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Unwetter NRW: Überschwemmungen durch Starkregen - zwei Feuerwehrleute sterben - Lage weiter angespannt

Lage weiter angespannt : Überschwemmungen in NRW – zwei Feuerwehrleute sterben

Im Einsatz gegen die Auswirkungen der neuesten Unwetter sind zwei Feuerwehrleute im Märkischen Kreis ums Leben gekommen. Heftiger Regen verursachte in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens Überschwemmungen, Hochwasser und Stromausfälle. In der Eifel sind sechs Häuser eingestürzt - 30 Menschen werden vermisst.

Das Klinikum Leverkusen musste teilweise evakuiert werden, Operationen wurden abgesagt. Die Steinbachtalsperre ist zur Gefahrenzone erklärt worden, die Wuppertalsperre läuft über. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will am Donnerstag die von Überflutungen besonders betroffene Ruhrgebietsstadt Hagen besuchen.

Seit Dienstag hätten landesweit rund 3900 Kräfte fast 2100 Einsätze bewältigt. „Viele von ihnen sind ehrenamtlich tätig und arbeiten gerade unermüdlich, um die Wassermassen zu bewältigen“, so der Minister. Ihnen und allen anderen Helfern und Einsatzkräften in den betroffenen Regionen sei er sehr dankbar, sagte Reul.

Ein Überblick über die Region:

Wuppertal

Köln: Rheinpegel steigt - Promenade überschwemmt

Kurz nach Mitternacht meldete die Stadt Wuppertal über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Talsperre überläuft, konrete Prognosen dazu, wie das Wasser die Stadtt erreichen wird und welches Ausmaß an Überflutungen erwartet werden muss konnten noch nicht gemacht werden. Die B7 war kurz zuvor ab Alter Markt in östliche Richtung komplett gesperrt worden. Warnfahrzeuge fuhren durch die betroffenen Gebiete und informierten per Lautsprecherdurchsage die Anwohner. In einer Sporthalle wurde eine Notunterkunft eingerichtet.

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Rhein-Sieg-Kreis

Die Steinbachtalsperre wurde wegen der Überschwemmung zur extremen Gefahrenzone erklärt. Im Rhein-Sieg-Kreis lässt die Polizei Bonn seit 23.30 Uhr in der Nacht Swisttal-Odendorf, Essig, Ludendorf und Miel räumen. Alle Anwohnerinnen und Anwohner der betroffenen Ortsteile wurden aufgerufen, sich sofort aus dem Gebiet zur Sporthalle der Georg-von-Böselager Sekundarschule, Höhenring 101 in Swisttal-Heimerzheim begeben. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst unterstützen die Räumung.

Heftige Regenfälle haben in Hagen zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt. Hunderte Notrufe gingen bei der Feuerwehr ein. „Die Leute sind verzweifelt“, sagte ein Sprecher in Hinblick auf die Vielzahl an vollgelaufenen Kellern in der Stadt. Außerdem seien aufgrund der überspülten Straßen stellenweise Fahrzeuge ins Rutschen gekommen.

 Durch Starkregen kam es in Altena im Sauerland zu einem Erdrutsch. Die Straße wurde gesperrt.
Durch Starkregen kam es in Altena im Sauerland zu einem Erdrutsch. Die Straße wurde gesperrt. Foto: dpa/Markus Klümper

Von Hängen wurden zudem Schlammmassen auf Straßen gespült, viele Ortsteile waren daher nicht befahrbar. Wegen Gerölls auf den Straßen können einige Ortsteile selbst von Einsatzfahrzeugen der Polizei und Feuerwehr nicht befahren werden, wie der Sprecher weiter mitteilte.

Der Krisenstab in Hagen rief Bürger, die in unmittelbarer Nähe von Flüssen wohnen dazu auf, sich in höher liegende Bereiche zu begeben. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte für diesen Donnerstag einen Besuch in Hagen an, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Aufgrund des Starkregens ist die Feuerwehr in Düsseldorf zu rund 350 Einsätzen ausgerückt. In der Nacht zum Mittwoch seien Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt worden, teilte die Feuerwehr mit. Auf dem nördlichen Zubringer zur A44 ist das Wasser zeitweise rund 60 Zentimeter hoch gestanden. Awohner der Ostparksiedlung im Stadtteil Grafenberg wurden am Mittwochmittag aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, da Überflutung droht. Weitere Eindrücke zu den Einsätzen in Düsseldorf finden Sie hier.

Ähnliche Szenen haben sich in Hilden ereignet. Seit 1 Uhr nachts ist die Feuerwehr dort im Einsatz und pumpt vollgelaufene Keller leer. An manchen stellen sind Bäche, wie beispielsweise der Hoxbach, über die Ufer getreten. Weitere Infos zu den Aufräumarbeiten in Hilden lesen Sie hier. Die Abriss der Henley-Brücke wegen des Starkregens verschoben.

