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Umfrage: So belastet Corona die Kliniken in NRW

Verschobene Operationen, zu wenig Personal : So belastet Corona die Kliniken in NRW

Die immer noch hohen Infektionszahlen beeinträchtigen auch die Krankenhäuser in NRW. Wir haben in zehn Kliniken nachgefragt, ob Operationen verschoben werden müssen, wie das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten ist und wie sich die Personalnot auswirkt.

Die vierte Corona-Welle sorgt in den Krankenhäusern einiger Bundesländer für eine kritische Lage. Intensivbetten sind knapp, Operationen müssen verschoben werden, das Personal ist nach mehr als eineinhalb Jahren Pandemie erschöpft. Wir haben bei zehn Kliniken in Nordrhein-Westfalen nachgefragt, wie bei ihnen die Lage ist. Die Antworten sind eine Momentaufnahme, denn das Geschehen ist dynamisch – je nach Entwicklung der Infektionszahlen kann sich die Situation täglich ändern. 

  • Uniklinik Essen (Professor Jochen Werner, Ärztlicher Direktor) 

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus? Die aktuelle Lage an den Einrichtungen der Universitätsmedizin Essen, dem größten Corona-Zentrum der Metropole Ruhr und einem der größten Zentren in Deutschland, ist angespannt, aber unter Kontrolle. Aktuell behandelten wir am 8. Dezember insgesamt 63 an Covid-19 erkrankte Patientinnen und Patienten, davon 23 intensivmedizinisch.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

  • Auch um Triage zu vermeiden, werden
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  • Krankenpflegerin vor einem Behandlungszimmer der Intensivstation
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  • In den Kliniken in der Stadt
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Aktuell können wir noch unser volles Operationsprogramm fahren, was sehr wichtig ist, damit wir auch alle anderen, häufig schwerstkranken Patientinnen und Patienten spitzenmedizinisch versorgen können. Trotz unseres bewährten, sehr flexiblen Einsatzkonzeptes, dass die vorhandenen Ressourcen an Betten, medizinischen Geräten und vor allem Personal optimal an die Auslastung auf Basis der Covid-19-Patienten anpasst, würde eine weitere Zunahme von Covid-19-Patienten unwiderruflich auch zu einer Einschränkung des medizinischen Regelbetriebs führen und damit auch zu verschobenen Operationen. 

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Bei den intensivmedizinisch behandelten Patienten ist der überwiegende Teil nicht vollständig immunisiert, auch junge Menschen ohne Impfung können lebensbedrohlich an Covid-19 erkranken. Die Impfung ist und bleibt der zentrale Schutz, um eine Infektion zu vermeiden oder zumindest den Krankheitsverlauf signifikant abzuschwächen. In der Klinik für Infektiologie, in welcher die nicht intensivmedizinisch betreuten, an Covid-19 Patienten behandelt werden, ist der Anteil an Geimpften höher. Allerdings leidet diese Gruppe häufiger an Vorerkrankungen und ist im Durchschnitt älter als die Patienten auf der Intensivstation.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Die Situation beim Pflegepersonal ist schon seit langer Zeit angespannt. Die Pandemie hat diesen Pflegenotstand für die breite Öffentlichkeit sichtbar werden lassen und noch einmal massiv verstärkt. An der Universitätsmedizin Essen sind wir als attraktiver Arbeitgeber und mit einem vergleichsweise hohen Personalschlüssel insgesamt gut aufgestellt. Dennoch spüren auch wir den Mangel an ausgebildetem medizinischem Personal zunehmend als limitierenden Faktor. Wir müssen alles daran setzen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Menschen in Ihrem Beruf zu halten und neues Personal für diese prinzipiell sehr schöne und befriedigende Tätigkeit zu gewinnen. Dies machen wir an der Universitätsmedizin Essen mit einer Vielzahl von Aktionen und Projekten, letztlich muss diese nationale Herausforderung aber auf übergeordneter gesundheitspolitischer Ebene gelöst werden.

  • Uniklinik Düsseldorf (Tobias Pott, Sprecher)

Wie bewerten Sie die Situation in Ihrem Krankenhaus?

