kriminelle immer wieder Metall und Gerätschaften. Meistens werden die Täter nicht erwischt. Laut Landeskriminalamt wird die Beute an Schrotthändler im benachbarten Ausland verkauft.

Eigentlich müsste Projektleiter Josef de Mülder derzeit allen Grund zur Freude haben. Die Umbauarbeiten am Autobahnkreuz sind wegen des milden Winters drei Wochen voraus. Auch der 3,7 Kilometer lange Teilabschnitt der Autobahn 57 zwischen Neuss-West und Holzbüttgen, der auf sechs Spuren vergrößert wird und an das Kreuz anschließt, wird früher als geplant fertiggestellt. Doch so richtig freuen mag sich Mülder nicht darüber. Denn Metalldiebe machen ihm zu schaffen. "Die nehmen alles mit, was auf den Baustellen liegt", sagt er. Die Diebstähle hätten sogar schon mehrfach zu Verzögerungen bei den Bauarbeiten geführt, berichtet er. "Wenn wichtige Teile plötzlich über Nacht wegkommen, kann man am nächsten Morgen nicht mehr weiterarbeiten."

Das Problem gibt es nicht nur beim Ausbau der A 57, landesweit leiden die Arbeiten auf den Baustellen unter den Kriminellen. "Meist haben sie es auf die Schutzplanken abgesehen", berichtet Behördensprecher Frank Löchter. Aber auch Kabeltrommeln, lose Stahlteile und sogar Mülleimer, die auf Rastplätzen montiert werden sollen, werden gestohlen. An manchen Baustellen seien auch schon schwere Gerätschaften wie etwa Bagger von den Kriminellen abtransportiert worden, berichtet der Leiter einer GroßBaustelle bei Köln. Wie hoch der finanzielle Schaden ist, den die Diebe anrichten, kann Löchter nicht sagen: "Den haben die von uns beauftragten Baufirmen zu tragen."

Trotz Ermittlungskommissionen werden die Autobahn-Metalldiebe bis auf wenige Ausnahmen nicht erwischt. Denn die Täter kommen nachts. "Sie fahren einfach auf die Baustelle mit Transportern und nehmen dann das mit, was sie gebrauchen können", sagt ein Ermittler. Dagegen sei man machtlos. "Wir können die Baustellen nicht rund um die Uhr überwachen", erklärt Löchter. Videoüberwachung sei auch nicht möglich.

Immer wieder verursachen Metalldiebe enorme Schäden. In Duisburg deckten die Täter zuletzt fast ein ganzes Kirchendach ab. Selbst vor Friedhöfen machen die Kriminellen nicht Halt: Landesweit werden Grabanlagen verwüstet. "Die Banden stehlen aus Messing, Kupfer oder Bronze gefertigten Grabschmuck", sagt ein Ermittler. In Neuss legten Kriminelle vor wenigen Wochen den Bahnverkehr lahm, nachdem sie Stützstahlseile eines Hochspannungsmastes an der Bahnlinie abmontiert hatten. Oft kommt es auch zu schweren, teils tödlichen Unfällen. 2012 wurden nach Angaben der Polizei in NRW mindestens sechs Kabeldiebe durch Stromschläge oder Züge getötet, als sie versuchten, Kupferkabel an Gleisen zu entwenden.

Insgesamt aber sind die Metalldiebstähle in NRW zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder rückläufig. Das Landeskriminalamt (LKA) zählte 2013 landesweit 4686 Fälle. 2012 waren es noch 5707 Fälle gewesen. Eine verlässliche Prognose für dieses Jahr sei derzeit nicht möglich, sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen. Die Gründe dafür kenne man nicht, sagt er. "Es werden aber auch nicht immer alle Taten bei der Polizei angezeigt." Ein möglicher Grund für den Rückgang könnten die gefallenen Metallpreise sein. Laut dem Institut für deutsche Wirtschaft in Köln lagen die in Euro gerechneten Metallpreise 2013 um ein Sechstel niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Bei den Tätern handelt es sich laut LKA häufig um Gruppen aus dem südosteuropäischen Raum. "Vor allem wenn es sich um große Metalldiebstähle mit hohem Beutewert handelt", erläutert Scheulen. Die gestohlene Ware wird nach Erkenntnissen des Polizeipräsidiums Dortmund an Schrotthändler in Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich verkauft. Um die Täter zu fassen, führt die Polizei regelmäßig Großkontrollen an Autobahnraststätten in den Grenzregionen durch.

Nicht nur Metalldiebe machen Josef de Mülder zu schaffen. Auch mit Vandalismus hat er zu kämpfen — vor allem mit Graffitis. "Wenn wir eine Schallschutzwand aufstellen, ist sie am nächsten Tag beschmiert", sagt er. "Aber wie bei den Metalldieben können wir auch das kaum verhindern."

Hier geht es zur Infostrecke: 30 Geheimnisse über die Autobahnen in NRW

(RP)