Vergewaltigung in Mülheim: „Die haben hier immer herumgelungert“

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Mülheim : „Die haben hier immer herumgelungert“

Der wegen der Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in Haft sitzende 14-Jährige soll bereits im Herbst 2018 ein Mädchen vergewaltigt haben. Die insgesamt fünf Tatverdächtigen wohnen in sozialen Brennpunkten.

An der Eppinghofer Straße in Mülheim reihen sich Imbisse, Barbershops, Teestuben, Wettbuden und Läden mit gebrauchten Handys in der Auslage aneinander. Ali.S. ist erst vor drei Monaten aus Berlin hierher gezogen. „Es ist hier gefährlicher als da, wo ich herkomme. Das hätte ich nie für möglich gehalten“, sagt er.

Gleich nebenan wohnt die Familie eines 14-Jährigen, dem vorgeworfen wird, an der Vergewaltigung einer jungen Frau beteiligt gewesen zu sein. Ali S. kennt ihn und seine Clique flüchtig. „Die haben hier immer auf der Straße herumgelungert“, sagt er. Fünf Jugendliche aus Bulgarien (zwölf bis 14 Jahre) sollen am vergangenen Freitag eine junge Frau vergewaltigt haben. Ein 14-Jähriger sitzt wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Von der Eppinghofer Straße zum Tatort, einem kleinen Waldstück am eher gutbürgerlichen Eppinghofer Bruch, sind es mit dem Fahrrad nur gut fünf bis sechs Minuten. Etwas weiter entfernt ist der 14-Jährige gemeldet, der in Untersuchungshaft sitzt. Er wohnt mit seiner Familie in einem Mehrfamilienhaus, das man als sogenannte Problemimmobilie bezeichnen würde. Er hat an der Präventionsmaßnahme „Kurve kriegen“, teilgenommen, um ihn, wie ein Sprecher der Stadt sagt, aus dem Strudel einer Intensivtäterschaft herauszuholen.

Der Hauptgrund dafür, wieso er an dem Programm teilnahm, dürfte in einer Strafanzeige vom 24. September 2018 stehen, in die unsere Redaktion Einblick gehabt hat. Demnach wurde bei der Staatsanwaltschaft Duisburg gegen ihn bereits im Frühherbst 2018 wegen eines sexuellen Übergriffs, sexueller Nötigung und Vergewaltigung ermittelt. Das Verfahren wurde aber im Oktober 2018 eingestellt, weil er zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig war.

Bei dem damaligen Opfer soll es sich um dasselbe Mädchen handeln, das am vergangenen Sonntag ebenfalls in Mülheim von einer Gruppe Jugendlicher sexuell belästigt wurde. Eine Person aus ihrem Umfeld sagte unserer Redaktion, dass es der 15-Jährigen natürlich nicht gut gehe. Außerdem würde er den Jungen, der sie im vergangenen Jahr missbraucht hat und der jetzt in Untersuchungshaft sitzt, kennen. Man wohne schließlich in derselben Gegend. „Der ist für sein asoziales Verhalten bekannt“, sagt er. Die Staatsanwaltschaft Duisburg wollte sich zu dem Sachverhalt auf Anfrage nicht äußern.

Die Familien der fünf Tatverdächtigen wohnen nach Angaben der Stadt seit zwei bis vier Jahren in Mülheim. Nun aber droht ihnen zumindest teilweise die Ausreise. „Nach EU-Recht ist es möglich, ihnen unter bestimmten Umständen die Freizügigkeit zu entziehen. Das prüfen wir“, sagt der Stadtsprecher. Demnach muss den Familien nachgewiesen werden, keiner geregelten Arbeit nachzugehen, ansonsten müssten sie intensive Arbeitssuche betreiben. Sollten sie jedoch werktätig oder nachweislich arbeitssuchend sein, seien der Stadt die Hände gebunden. „Wegen der möglichen Taten ihrer Kinder können wir sie nicht ausweisen“, erklärt der Sprecher. Man nehme den aktuellen Verdachtsfall zum Anlass, um die rechtlichen Optionen für eine Rückführung auszuloten. Von drei Familien sei aber bereits bekannt, dass sie über ein Erwerbseinkommen verfügten, hier komme eine Rückführung nicht infrage.

Die Gegend rund um die Eppinghofer Straße ist arm, weit weg sind hier die noblen Villen rund um die Mülheimer Prinzenhöhe am anderen Ende der Stadt. Kemal R. ist 1991 mit seinen Eltern aus Sri Lanka nach Mülheim gezogen. Er kenne so ziemlich jeden rund um die Eppinghofer Straße, sagt er. Mit dem Viertel gehe es seit etwa neun Jahren bergab. „Damals kamen die ersten Bulgaren hierher. Und seitdem werden die Zustände immer schlimmer“, sagt R.

Abends säßen große Gruppen bulgarischer Männer auf der Straße. „Frauen können dann nicht mehr gefahrlos da vorbeigehen“, behauptet er. Andere Anwohner berichten von ähnlichen Situationen. „Die haben vor nichts und niemanden Respekt, werfen ihren Müll auf die Straße, selbst wenn ein Mülleimer in der Nähe ist“, sagt eine Libanesin.

(mit Material von dpa)
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