Schwere Unfälle und viele Verkehrstote Todesfalle Landstraße – was sich in NRW jetzt ändern soll

Düsseldorf · Gefährliche Überholmanöver, überhöhte Geschwindigkeit und Bäume: Jährlich sind die meisten Verkehrstoten auf Landstraßen zu beklagen. Was ein Brief an zwei NRW-Minister jetzt bewirken soll.

 Auf Landstraßen kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Auf Landstraßen kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Seit Jahren kommt es auf den Landstraßen in Nordrhein-Westfalen zu vielen schweren Verkehrsunfällen, die häufig tödlich enden. Erst vor wenigen Tagen kam es etwa in Kaarst bei Düsseldorf im Kreuzungsbereich zweier Landstraßen zu einer heftigen Kollision zwischen einem Motorrad und einem Auto, bei dem der Motorradfahrer schwerste Verletzungen davontrug. „Wir müssen die Landstraßen endlich sicherer machen“, fordert der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Erich Rettinghaus. „Jährlich sterben dort viele Menschen durch gefährliche Überholvorgänge und Raserei. Damit muss Schluss sein“, so Rettinghaus weiter.

In einem Brief an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) fordert der DPolG-Vorsitzende ein flächendeckendes Tempolimit 80 auf allen Landstraßen, um die Zahl der Unfalltoten in NRW deutlich zu senken. Dafür regt er ein Pilotprojekt an, in dem Tempo 80 auf ausgewählten Landstraßen für eine bestimmte Zeit getestet wird.

Wie hoch der Anteil der bundesweit erfassten Unfalltoten auf Landstraßen ist, zeigt ein im November 2023 veröffentlichter Bericht des Bundesinnenministeriums, wonach im Jahr 2022 insgesamt 57 Prozent aller Verkehrstoten auf Landstraßen zu beklagen waren – 1593 von 2788. Der Versicherer UDV kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Einer Auswertung der Unfallforschung zufolge ereignen sich fast zwei Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle auf Landstraßen.

Was schon 20 Stundenkilometer weniger ausmachen, zeigt sich am Bremsweg. So kommt ein Auto nach einer Vollbremsung mit 100km/h erst etwa nach 50 Metern zum Stehen; bei 80 km/h steht das Auto schon nach rund 30 Metern. „Geschwindigkeit tötet“, betont Rettinghaus.

„Außerdem erhöhen Wälder und Alleen das Risiko schwerer Schäden, wenn Fahrzeuge von der Straße abkommen“, heißt es bei den Experten des Bußgeldkatalogs. „Die Verkehrswege sind auch wesentlich enger als die weitläufigen Autobahnen oder ähnlich ausgebaute Straßenabschnitte. Und nicht zuletzt können kreuzendes Wild oder landwirtschaftliche Fahrzeuge für zusätzliche Störungen sorgen. Es gibt also zahlreiche Gefahrenquellen auf der Landstraße.“

Der ADAC warnt vorm Überholen auf Landstraßen. „Autofahrende schätzen Geschwindigkeiten und Distanzen beim Überholen oft falsch ein. Deshalb kommt es immer wieder zu kritischen Situationen und Unfällen“, heißt es beim Automobilverband. „Meistens ist die Zeitersparnis ohnehin gering. Berechnungen haben ergeben, dass es, je nach Länge der Strecke, oft nur wenige Minuten sind“, so der ADAC.

(csh)
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