„Umweltsau“-Video: WDR-Intendant verteidigt seine Entschuldigung

Tagung des WDR-Rundfunkrates : WDR-Intendant verteidigt Entschuldigung wegen „Umweltsau“-Video

WDR-Intendant Tom Buhrow hat seine Entschuldigung wegen des von WDR2 auf Facebook veröffentlichten „Umweltsau“-Videos im Rundfunkrat verteidigt. Ein neuer Beschluss wurde aber nicht gefasst.

Er habe im Dezember schnell auf die öffentlich geäußerte Kritik an dem Video reagieren müssen, um Schaden vom WDR abzuwenden, sagte Buhrow am Freitag im WDR-Rundfunkrat. Das Video, in dem der WDR-Kinderchor Dortmund eine satirische Umdichtung des Lieds „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ sang, hatte Ende Dezember eine heftige Kontroverse ausgelöst. Der Rundfunkrat fasste am Freitag keinen Beschluss zu dem Video.

Die „Verstörung“ über das Lied sei „aus der Mitte der Gesellschaft“ gekommen, sagte Buhrow im Rundfunkrat. Die Redaktion habe sich die Entscheidung, das Video aus dem Netz zu nehmen, nicht leicht gemacht. Insgesamt habe für ihn die Diskussion darüber gezeigt, wie tief die Spaltung der Gesellschaft gehe. Der WDR wolle aus der Diskussion lernen und eine neue Social-Media-Strategie für Krisen entwickeln.

Im Rundfunkrat wurde kontrovers diskutiert. Der Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber sagte, ein großer Teil der rund 3.000 Zuschriften, die der Rundfunkrat dazu per Mail und als Briefe erhalten habe, habe bei ihm den Eindruck erweckt, dass es sich um eine Kampagne handele, in der ganz grundsätzliche Kritik am öffentlich-rechtlichen System geäußert werde. Der Rundfunkrat sei ein Aufsichtsgremium, aber „kein Abladeplatz für rechtsextreme Beschimpfungen“.

Die SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier bedankte sich bei Buhrow für die Entschuldigung. Das Video sei dazu geeignet gewesen, Alt und Jung auseinanderzudividieren, sagte sie. Es habe dem WDR geschadet. Dem hielt der Grünen-Politiker Oliver Keymis entgegen, es sei falsch gewesen, das Video zu löschen. Es gebe Meinungsfreiheit und es gebe auch die innere Rundfunkfreiheit der Sender. Hörfunkdirektorin Valerie Weber erklärte, das Video sei gelöscht worden, um die Kinder des Chors vor persönlichen Anfeindungen zu schützen.

Die Rundfunkräte verwiesen eine Beschlussvorlage zu dem Video an den Programmausschuss. Darin heißt es, der Rundfunkrat stehe „uneingeschränkt zur Kunst-, Kultur- und inneren Rundfunkfreiheit sowie zur Freiheit der Satire“. Das Gremium respektiere die Entschuldigung des Intendanten als Ausdruck des Bemühens, „der öffentlich geäußerten Kritik aus Sorge um den Zusammenhalt der Generationen Rechnung zu tragen“.

(ham/epd)