Vergewaltigung in Bochum auf Friedhof: Herbert Reul kritisiert die Polizei

Vergewaltigung unter Verschluss gehalten: Innenminister Reul kritisiert Bochumer Polizei

Nach der Vergewaltigung einer Frau auf einem Friedhof in Bochum ist die Polizei in die Kritik geraten. Sie hatte den Fall zunächst unter Verschluss gehalten. Das sei ein Fehler gewesen, hieß es jetzt in einer Stellungnahme. Kritik kommt auch vom Innenminister.

Ein Polizeisprecher hatte am Mittwoch das Verbrechen vom 18. Februar bestätigt. Ein 30 Jahre alter Mann soll eine 33 Jahre alte Frau auf einem Friedhof in Bochum vergewaltigt haben. Der Fall war von den Sicherheitsbehörden zunächst unter Verschluss gehalten worden, wie unsere Redaktion am Mittwoch berichtete. Der Tatverdächtige ist ein verurteilter Sexualstraftäter, der an einem speziellen Programm des Landes NRW mitnimmt.

Täter war vorbestrafter Sexualverbrecher

Die Polizei reagierte ebenfalls am Mittwoch mit einer Stellungnahme. Um das schwer mitgenommene Opfer zu schützen, habe man sich damals bewusst dagegen entschieden, den Fall zu veröffentlichen, sagte der Polizeisprecher. Das Opfer werde durch die mediale Berichterstattung erneut mit der Tat konfrontiert. "Wir wissen von Psychologen, dass dies für die Opfer oft sehr belastend ist." Dennoch sei es aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen, die Festnahme des einschlägig vorbestraften Bochumers nicht mitzuteilen.

Zunächst sei es aber auch darum gegangen, den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden. Der mutmaßliche Vergewaltiger, ein Deutscher, sitze seit 23. Februar hinter Gittern. Er soll die Frau mit einem Stein bewusstlos geschlagen und sich dann an ihr vergangen haben. Das Opfer habe, wieder zu Bewusstsein gekommen, noch mitbekommen, dass der Mann nach der Tat in ein Taxi gestiegen sei. Den Ermittlern sei es gelungen, den Taxifahrer ausfindig zu machen und dann auch den Fahrgast.

Kritik vom Innenminister

"Die Pressearbeit in dem Bochumer Fall entspricht nicht meinem Verständnis von Transparenz", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). "Ich erwarte von allen Polizeibehörden im Land, dass in Zukunft in vergleichbaren Fällen transparent und offensiv kommuniziert wird." Die Bochumer Polizei kündigte an, zukünftig bei vergleichbaren Fällen offensiv berichten zu wollen.

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In Nordrhein-Westfalen stehen derzeit 1056 Sexualstraftäter unter Aufsicht von Polizei und Justiz, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts am Mittwoch auf Anfrage. Für Sexualstraftäter, die ihre Strafe verbüßt haben, wurde 2010 das Programm "Kurs" ("Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern") geschaffen.

"Während die Wissenschaft von einer Rückfallquote dieser Straftätergruppe zwischen 20 und 24 Prozent ausgeht, haben wir im Kurs-Programm eine Rückfallquote von etwa drei Prozent", sagte der LKA-Sprecher.

Die Sozialprognose galt als gut

Jeder Sexualverbrecher wird in einer Fallkonferenz in eine Gefährdungsstufe eingeteilt. Danach unterscheidet sich die Intensität der Beobachtung. Maßnahmen reichen von einer Gefährderansprache bis zur Observation. "Wenn etwa ein Täter, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde, eine Beziehung zu einer Frau mit Kindern aufnimmt, würden wir mit ihr reden." Im Fall des 30-jährigen Bochumers sei die Sozialprognose gut gewesen, teilte die Bochumer Polizei mit: Er habe eine feste Partnerin gehabt, feste Arbeit und habe Therapieangebote wahrgenommen.

Dass regelmäßig nur ein Teil der Sexualverbrechen bekannt wird, zeigt schon ein Blick in die Kriminalstatistik: 2016 wurden in NRW 2320 Vergewaltigungen und besonders schwere sexuelle Nötigungen registriert. Das sind statistisch gesehen mehr als sechs schwere Sexualstraftaten pro Tag.

(csi/lsa/lnw)