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Unbekannte setzen Ferkel in Moers, Mülheim und Oberhausen aus

Ausgesetzte Ferkel in NRW : „Wenn es nicht gequiekt hätte, hätte niemand es gefunden“

Unbekannte haben junge Schweine in mehreren NRW-Städten ausgesetzt. Inzwischen wurden sechs Ferkel gefunden. Ihre Ohrmarken waren entfernt worden, daher ist unklar, aus welchem Betrieb die Tiere stammen.

„Aus Verzweiflung – in gute Hände abzugeben!“ stand auf einem Zettel, den ein Ferkel um den Hals trug, das am Mittwochabend in Oberhausen an der Mülheimer Straße entdeckt wurde. Es lief frei herum, war ängstlich. 20 Minuten vorher war bereits ein Ferkel in der Dienststraße gefunden worden. Auch in Mülheim an der Ruhr und Moers wurden Ferkel ausgesetzt, sie wurden in Kartons gefunden, über die Getreidesäcke gezogen waren. „Ich dachte zuerst, da sei eine Ratte drin“, erzählt Kristina Wegner aus Moers, die eines der Tiere gefunden und die Polizei alarmiert hat. Der Sack sei mit Kabelbinder zugebunden gewesen und mitsamt dem kleinen Schwein einen abschüssigen Parkplatz heruntergekullert. „Als ich ein Quieken gehört hab, hab ich meine Mutter gefragt: Hast du das auch gehört?“, sagt die 34-Jährige.

Insgesamt wurden sechs Tiere inzwischen in Tierheimen untergebracht. In allen Fällen lag ein Zettel bei. „Ich bin hier, da mein Landwirt die Futterpreise nicht mehr bezahlen kann“, steht darauf. Gerade mal 20 Euro würde ein Landwirt für ein ausgewachsenes Schwein bekommen.

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„Wenn hinter dieser Aktion tatsächlich ein Landwirt steckt, hat er sich und allen anderen Bauern damit keinen Gefallen getan“, sagt Volker Wiebels, Sprecher der Stadt Mülheim. Ein Schwein sei unter einer Hecke versteckt gewesen. „Wenn es nicht gequiekt hätte, hätte niemand es gefunden – das ist Tierquälerei.“ Die Stadt habe Anzeige gegen unbekannt erstattet. Das städtische Tierheim gehe davon aus, dass es sich um Tiere aus einer Massenhaltung handle, die kein Tageslicht kennen. „Sie sind sehr verängstigt“, sagt Wiebels.

 Dieser Zettel lag bei den Ferkeln.
Dieser Zettel lag bei den Ferkeln. Foto: RPO/Stadt Mülheim

Ob die ausgesetzten Tiere im Zusammenhang stehen mit Protesten für eine faire Entlohnung von Landwirten vor der Mülheimer Aldi-Zentrale, ist unklar. „Wir rätseln auch seit zwei Tagen“, sagt Thomas Leuchter. Der Landwirt aus Essen ist Mitglied beim Landesverband Nordrhein-Westfalen von „Land schafft Verbindung“. „Die Frage ist für uns vor allem, woher die Ferkel stammen.“ Dass die Tiere aus einer Massenhaltung kommen, könne man ihnen nicht ansehen, sagt er. „Die können genauso gut vorher in einem Garten gelebt haben oder sonstwo, kleine Tiere sind immer verschreckt.“ Bei allen Ferkeln waren die Ohrmarken entfernt, auf denen gekennzeichnet ist, wo sie geboren wurden und aus welchem Betrieb sie stammen.

„Wir wissen nun noch nicht mal, ob sie überhaupt aus Deutschland kommen“, sagt Leuchter. „Wir können die Schweine deshalb auch nicht einfach in einem Betrieb aufnehmen, womöglich sind sie hochansteckend krank, haben die Afrikanische Schweinepest – das wissen wir alles nicht, es sind natürlich erst einmal nur Überlegungen, die wir anstellen.“ Er kann sich nicht vorstellen, dass ein Landwirt die Tiere ausgesetzt hat. „Wenn das wirklich ein Landwirt war, muss der sehr verzweifelt gewesen sein“, sagt er. „Die Aktion kann ihn Haus und Hof kosten.“

Stadtsprecher Wiebels sagt: „Wer die Tiere ausgesetzt hat, hat jedenfalls gezeigt, dass ihm die Tiere völlig egal sind.“