Unbekannte verletzen mehrere Bäume in Erkrath, Viersen, Dülken und Schwerte

Kein Zusammenhang vermutet : Unbekannte verletzen mehrere Bäume in NRW

In der Region häufen sich aktuell Fälle von mutwilliger Baumbeschädigung. In Erkrath wurden Bäume sogar mit einer Motorsäge angesägt. Die Polizei geht allerdings nicht von einem Zusammenhang aus.

Dülken und Viersen wurden den Stämmen eines Bergahorns und einer Eiche tiefe Schnitte zugefügt. Es ist damit zu rechnen, dass die beiden Bäume die Verletzungen nicht überstehen werden. Wenige Tage davor wurden in Erkrath auf einem Friedhof fünf Bäume mit einer Akku-Motorsäge auf ähnliche Art und Weise so stark beschädigt, dass sie gefällt werden müssen.

Die Polizei geht davon aus, dass die Fälle nicht miteinander zusammenhängen. Dafür sei die Entfernung zu groß. „Wir vermuten, dass der oder die Täter, die für den Baumfrevel verantwortlich sind, im näheren Umfeld zu suchen sind“, sagt ein Sprecher der Kreispolizeibehörde Mettmann. Möglicherweise habe einen Friedhofsbesucher in Erkrath die Bäume gestört, vielleicht weil Laub auf ein Grab gefallen sei, so der Polizeisprecher. „Soweit ich weiß, waren einige Bäume noch recht jung. Das hatten sie nicht verdient“, sagt er. Ein Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass die fünf Bäume (Esche, Linde, Roteiche und zwei Birken) nicht mehr zu retten sind und gefällt werden müssen.

Esche am Schulsportplatz der Realschule an der Josefskirche. Dieser Baum zeichnet sich durch einen sogenannten Tiefzwiesel aus. Das ist eine Teilung des Stammes im unteren Bereich. Beide Stämme weisen einen tiefen Schnitt auf. Foto: Stadt Viersen

Der Bergahorn, der in Dülken beschädigt wurde, ist vor 41 Jahren gepflanzt worden. Durch die zwei bis drei Zentimeter tiefen Einschnitte könnte der Baum nun von Pilzen befallen werden. Auch auf die Versorgung mit Nährstoffen wirkt sich die Beschädigung aus.

Häufig werden Beschädigungen von Bäumen auch billigend in Kauf genommen. So rissen Unbekannte etwa am Essener Baldeneysee in der vergangenen Woche zum wiederholten Male Wegmarkierungen an alten Bäumen so rabiat ab, dass die Bäume schwer beschädigt wurden.

Otto Pöll von der niederrheinischen Forstamtsleitung rät, solche Fälle unbedingt zur Anzeige zu bringen. „Man muss immer sehen, ob es durch die Beschädigungen einen Wertverlust am Holz gibt oder ob der Baum getötet worden ist“, sagt Pöll. Dieser Unterschied könnte vor Gericht eine Rolle spielen.“ Auf jeden Fall sei es Sachbeschädigung, sagt er. „Einerseits können professionelle Jagdzerstörer dahinter stecken, die absichtlich Hochsitze beschädigen und Verletzungen anderer in Kauf nehmen“, sagt er. „Es können aber auch zerstörungswütige Jugendliche sein, die ihre Kräfte an wehrlosen Bäumen messen wollen. Das kommt häufiger vor.“

In Schwerte haben Unbekannte im vergangenen Jahr sogar Bäume durchbohrt und in die Bohrlöcher eine Flüssigkeit gegossen – vermutlich Gift oder Säure, damit der Baum abstirbt. Ähnlich gingen Unbekannte im vergangenen Sommer auch in Duisburg vor. In einigen Stadtteilen wurden gezielte Stämme von mehreren Platanen angebohrt, in die man dann eine giftige Substanz füllte. 15 Bäume wurden mit dieser Methode vergiftet. Der Stadt Duisburg entstand ein Schaden von rund 100.000 Euro.

Umweltschützer sprechen in dem Zusammenhang auch von „Baummördern“ und „Baumschlitzern“, die bundesweit agierten. Im Internet soll es sogar entsprechende Foren geben, in denen sich die Täter über die besten Methoden zur Baumtötung austauschen. Wer Bäume aufbohrt und vergiftet, kann hart bestraft werden. Laut Polizei sei das alles andere als ein Kavaliersdelikt. In besonders schweren Fällen droht sogar eine Gefängnisstrafe. Grundsätzlich sei es aber schwer, solche Taten aufzuklären. „Die Täter hinterlassen keine Spuren, auch keine Fingerabdrücke“, so der Polizeisprecher aus Mettmann.

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