Die Intensivbettenkapazität ist am UKD sehr dünn und sehr dynamisch, so dass es immer wieder vorkommen kann, dass wir für einzelne Phasen keine zusätzlichen Patienten und Patientinnen auf den Intensivstationen aufnehmen können. Wir haben, wie andere Düsseldorfer Häuser auch, immer nur einzelne Betten zur Verfügung. Das gilt für den gesamten Intensivbereich, also nicht speziell für die Versorgung von Covid-Intensivpatienten.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Je nach Entwicklung der Belegung des UKD und dem Anstieg der Covid-19-Fälle kann es in einigen Fällen zu Verschiebungen von planbaren und nicht-dringlichen Behandlungen kommen. In welchen Fällen Aufschiebungen von Behandlungen möglich sind, müssen die behandelnden Kliniken mit Blick auf die jeweiligen Patienten individuell entscheiden. Wenn sich Behandlungstermine verschieben, kontaktieren die Kliniken die davon Betroffenen. Sollten wir pauschale Einschränkungen im Bereich der planbaren und nicht-dringlichen Behandlungen aufgrund der Pandemie vornehmen müssen, würden wir dies auf der Website und per Pressemitteilung bekannt geben.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Grundsätzlich ist es so, dass wir trotz der hohen Impfquote seltener vollständig geimpfte Patienten auf der Intensivstation betreuen müssen, die zudem meist durch Vorerkrankungen ein vermindert funktionsfähiges Immunsystem haben. Genau deshalb ist es so wichtig, vermeidbare zusätzliche Intensivpatienten in der aktuell angespannten Lage der Intensivbelegung durch eine Corona-Schutzimpfung möglichst vor einem schweren Verlauf zu schützen. Insgesamt wurden am 9. Dezember 47 Covid-Patienten im UKD behandelt, davon 16 auf der Intensivstation. 20 Patienten davon sind ungeimpft, 23 geimpft, bei vier Patienten ist der Status unbekannt. 

  • Städtische Kliniken Mönchengladbach (Professor Huan N. Nguyen, Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik sowie Dr. Harald Lehnen, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Wir haben täglich schwankend zwischen 15 Prozent und 25 Prozent Covid-Patienten auf unserer Intensivstation, alle Patientinnen und Patienten sind aus Mönchengladbach. Der Großteil der Patienten ist ungeimpft. Geimpfte Patienten haben Vorerkrankungen und sind älter als 60 Jahre. Insgesamt steigen die hospitalisierten Fälle in Mönchengladbach seit letzter Woche langsam. Wir erwarten einen weiteren Anstieg entsprechend der aktuellen Tendenz. Intensivpflichtige Covid-Patienten bleiben im Vergleich zu anderen Patienten länger auf der Intensivstation. Zudem steigen die Fälle mit anderen Atemwegsinfektionen erwartungsgemäß wie jedes Jahr. Dies könnte zu zusätzlichen Belastungen führen. 

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Die reguläre Versorgung ist bisher nicht beeinträchtigt. Stundenweise könnte es dennoch zu vorübergehenden Engpässen kommen. Bei entsprechendem Bedarf gibt es einen Stufenplan, Personal aus anderen Bereichen für die Intensivstation zu mobilisieren, um die Notfallversorgung weiterhin zu sichern. Die normale Covid-Isolierstation füllt sich zunehmend. Wichtig ist es, dass sich Patienten mit einer Infektion frühzeitig melden. In dem Fall gibt es Möglichkeiten, um eine Aufnahme auf die Intensivstation zu verhindern und so die Belastung im Bereich der intensivmedizinischen Versorgung zu reduzieren.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Uns machen derzeit vor allem die vielen ungeimpften Schwangeren Sorgen. Als eine der geburtsstärksten Kliniken in NRW sehen wir hier aktuell vermehrt schwere Verläufe. Wir hatten gerade erst eine nicht geimpfte Patientin in der 24. Schwangerschaftswoche, die auf Grund der Covid-19 Infektion zunächst auf die Intensivstation verlegt und dann in einer anderen Klinik an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen werden musste. Frauen, die in der Schwangerschaft an Covid-19 erkranken, haben im Vergleich zu nicht infizierten Schwangeren ein 26-fach höheres Risiko zu sterben, daher kann eine Impfung auch in diesem Fall das Risiko deutlich minimieren.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Die derzeitige Personalsituation auf der Intensivstation ist wie in den meisten anderen Kliniken auch in vielerlei Hinsicht schwierig, hier sehen wir auch die größte Gefahr für die kommenden Wochen, beispielsweise auch durch quarantänebedingte Ausfälle. 

