Urteil im Höxter-Prozess - lange Haftstrafen und Einweisung in Psychiatrie

LG Paderborn verkündet Höxter-Urteile: Lange Haftstrafen und Einweisung in Psychiatrie im Horrorhaus-Prozess

Angelika W. und ihr Ex-Mann Wilfried W. haben über Jahre Frauen auf einem Hof in Höxter-Bosseborn gequält - zwei Frauen starben. Nach zweijährigem Prozess sind nun in Paderborn die Urteile gefallen.

Nach fast zwei Jahren ist der „Höxter-Prozess“ um die Verbrechen auf einem alten Hof im ostwestfälischen Bossenborn beendet: Die Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitzenden Richter Bernd Emminghaus verurteilte Angelika W. am Freitagmorgen wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen zu 13 Jahren Haft. Ihr Ex-Mann Wilfried W. muss elf Jahre ins Gefängnis. Für ihn wurde die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Damit folgte das Gericht den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklägern nicht. Bei Angelika W. habe die Kammer von einer lebenslangen Haft abgesehen, weil sie umfassend ausgesagt und zur Aufklärung beigetragen habe. Wilfried W. sei vermindert schuldfähig, so dass eine lebenslange Freiheitsstrafe nicht infrage komme, sagte der Vorsitzende Richter.

Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Angeklagte die Höchststrafe gefordert: lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld.

Die Angeklagten, 48 und 49 Jahre alt, haben sich als Geschwister ausgegeben und mindestens sechs Frauen auf ihrem Hof gedemütigt und schwer misshandelt haben. Anika W. (33) und Susanne F. (41) überlebten das Martyrium nicht.

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Im Prozess hatte vor allem Angelika W. immer wieder gezeigt, wie mitleidlos sie während und nach den Taten war. Sie könne keine Empathie empfinden, hatte sie der psychiatrischen Gutacherin Nahlah Saimeh gesagt. „Wenn ich es gekonnt hätte, wäre es zu all diesen Grausamkeiten nicht gekommen“, sagte sie in ihrem letzten Wort im September. Sie hatte die Leiche von Anika W. im Keller des Hauses zersägt, verbrannt und die Asche der Toten auf der Straße verstreut.

Wilfried W. hatte sich im Prozess unsicher und schüchtern gezeigt. Beide beschuldigten sich gegenseitig, die treibende Kraft bei den Folterexzessen gewesen zu sein. Wilfried W. ist vermindert intelligent und steht moralisch „auf der Stufe eines Grundschülers“, wie die psychiatrische Gutachterin gesagt hatte. Die ritualisierten Misshandlungen und die sadistischen Abstrafungen der Frauen könne nur begreifen, wer die Verbindung der beiden in den Blick nehme, sagte Saimeh. „Sie haben wie Schlüssel und Schloss gepasst.“ Am letzten Prozesstag hatten sich beide Angeklagten noch bei den Opfern entschuldigt.

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