Verdi-Streik 2018 in NRW: Keine Flüge, keine Bahnen, keine Busse

Verdi-Streik im Rheinland: Keine Flüge, keine Bahnen, keine Busse

Die nächste Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst schwappt über Nordrhein-Westfalen. In vielen Städten fahren keine Bahnen, in Köln bleiben auch Flugzeuge auf dem Boden. Wer von A nach B muss, ist mitunter echt genervt. Die Gewerkschaft sagt: Es geht nicht anders.

Es sind die ganz kurzen und die ganz weiten Reisen, die die größten Probleme machen. Die mit der Straßenbahn - und die mit dem Flugzeug. "Annulliert", "Annulliert", "Annulliert" warnt die Anzeigetafel am Flughafen Köln-Bonn am Dienstagmorgen in großen Lettern. Zeitweise muss der Flugverkehr komplett eingestellt werden.

Die kleinere Variante - aber mit derselben Botschaft - ist in den Innenstädten zu lesen. "Warnstreik!" melden Tafeln in Wuppertal, "Heute fahren keine Bahnen" in Köln. Auch das heißt: Es geht wenig bis gar nichts. Und in vielen Städten Nordrhein-Westfalens sieht es ähnlich aus. Wer zur Arbeit will, guckt in die Röhre. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Liveblog.

Die Gewerkschaft Verdi hat erneut zum Warnstreik im öffentlichen Dienst aufgerufen. (Hier lesen Sie einen Überblick aus der Region) Vor der wohl entscheidenden Verhandlungsrunde soll weiterer Druck auf die Arbeitgeber aufgebaut werden. Der landesweite Aufruf gilt Beschäftigten in der ganzen Palette des öffentlichen Dienstes - von der Müllabfuhr über Sparkassen bis Stadtverwaltungen und Krankenhäusern.

Für die Massen sind die Folgen vor allem im Verkehr und bei den Kitas zu spüren, die vielerorts geschlossen bleiben müssen - hier wie da ist Improvisationstalent gefragt. Antje Beierling, Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, nennt es einen Organisationsmarathon. "Die Eltern versuchen, so gut es geht, sich gegenseitig zu unterstützen. Aber das hat Grenzen."

  • Streik in NRW : Flugbetrieb am Flughafen Köln-Bonn wieder aufgenommen

In etlichen Städten werden die Nahverkehrsunternehmen bestreikt. Auf den Straßen steigen viele auf Fahrräder um oder halten nach den wenigen Bussen Ausschau, die noch fahren. Nicht alle haben dafür Verständnis. "Andere Berufe sind auch schlecht bezahlt", schimpft die medizinische Fachangestellte Sabrina Blaum, die gerade knapp einen entscheidenden Anschluss verpasst hat. "Man muss es zumindest so organisieren, dass die Leute zur Arbeit kommen." Wie sie weiterkommt? "Mal schauen." Andere pflichten der Gewerkschaft bei. "Wenn man nicht streikt, landet man in der Altersarmut", sagt eine Frau in Duisburg.

Heftig trifft es den Flugverkehr. An den einstmals staatlich betriebenen Airports werden noch zahlreiche Beschäftigte nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt. Am Flughafen Köln/Bonn legen um 6 Uhr die ersten Mitarbeiter die Arbeit nieder, um 8 Uhr zieht die Flughafenfeuerwehr nach. Der Flugverkehr muss für mehrere Stunden komplett eingestellt werden. Schon vorsorglich waren mehr als 70 Flüge abgesagt worden. Köln/Bonn gehört zu den vier Flughäfen in Deutschland, die bestreikt werden. Ähnliches passiert in München, Frankfurt und Bremen.

Dem Warnstreik lasse "jede Verhältnismäßigkeit vermissen", kritisiert unter anderem Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. Der Kölner Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft Verdi, Daniel Kolle, hält dagegen: Warnstreiks seien eben das einzige Mittel der Beschäftigten, um ihre Interessen deutlich zu machen. In Wahrheit hätten die Arbeitgeber sie erst provoziert, weil kein Angebot vorliege, über das man sprechen könne.

Verdi und der Beamtenbund dbb, der auch Angestellte vertritt, fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat. An diesem Sonntag beginnt in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Verdi-Streik am 10. April 2018 in der Region

(sef/lnw)
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