  • Evangelisches Klinikum Niederrhein (Professor Daniel Vallböhmer, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Evangelischen Klinikum Niederrhein – zur Gruppe gehören das Evangelische Krankenhaus Duisburg-Nord, das Herzzentrum Duisburg, das Johanniter Krankenhaus Oberhausen, das Evangelische Krankenhaus Dinslaken sowie das Bethesda Krankenhaus Duisburg).

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Die Corona-Lage in unserem Klinikum ist in den letzten Wochen zunehmend angespannter geworden, noch ist sie aber beherrschbar. Dies wird vor allem durch unsere hochmotivierte Pflege sowie Ärzteschaft ermöglicht, die weiterhin eine kompetente Versorgung sowohl von Corona- als auch von Nicht-Corona-Patienten im stationären Bereich sicherstellen.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

In der Regel müssen bei uns bisher die Operationen nicht verschoben werden, die postoperativ keine intensivmedizinische Überwachung benötigen. Bei „größeren“ Operationen jedoch (wie bestimmte Gefäß-, Wirbelsäulen-, Kopf- oder auch Krebsoperationen), die ohne eine postoperative Überwachung auf der Intensivstation nicht möglich sind, kommt es in den vergangenen Wochen durch die Corona-Situation beziehungsweise den Pflegeengpass zu Verschiebungen.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Das Verhältnis von ungeimpften und geimpften Patienten ist (wie viele Parameter rund um die Corona-Pandemie) täglichen Schwankungen unterworfen. Im klinischen Alltag ist jedoch offensichtlich wahrzunehmen, dass nichtgeimpfte Patienten einen deutlich schwereren Infektionsverlauf aufweisen als geimpfte Patienten, inklusive einer Intensivpflichtigkeit.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Die Lage beim Pflegepersonal ist sehr angespannt, und so sind wir in ständiger Alarmbereitschaft. Gleichsam sind sich unsere Beschäftigten Ihrer Verantwortung bewusst und hoch motiviert bei der täglichen Versorgung unserer Patienten.

  • Katholisches Karl-Leisner-Klinikum (Sascha Sartor, Geschäftsführer; zum Karl-Leisner-Klinikum gehören im Kreis Kleve die Krankenhäuser St.-Antonius-Hospital Kleve, Wilhelm-Anton-Hospital Goch, Marienhospital Kevelaer, St. Nikolaus-Hospital Kalkar)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus? 

Die Corona-Situation ist aktuell noch beherrschbar, wir blicken aber mit Sorge auf die Entwicklung. Die Zahl der Covid-Patienten auf den Normalstationen steigt, und jahreszeitlich bedingt sind die Krankenhäuser des Klinikums stark belegt.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Behandlungen und Operationen mussten wir bisher nicht verschieben – bei einem weiteren Anstieg der Fallzahlen wäre das aber unvermeidlich.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Die Situation in der Pflege (und nicht nur da) ist angespannt. Die Teams arbeiten seit 20 Monaten am Limit, dazu kommt im Moment ein hoher Krankenstand.

