Neue Ermittlereinheit beim LKA Warum Umweltkriminalität fortan zur Organisierten Kriminalität gehört

Düsseldorf · Ob abgelassener Kraftstoff im Rhein oder entsorgte Autoreifen im Wald: Illegale Müllentsorgung ist ein lukratives Geschäft. Die NRW-Polizei verschärft nun den Kampf gegen die Umweltsünder.

Immer wieder muss im Rhein Öl abgepumpt werden.

Immer wieder muss im Rhein Öl abgepumpt werden.

Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Im Neusser Hafen kommt es seit einigen Wochen immer wieder zu Gewässerverunreinigungen. Zuletzt kam es dort vor einer Woche zu einer Verschmutzung auf der Wasseroberfläche; es bildete sich ein kleiner ölartiger Teppich. In dem Fall handelte es sich wohl um Dieselkraftstoff eines Frachters. „Stoffe werden bewusst oder unbewusst abgelassen“, heißt es bei der Wasserschutzpolizei. Das Ergebnis ist aber gleich: Das Wasser ist verschmutzt, zudem fallen die Verunreinigungen häufig gar nicht auf.

Unter anderem gegen solche Art von Delikten will das Land NRW nun entschiedener vorgehen und hat dafür im Landeskriminalamt (LKA) die sogenannte Vernetzungsstelle Umweltkriminalität ins Leben gerufen. Sie soll alle Behörden im Land, die bislang schon gegen die Umweltsünder kämpfen, miteinander verzahnen. „Wir rücken sie Schreibtische enger zusammen, tauschen uns intensiver mit den Umweltverwaltungsbehörden und der Staatsanwaltschaft aus“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Den Kriminellen müsse deutlich gemacht werden, dass Umweltstraftaten zulasten unser aller Lebensgrundlage gehen. Daher sei die Gründung der Stabsstelle ein guter Tag für die Kinder und künftige Generationen, betonte Reul. „Die Umwelt ist ein stilles Opfer. Sie erstattet keine Anzeige und macht auch nicht auf sich aufmerksam“, so das Landesinnenminister.

Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes ist Umweltkriminalität sehr lukrativ. „Unternehmer können beispielsweise Ausgaben einsparen, wenn sie giftige Stoffe nicht sachgerecht entsorgen“, sagte LKA-Direktor Ingo Wünsch. „Nicht selten ermitteln wir strukturiertes und organisiertes Vorgehen der Täter. Folgerichtig ist die Vernetzungsstelle auch in der Abteilung der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität angesiedelt“, so Wünsch. Weltweit gesehen sind Umweltdelikte nach Drogenkriminalität und Warenfälschungen der drittgrößte Kriminalitätsschwerpunkt.

Während die neuen Ermittler hauptsächlich an Schreibtischen sitzen, patrouillieren ihre Kollegen von der Wasserschutzpolizei (Wapo) täglich auf den Wasserstraßen. Die Wapo, für die rund 280 Personen arbeiten, ist für die Überwachung des Verkehrs auf den 900 Kilometern schiffbaren Wasserstraßen und Gewässern in NRW zuständig. Dazu zählen auch Einsätze aus besonderem Anlass bei Regatten und Großveranstaltungen wie Rhein in Flammen, Hafenfeste und der „Japan“-Tag in Düsseldorf.

Grundsätzlich werden auf dem Wasser die gleichen Straftaten begangen wie an Land. In der wasserschutzpolizeilichen Praxis ergeben sich allerdings deutlich andere Schwerpunkte. Bei den typischerweise auf dem Wasser begangenen Straftaten handelt es sich beispielsweise um: (Ladungs-)Unterschlagung, Urkundenfälschung, Fischwilderei und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, gefährliche Eingriffe in den Schiffsverkehr, Gewässerverunreinigungen sowie den unerlaubten Umgang mit Abfällen.

(csh)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort