Gewitter und Sturmböen: Unwetter wütet über NRW: 23-jährige Frau stirbt

Gewitter und Sturmböen : Unwetter wütet über NRW: 23-jährige Frau stirbt

Orkantief "Anna" hat am Freitag für enorme Schäden gesorgt. Ein Gewitter mit teils heftigen Sturmböen ist über Teile Nordrhein-Westfalens gezogen. Eine Frau stirbt in Erkelenz, sie wird von einer stürzenden Hauswand erschlagen. In Essen war die Feuerwehr im Großeinsatz, weil ein Kirchturm brannte. Der Flugbetrieb am Düsseldorfer Flughafen musste vorübergehend eingestellt werden.

Wie die Landesleitstelle in Duisburg mitteilte, wurde die 23-Jährige in Erkelenz von einer frisch gemauerten Wand erschlagen. Die junge Frau stand in einem Rohbau zwischen der vor etwa einer Woche gemauerten Giebelwand und mehreren Paletten mit Steinen, als plötzlich beide Giebelwände des Neubaus durch den Winddruck des Unwetters umgedrückt wurden, meldet die Polizei. Die 23-Jährige zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Sie wurde von Angehörigen ins nahe gelegene Krankenhaus gebracht, wo sie noch in der Notfallambulanz ihren Verletzungen erlag.

Ein stürzender Baum traf zudem einen Mann in Mettmann, in Bochum fiel ein Radfahrer hin, als er gegen einen umgewehten Bauzaun fuhr. Beide Männer wurden schwer verletzt. Nach einem Blitzeinschlag brannte ein Kirchturm in Essen. 24 Verkehrsunfälle und insgesamt 352 Einsätze gingen auf das Konto von "Anna", teilte die Landesleitstelle in Duisburg am Samstag mit. Der entstandene Schaden wird auf mindestens 200.000 Euro geschätzt. Die Heftigkeit der Wintergewitter über Deutschland in der Nacht zum Samstag hat selbst einen Meteorologen überrascht.

Essens höchster Kirchturm brennt

Nach einem Blitzeinschlag ist in Essen der höchste Kirchturm der Stadt in Brand geraten. Wie Feuerwehr und Polizei am frühen Samstagmorgen mitteilten, schlug dieser gegen 20 Uhr in den 74 Meter hohen Turm der Pfarrkirche St. Hubertus und Raphael im Stadtteil Bergerhausen ein. Daraufhin habe sich ein Schwelbrand in der Kirchturmspitze entwickelt.

Die Polizei sperrte vorsichtshalber die Umgebung ab und evakuierte drei Wohnhäuser und das Pfarrhaus. Da sich die Löscharbeiten als sehr schwierig erwiesen, forderte die Feuerwehr einen 84 Meter hohen Kran an. Wie ein Sprecher gegen 4 Uhr sagte, sägte die Feuerwehr das Dach von außen auf, um den Brand zu löschen. Erst am Samstagmorgen war der Brand unter Kontrolle. Befürchtungen, dass der Turm einsturzgefährdet ist, bewahrheiteten sich nicht.

Starkregen, Blitz und Donner

In Duisburg, Geldern und Mönchengladbach hatte sich das Gewitter am frühen Abend mit starkem Regen, Blitz und Donner bemerkbar gemacht. In Duisburg und Krefeld gingen Hagelschauer nieder, außerdem fegten Sturmböen durch die Städte. Ebenfalls betroffen waren Oberhausen und Wuppertal.

Im Neandertal sind zwei Männer verletzt worden, als ein 25 Meter hoher Baum entwurzelt wurde und auf das Auto stürzte, mit dem sie unterwegs fahren.

Am Freitagabend um 19.01 Uhr beschloss die Verkehrsleitung des Airports in Düsseldorf, den Flughafen kurzfristig zu schließen. Grund dafür seien "unerwartet starke Windböen auf der Start- und Landebahn" und ein starkes Gewitter, wie ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Flugzeuge im Anflug auf Düsseldorf mussten nach Köln ausweichen.

Betroffene Passagiere, die auf dem Weg von Dubai ins Rheinland waren, berichteten davon, dass mindestens 20 Maschinen in der Domstadt statt in Düsseldorf landeten. Ein Sprecher des Düsseldorfer Airports sprach von lediglich neun umgeleiteten Flügen. Um 19.11 Uhr sei die Sperrung des Düsseldorfer Flughafens wieder aufgehoben worden, so der Sprecher weiter. Inzwischen laufe der Flugbetrieb wieder normal.

Unklar war zunächst, ob die in Köln zwischengelandeten Maschinen noch am Freitag weiter nach Düsseldorf fliegen würden. Dort gilt ein striktes Nachtflugverbot. Landungen nach 23 Uhr sind grundsätzlich nicht gestattet. Diese Überlegungen erwiesen sich jedoch als unbegründet: Bereits gegen 21.15 Uhr landete die letzte umgeleitete Maschine in Düsseldorf.

Blitz schlägt in Stellwerk ein

In einem Stellwerk in Duisburg-Großenbaum ist ein Blitz eingeschlagen. Es kam laut einem Bahnsprecher jedoch zu keinen Zugausfällen, sondern nur zu Verzögerungen. Auf einer Teilstrecke in Duisburg gab es aufgrund des Blitzeinschlags eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Verspätungen auf der Strecke Duisburg - Düsseldorf waren die Folge. Auf der Strecke Wuppertal - Solingen musste ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden, sagte eine Bahn-Sprecherin unserer Redaktion.

höchste Windgeschw. NRW: Issum 119 km/h, Unna 100, Legden 98, Flghf. Münster/Osn. 96, Wuppertal, Achen 93

Das Unwetter zog am Freitagabend quer durch Nordrhein-Westfalen. Meteomedia warnte auf seiner Internetseite vor Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 119 Stundenkilometern.

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(anch)
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