  • Städtisches Klinikum Solingen (Karin Morawietz, Sprecherin)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Das Städtische Klinikum Solingen ist derzeit gut ausgelastet, aber wir haben erfreulicherweise immer noch Kapazitäten frei, um alle Patienten aufzunehmen, die medizinische Hilfe brauchen. Derzeit muss niemand abgewiesen werden. Wir waren in diesen Tagen sogar noch in der Lage, Patienten aus anderen Kliniken in der Umgebung aufzunehmen, weil dort die Auslastung am Limit ist.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Vor allem große Eingriffe an Wirbelsäule und im orthopädischen Bereich, die planbar sind, und in der Regel im Anschluss an die OP eine intensivmedizinische Versorgung benötigen, haben wir auf Januar 2022 verschoben. Zahlenmäßig ist es weniger als ein Dutzend. Tumoroperationen führen wir weiterhin zeitgerecht durch. Und auch jeder Notfall wird bei uns weiterhin sofort behandelt. Bei jungen Menschen, für die die Narkose und OP mit weniger Risiko verbunden sind, versuchen wir, den OP-Termin so gut es geht einzuhalten und die Betroffenen auf den regulären Stationen zu versorgen. Dennoch kommen etliche Patienten von alleine mit dem Wunsch auf uns zu, den bereits geplanten OP-Termin zu verschieben. Das ambulante Operationszentrum am SKS ist auch weiterhin gut ausgelastet.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Alle stationären Nicht-Covid Patienten werden bereits prästationär getestet, der Impfstatus wird erfragt und dokumentiert. Etwa die Hälfte der an Covid erkrankten Patienten, die stationär aufgenommen werden, ist ungeimpft.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?
Jahreszeitlich bedingt erkranken auch Mitarbeiter im Ärztlichen Dienst und in der Pflege derzeit häufiger als sonst. Wir setzen möglichst auf Flexibilität und Ausfallszenarien. So können zum Beispiel unsere hoch qualifizierten Fachpflegekräfte im Anästhesiebereich notfalls die Intensivpflege unterstützen, weil sie die entsprechende Weiterbildung vorweisen können.

  • Uniklinik Münster (Professor Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Die Lage am UKM ist – wie auch in anderen Kliniken in Zeiten der Pandemie – angespannt. Dennoch tragen die relativ niedrigen Inzidenzzahlen in NRW und im Besonderen in der Region dazu bei, dass im Vergleich zu anderen Häusern verhältnismäßig wenige Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, auf unseren Intensivstationen liegen. Im Rahmen der bundesweiten Verteilung haben wir über das Kleeblatt-Modell ein kleines Kontingent an Patienten aus anderen Bundesländern und/oder den benachbarten Benelux-Ländern aufgenommen. Da wir aber gleichzeitig auch einen erheblichen Mangel an ausgebildeten Pflegekräften haben, müssen wir derzeit teils elektive Eingriffe verschieben.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Im Moment werden aufgrund von Personalmangel von den 42 Operationssälen des UKM nur 35 betrieben. Tagesaktuell kann es sein, dass wir einen OP zusätzlich öffnen, wenn es die Lage erfordert. Die absolute Zahl der Operationen, die täglich ausfallen müssen, liegt zwischen vier und acht. Dabei bemühen wir uns darum, dass alle medizinischen Abteilungen gleichermaßen betroffen sind, um keine unbilligen Härten für Patienten daraus entstehen zu lassen.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Aktuell sind am UKM sieben Patienten wegen Covid-19 in Behandlung, vier davon auf Intensivstationen. Alle davon sind ungeimpft.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Von den 135 Intensivbetten, die wir am UKM noch zu Beginn der Pandemie betrieben haben, stehen aktuell aufgrund des Pflegemangels 110 zur Verfügung. Das entspricht einer Quote von knapp 20 Prozent, um die wir unsere Kapazität an Intensivbetten reduzieren mussten. Damit liegt das UKM im Schnitt dessen, was zum Beispiel die DIVI bundesweit für die Kliniken ermittelt hat. Andere Quellen wie das Deutsche Ärzteblatt sprechen davon, dass bundesweit in den Krankenhäusern inzwischen bis zu ein Drittel weniger Intensivbetten vorhanden sind. Die Zahl der Intensivpflegekräfte hat sich seit dem Beginn der Pandemie ebenfalls um etwa 20 Prozent reduziert. Neben einigen Pflegenden, die den Beruf verlassen haben, handelt es sich auch um solche, die ihren Stellenanteil reduziert und von Vollzeit in Teilzeit reduziert haben.

