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Auftakt in Bielefeld: Tumult im Dano-Mordprozess: Richter ermahnt Großvater

Auftakt in Bielefeld : Tumult im Dano-Mordprozess: Richter ermahnt Großvater

In Bielefeld will das Landgericht den Tod des kleinen Dano aufklären. Zum Prozessauftakt tauchen neue offene Fragen auf. Der Angeklagte schweigt - vorerst.

Ein halbes Jahr nach dem Tod ihre Kindes sind die Eltern des kleinen Dano im Gericht ihrem ehemaligen Nachbarn begegnet. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft die Ermordung des Fünfjährigen vor. Die Eltern sind als Nebenkläger im Gericht dabei.

Nachdem der Angeklagte zu Beginn des Prozesses am Landgericht Bielefeld sein Gesicht mit einer roten Aktenmappe verdeckt, sitzt er später stundenlang fast regungslos auf seinem Stuhl und blickt nach unten. Auch bei der Verlesung der Anklage und der vielen ergreifenden Details zur Tat reagiert der Mann kaum.

Im Publikum fließen Tränen. Ein erfahrener Kriminalbeamter (53) bittet bei seiner Befragung als Zeuge sogar um eine Pause. "Ich brauche fünf Minuten, um mich zu fangen", sagte der Ermittler während der Befragung durch den Richter.

Der 43-jährige Nachbar und Vater eines Spielkameraden von Dano soll nach eigener Aussage Dano in Herford nach einem Streit an der Haustür zuerst eine Ohrfeige verpasst haben. Später eskalierte die Situation weiter und der Angeklagte will den Jungen mit Bettzeug erstickt haben. Danos Leiche wurde erst Wochen später in der Nähe eines Flusses gefunden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann niedere Beweggründe und Vertuschung als Mordmotiv vor. Der Junge wollte seinen Eltern von dem Schlag berichten, behauptet zumindest der Angeklagte in seinem Geständnis. Das Gericht allerdings hat noch viele offene Fragen zu klären. So auch zum Motiv.

Ein Kriminalbeamter schilderte am Mittwoch die Aussagen des Angeklagten in den Stunden nach seiner Festnahme im April. Der Verdächtige habe als Grund für die Tat eine extreme Stress-Situation geschildert. Mit seiner damaligen Frau hatte er sich überworfen und er lebte nur noch allein in der Wohnung. Mit seiner Frau war auch Danos Spielkamerad ausgezogen.

Die ersten Verhandlungsstunden im Bielefelder Landgericht wurden überschattet von Tumulten und Morddrohungen auf den Zuschauerbänken. Der Vorsitzende Richter verwies zwei Männer aus dem Familien- und Freundeskreis aus dem Saal, weil sie die Verhandlung mehrmals gestört hatten. Immer wieder müssen die Beamten eingreifen. Der Vorsitzende Richter leitete den Prozessauftakt ruhig, aber bestimmt. "Bei allem Verständnis für die Trauer und die Emotionen. Wer uns hier stört, muss den Saal verlassen", sagte der Richter.

Eng verknüpft mit dem Prozess in Bielefeld ist ein weiterer Fall. Die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Hannover nach dem Tod der achtjährigen Jenisa im Jahr 2007 könnten das Motiv im Fall Dano noch ins Wanken bringen.

"Als der 43-Jährige in Untersuchungshaft saß, soll er Mithäftlingen den Mord an Jenisa gestanden und die Stelle verraten haben, an der er die Leiche versteckt hatte", sagte ein Polizist als Zeuge aus. Er hatte die Mithäftlinge befragt. Die Leiche wurde tatsächlich an der Stelle gefunden.

Laut weiteren Schilderungen der Mithäftlinge gegenüber der Polizei soll der Angeklagte gesagt haben, dass er versucht habe, Dano zu missbrauchen. Dann habe er ihn ermordet.

Für diese These gibt es allerdings bislang keine verwertbaren Spuren der Kriminaltechniker. Aber Hinweise, wie gefundene Kondome im Kinderzimmer und ein Strangulationsdraht. Das Gericht will jetzt die beiden Häftlinge am dritten Verhandlungstag am 16. Oktober als Zeugen vernehmen.

"Mein Mandant wird zu Beginn des zweiten Prozesstages am 15. Oktober eine Erklärung abgeben", kündigte seine Verteidigerin zum Auftakt an.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bielefeld: Mordprozess um fünfjährigen Dano beginnt

(AFP/ dpa)