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TV-Doku "Der Ausbruch" über Beginn der Pandemie​: Zehn verlorene Wochen

Film aus NRW heute im ZDF : TV-Doku "Der Ausbruch" über Beginn der Pandemie – Zehn verlorene Wochen

Im Film „Der Ausbruch“ geht Regisseur Michael Wech der Frage nach, ob die Pandemie vermeidbar war. Spannend wie ein Krimi zeichnet die Doku minutiös Erkenntnisse und Versäumnisse in den ersten Tagen nach. Hinter der Produktion steht die Kölner Firma Broadview TV.

Die Pandemie hätte aufgehalten werden können, wenn die Politik frühzeitig auf die Warnungen und Erkenntnisse der Wissenschaft gehört hätten. Das ist die Prämisse der TV-Doku „Der Ausbruch – War die Pandemie vermeidbar?“, die das ZDF am Dienstag um 20.15 Uhr zeigt. Regisseur Michael Wech rekonstruiert darin fast minutiös die ersten, entscheidenden Tage und Wochen der Epidemie, macht daraus einen Krimi, der spannend bleibt, obwohl jeder den Ausgang kennt. Belegt er doch, an welchen Nahtstellen das System versagt hat, dass wissenschaftliche Information nicht in schnelles politisches Handeln mündete. Dieses Dilemma zwischen Gründlichkeit und Schnelligkeit habe er zeigen wollen, sagt Wech. „Weil es mir im Kern darum geht, nach vorne zu schauen und Lehren aus den Fehlern zu ziehen.“

Bis der Regisseur seinen Ansatz gefunden hatte, habe es aber gedauert, erzählt er im Gespräch. Zwar war schon im April 2020 klar, dass Leopold Hoesch von der Kölner Firma Broadview TV den Film produzieren würde, nur der richtige Ansatz fehlte. Den habe dann viel später Jeremy Farrar, Direktor des Wellcome Trust, mit der Aussage geliefert, dass die Pandemie hätte verhindert werden können. Farrar hatte auch schon im Januar 2020 öffentlich erklärt, man wisse alles über das Coronavirus, was man wissen müsse, um wirksam reagieren zu können. Wech: „So explizit hatte das zu diesem Zeitpunkt noch keiner gesagt.“ Entsprechend zählt Farrar zu den zentralen Protagonisten der Doku, deren Personal auffällt, weil es noch nicht durch Dutzende Talkshows gereicht worden ist. Wech wollte ausschließlich Akteure zu Wort kommen lassen, Menschen die gehandelt haben, wenn auch oft ohne das gewünschte Ergebnis.

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So begegnet man etwa dem Beraterteam von George W. Bush, der schon 2005 darauf hinwies, wie entscheidend es sei, bei einer Pandemie so früh wie möglich zu reagieren. Dass die Welt dann doch zögerte, führt Wech unter anderem auf dem Umgang mit der Schweinegrippe 2009/10 zurück. Damals wurden sofort Millionen von Impfdosen produziert, die Epidemie flaute jedoch schnell ab, die Reaktion wurde als überzogen angeprangert. Bei Corona zögerten die Politiker nun vielerorts, obwohl Wissenschaftler Alarm schlugen. Wech zeichnet den Weg der Wissensentwicklung nach, vom Entschlüsseln der Virussequenz über die Erkenntnisse zur Übertragung bis hin zur Entwicklung erster Tests und dem Plan, einen Impfstoff zu produzieren. Alles das spielte sich in den ersten Januar-Tagen 2020 ab.

Der Film zeigt auch, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO sich lange weigert, die Gefahr durch das Virus anzuerkennen und die chinesische Sichtweise übernimmt, das Virus werde nur vom Tier auf den Menschen übertragen. Auch wenn es Wech nach eigenen Bekunden nicht in erster Linie um Schuldzuweisungen geht, kommt die WHO schlecht weg in der Doku, Interviewanfragen blieben unbeantwortet. „Das Versagen der WHO ist ein Systemfehler, intern waren die Fakten bekannt“, sagt Wech. Eindrücklich belegt der Film auch, wie auf dem Weltwirtschaftsforum von Davos am 21. Januar 2020 die versammelte Politik trotz eindringlicher Mahnungen das Problem herunterspielt. Auch in Deutschland zögern die Verantwortlichen, aus den ersten Ansteckungen in München werden falsche Rückschlüsse gezogen, die asymptomatische Verbreitung nicht betont.

Dass alles hätte anders laufen können, demonstriert Wech am Beispiel Südkorea. Dort gab es den größten Ausbruch außerhalb Chinas, das Land reagierte schnell und rigoros, setzte Lehren aus der Vergangenheit um, testete und isolierte Tausende, kam dafür ohne landesweiten Lockdown durch die Pandemie. „Ob das in Berlin oder London auch so möglich gewesen wäre, weiß ich nicht“, sagt Wech. „Klar ist: Je früher man handelt, desto minimaler sind die Maßnahmen, die man anwenden muss.“ Diese Erkenntnis des alles entscheidenden Faktors Zeit zieht sich denn auch wie ein Mantra durch den Film, und es ist erschreckend zu sehen, wie alle Fakten in den ersten Wochen der Pandemie immer wieder auf dem Tisch lagen, aber nicht durchdrangen oder beiseite gewischt wurden. Bis es zu spät war.

Von zehn verlorenen Wochen ist in der Doku die Rede, von zehn Wochen, die den Verlauf der weiteren Pandemie bestimmten. Nach jeder Krise habe man die Wahl, ob man weitermachen wolle wie bisher, heißt es im Film. Viel Hoffnung für die Bewältigung der nächsten Pandemie vermittelt die Doku nicht. Wech immerhin ist vorsichtig optimistisch, dass die Menschen ein anderes Bewusstsein für die entscheidenden Faktoren entwickelt haben. „Wenn es darum geht, besser vorbereitet zu sein und schneller zu reagieren, denke ich, dass es beim nächsten Mal besser läuft.“