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NRW: Uhu breitet sich aus: Lämmer gerissen und Menschen verletzt

NRW : Uhu breitet sich aus: Lämmer gerissen und Menschen verletzt

Zwölf Lämmer hat ein Uhu im Duisburger Stadtteil Rheinhausen in den vergangenen Wochen gerissen. In den Niederlanden wurden sogar etliche Menschen von dem Greifvogel verletzt.

In den 1960er-Jahren dachten die meisten Menschen beim Namen Uhu eher an den Klebstoff als an den Raubvogel. Gerade mal 40 Uhu-Paare nisteten zu der Zeit noch in Deutschland. Dank engagierter Wiederansiedlungsprogramme hat sich die Population der größten Eulenart seither deutlich erholt - heute gehen Vogelschützer von mehr als 2300 Brutpaaren aus.

Mit Folgen dort, wo menschliche und tierische Interessen kollidieren. So hat ein Uhu auf den Friemersheimer Rheinwiesen im Duisburger Stadtteil Rheinhausen in den vergangenen Wochen zwölf Lämmer gerissen. Und in der niederländischen Stadt Pumerand müssen sich die Bürger eines besonders aggressiven Uhus erwehren. Dutzende Menschen hat das Tier mittlerweile bei etlichen Angriffen verletzt, die Wunden mehrerer Opfer mussten genäht werden.

Ein Uhu ist ein imposantes Tier. Bis zu 75 Zentimeter wird er groß, die Spannweite kann 1,80 Meter und mehr betragen. Initiativen wie das Niederbergische Uhu-Projekt sorgten dafür, dass der geschützte Greifvogel Brutplätze findet. Unter anderem in den Steinbrüchen der Wuppertaler Kalkwerke Oetelshofen nisten die Tiere. Internationale Beachtung finde das Projekt, sagt Begründer Detlef Regulski. Rund 30 Brutpaare beobachte man, Beschwerden über die räuberischen Tiere habe es nie gegeben.

Auch Karl-Heinz Peschen, Leiter der Greifvogelstation in Wesel, wirbt um Verständnis für den geschützten Waldbewohner Uhu. "Greifvögel sind bei der Jagd Opportunisten", sagt er, das heißt, die Tiere gehen dahin, wo sie am leichtesten Futter bekommen - etwa auf eine Schafwiese. "Wir können den Tieren nicht vorschreiben, was sie fressen sollen", sagt Peschen. Für den Schäfer ist das schwierig - der Schaden für ihn beträgt pro Tier rund 120 Euro. Normalerweise fressen Uhus Ratten, Tauben, Krähen und Igel. Die Schafe in Duisburg gehören zu einer kleinwüchsigen Rasse.

Bei dem Fall in Holland muss es sich laut Peschen und Regulski um eine Ausnahme handeln. Greifvögel attackieren Menschen eigentlich nicht, fliegen höchstens Scheinangriffe, wenn sie ihr Nest in Gefahr wähnen. Möglicherweise ist das Tier von Menschen aufgezogen worden. Der Uhu in Pumerand soll daher eingefangen werden. Bis dahin, so die Empfehlung, sollen die Einwohner sich besser mit einem Schirm gegen die Angriffe schützen.

(jis/KT)