  • Klinikum Leverkusen (Hans-Peter Zimmermann, Geschäftsführer)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Wir bewerten die Corona-Situation und generelle Auslastung des Klinikums täglich und beobachten die Situation sehr genau. Im Augenblick ist die Situation auf den Covid-Stationen und Intensivstation angespannt, aber noch gut zu bewältigen. Ähnlich sieht es auch auf den weiteren Stationen aus.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Bislang waren wir nicht gezwungen, Operationen oder Behandlungen abzusagen. Wir haben unser Programm noch nicht einschränken müssen. Ab und zu musste eine Operation auf den nächsten Tag verschoben werden.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Die meisten Patientinnen und Patienten sind ungeimpft, gerade auf der Intensivstation. Schätzungsweise ein Viertel der Patienten sind geimpft. Solche pauschalen Aussagen über den Impfstatus haben aber wenig Aussagekraft. Man muss verschiedene individuelle Faktoren berücksichtigen: die Spanne zwischen der Zweitimpfung und der Infektion zum Beispiel, oder ob der Patient möglicherweise eine Immunschwäche hat, das Alter und so weiter.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal? 
Die Situation ist gerade auf der Intensivstation angespannt. Das pflegerische und ärztliche Personal kämpft nun schon in der vierten Welle um das Leben von Menschen unter schweren Bedingungen. Die Schutzausrüstung ist eine zusätzliche körperliche Belastung. Und auch emotional hinterlässt der inzwischen dauerhafte Stress natürlich Spuren.

  • Helios Klinikum Krefeld (Alexander Holubars, Geschäftsführer)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Wir verzeichnen an unseren Krefelder Standorten eine kontinuierlich steigende Hospitalisierungsrate – vorrangig auf den isolierten Normalstationen. Die Auslastung unserer Intensivkapazitäten durch Corona-Patienten mit schweren Verläufen ist derzeit gleichbleibend hoch.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Momentan gibt es aufgrund von Covid-19 noch keine größeren Einschränkungen bei der Behandlung unserer Patienten. Allerdings bewerten wir die Lage täglich neu und passen unser Belegungsmanagement auf Basis der Erfahrungswerte der vergangenen 18 Monate vorausschauend an. Dies erfolgt immer mit Blick auf die epidemiologische Entwicklung in der Region und der Sicherstellung unserer Handlungsfähigkeit. Der Druck auf die Gesundheitsversorgung von Non-Covid-Patienten steigt allerdings.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Einen umfassenden Überblick zum Impfstatus unserer Patientinnen und Patienten gibt die Grafik, die wöchentlich aktualisiert wird: Impfstatus der stationären Covid-19-Patienten bei Helios (helios-gesundheit.de). Bei den geringen Datensätzen ist eine weitere regionale Aufsplittung des Impfstatus statistisch gesehen ohne besondere Aussagekraft. Bei einer wachsenden Impfdurchdringung steigt auch der Anteil der Geimpften an allen stationären Corona-Patienten. Die Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe ist sehr gut, beträgt aber nicht 100 Prozent. Das heißt, sie können nicht alle Infektionen bei Geimpften verhindern. Sie sorgen aber nach wie vor dafür, dass Infektionen deutlich weniger häufig vorkommen und schwere Krankheitsverläufe vermieden werden.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Die Corona-Pandemie fordert unserem gesamten Personal auch weiterhin physisch und emotional sehr viel ab. Dabei geht es phasenweise auch bis an die Belastungsgrenze. Das ist uns bewusst und wir sind sehr dankbar und stolz, dass unsere Belegschaft dennoch auch nach 1,5 Jahren Drahtseilakt zwischen pandemiebedingtem Ausnahme- und ‚neuem‘ Regelbetrieb die Patientenversorgung mit großem Zusammenhalt sicherstellt.

  • Universitätsklinikum Bonn (Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender)

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihrem Krankenhaus?

Wir haben eine sehr starke Belastung mit vollbelegten Stationen, und auch alle unsere 134 Intensivbetten sind belegt.

Wie viele (und welche) Operationen müssen bei Ihnen aktuell verschoben werden?

Alle Operationen, die nicht aufgeschoben werden können, führen wir am UKB trotz unserer bisher über 1000 Behandlungen von Covid-19 Patienten durch.

Wie ist das Verhältnis von geimpften und ungeimpften Patienten in Ihrer Klinik?

Etwa 90 Prozent der Covid-19 Patienten sind ungeimpft.

Wie angespannt ist die Situation beim Pflegepersonal?

Die Belastung des Pflegepersonals ist sehr hoch, aber die Motivation zu helfen ist sehr groß.