In Erkrath gab es in der Nacht ebenfalls zahlreiche Einsätze. Die Stadt hat die Anwohner am Mittwochmorgen angehalten, möglichst „kein weiteres Abwasser zu produzieren und möglichst nur noch die Toilette zu nutzen.“ Auf Wäsche waschen und duschen sollte nach möglichkeit verzichtet werden. In Mettmann wurde eine Frau schwer verletzt: Durch den aufgeweichten Boden stürzte ein Baum um und begrub die Frau unter sich. Sie wurde eingeklemmt und konnte sich nicht selbst befreien. Durch nachfließendes Wasser drohte sie zu ertrinken. Ein Ersthelfer hielt den Kopf der Frau über Wasser, bis die Feuerwehr sie vom Baum befreien konnte. Weitere Eindrücke aus Erkrath, Mettmann und Wülfrath finden Sie hier.

Auch in Leverkusen ist die Feuerwehr aufgrund des Starrkregens im Dauereinsatz. Straßen stehen unter Wasser, Keller laufen voll. Es gibt es viele größere Einsätze im gesamten Stadtgebiet. Längst sind die komplette Leverkusener Berufsfeuerwehr und alle freiwilligen Kräfte ausgerückt. Ein Krisenstab nahm die Arbeit auf. Ein Bürgertelefon wurde geschaltet. Zum Abend hin verschärft sich die Lage weiter. Teilweise wurde der Strom abgestellt. An der Hauptstraße stehen Autos im Wasser. Darunter auch ein Kleintransporter, der Impfstoff beim Chempark anliefern sollte. Der Impfstoff wurde in ein Einsatzfahrzeug der Werksfeuerwehr umgeladen und an den Zielort gebracht. Das Klinikum Leverkusen musste aufgrund eines massiven Stromausfalls schritt- und zunächst teilweise evakuiert werden. Hierbei handelt es sich nach Angaben von Kliniksprecherin Sandra Samper um eine Vorsichtsmaßnahme, weil die Notstromversorgung und die restliche Normalversorgung durch das Unwetter bedroht seien.

Wege an der Wupper wurden in Hückeswagen im Laufe des Tages überflutet. In Solingen war die Feuerwehr auch nachts auf verschiedenen Einsätzen unterwegs.

In Köln ist bereits am Dienstagmittag der Mehr zur Situation nach dem Starkregen in Köln lesen Sie hier.

Durch die heftigen Regenfälle droht eine Überflutung des historischen Stadtkerns von Kornelimünster in Aachen. Grund sei der steigende Wasserstand des Flusses Inde in dem Stadtteil, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Die Feuerwehr bereite eine Notunterkunft vor, um Menschen aus Teilen des historischen Altstadtkerns aufnehmen zu können. Die betroffenen Haushalte würden von städtischen Mitarbeitern informiert und gebeten, ein paar Dinge zusammenzupacken. Wer bei Familie oder Freunden unterkommen kann, solle dies zu tun. „Momentan ist die Lage noch unter Kontrolle“, teilte die Stadt am frühen Nachmittag mit.

Eine Sandsack-Füllmaschine wurde nach Angaben der Stadt am Dienstag in Betrieb genommen. 10.000 Säcke seien gefüllt worden. Zusätzlich würden Sandsäcke aus Köln und Düren abgeholt. Insgesamt sollten im Laufe des Mittwochs 50.000 Säcke einsatzbereit sein.

In Altena im Sauerland haben die starken Regenfälle viele Schäden verursacht. Die Stadt war am Mittwoch „so gut wie nicht erreichbar“, teilte die Polizei mit. Ein Feuerwehrmann ist bei Rettungsarbeiten ertrunken. „Wer nicht unbedingt nach Altena fahren muss, sollte sein Anliegen verschieben.“ Das Hochwasser an der Lenne verschärfte die Situation. Das Wasser des über die Ufer getretenen Flusses laufe bereits in die Innenstadt, hieß es am Nachmittag. Mehrere Straßen wurden gesperrt.

Ein weiterer Feuerwehrmann starb im Märkischen Kreis. Der 52-Jährige kollabierte während eines Einsatzes nahe dem Kraftwerk Elverlingsen. Die Polizei ging von einem internistischen Notfall aus..

In Würselen ist das Dach eines Geschäfts in einem Einkaufszentrum durch den Starkregen eingestürzt. Ein Mensch wurde dabei verletzt, konnte sich aber selbst aus dem Gebäude retten.

Die Deutsche Bahn meldete Verspätungen und Zugausfälle. Aufgrund von Unwetterschäden sei unter anderem die Fernverkehrs-Strecke zwischen Köln und Dortmund nur mit erheblichen Einschränkungen befahrbar.

Der Starkregen soll laut Deutschem Wetterdienst bis Donnerstagmorgen anhalten. Insgesamt könne es 40 bis 80, regional auch bis zu 130 Liter pro Quadratmeter regnen. Der Schwerpunkt der Regenfälle soll vom Münsterland bis in den Südwesten des Landes liegen. Auch Hagel und Sturmböen mit bis zu 90 Kilometern pro Stunde sind möglich. Zwischendurch soll es nur kurze Niederschlagspausen geben.
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Hier geht es zur Bilderstrecke: Starkregen in NRW – Straßen überschwemmt, Rhein tritt über die Ufer

(juju/siev/chal/bsch/dpa)