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Türkei: Zahnarzt aus Wuppertal wegen Präsidentenbeleidigung im Gefängnis

Wuppertaler in Antalya : Urlauber wegen Präsidentenbeleidigung in Türkei in Haft

Es sollte ein Kurzurlaub an der türkischen Riviera werden. Dorthin war der Zahnarzt Kristian B. am 4. November gereist, als nach der Landung noch am Flughafen die Handschellen klickten. Seither sitzt der Wuppertaler in Antalya im Gefängnis.

Begonnen hatte alles beim Auschecken am Gepäckband, dort soll Kristian B. mit einer Türkin in Streit geraten sein. „Er hat die Frau dazu aufgefordert, die Corona-Abstandsregeln einzuhalten. Sie wirft ihm vor, den Präsidenten beleidigt zu haben“, sagt dazu Rüdiger Deckers. Der Düsseldorfer Anwalt hat das Mandat übernommen und steht in engem Kontakt zu einem Anwalt in der Türkei. Der wiederum besucht seinen Mandanten regelmäßig in der Zelle, die Kristian B. mit elf Mithäftlingen teilt. Dort wartet der Zahnarzt auf seinen Prozess am 8. Dezember - läuft es gut für den 63-Jährigen, hofft er schnell nach Deutschland zurückkehren zu können.

Alles andere möchte sich auch Rüdiger Deckers nicht vorstellen müssen, der dazu sagt: „Wir haben keinen Anlass zu glauben, dass der Richter nicht objektiv urteilt“. Sollte Kristian B. allerdings nicht freigesprochen werden, könnte es schwierig werden - dann wolle man auch auf bundespolitischer Ebene tätig werden. Das Auswärtige Amt sei in die Sache bereits involviert, dort behalte man derzeit vor allem die Gesundheit des Inhaftierten im Auge.

Was aber war überhaupt passiert am Gepäckband, dass den Türkei-Urlauber in eine solche Lage gebracht hat? Von seinem Anwalt ist dazu zu hören, dass der 63-Jährige mit zwei seiner Angestellten von Düsseldorf aus dorthin geflogen sei. Die beiden Frauen seien zum Rauchen nach draußen gegangen, als Kristian B. mit der mitreisenden Türkin in der Ankunftshalle in Streit geraten sei. Sie wirft ihm nun vor, unter anderem gesagt zu haben: „Ihr Türken seid halt so, es ist eh kein demokratisches Land hier.“ Noch am Flughafen hatte die Frau die Polizei alarmiert, die den Zahnarzt umgehend festgenommen und inhaftiert hatte. Der wiederum bestreitet, so etwas überhaupt gesagt zu haben - es sei lediglich um die Corona-Abstandsregeln gegangen. 

Derweil wiegen die Vorwürfe gegen des Deutschen schwer. „Es geht dabei um die in Artikel 299 des türkischen Gesetzbuches geregelte Präsidentenbeleidigung“, sagt Anwalt Deckers. Seinem Mandanten würden im Falle einer Verurteilung bis zu vier Jahre Haft drohen. Bislang gebe es allerdings keine Bestätigung für das, was ihm vorgeworfen wird. Eine deutsche Urlauberin soll ebenfalls Zeugin des Vorfalls geworden sein und bei ihrer polizeilichen Vernehmung ausgesagt haben, von einer Beleidigung des Präsidenten nichts gehört zu haben.

Ein weiterer Zeuge entlastet Kristian B. - auch er will zwar den Streit, nicht aber eine Beleidigung Erdogans  mitbekommen haben. Auch von einem Video, dass von der Szene gemacht worden sein soll, weiß Rüdiger Deckers nichts. Seit türkischer Kollege habe bereits Akteneinsicht bekommen und bestätigt, dass sich darin nichts dergleichen finden lasse.

Für ein deutsches Gericht sei eine solche Beweislage als „dünn“ zu bewerten und man gehe davon aus, dass es beim Prozess gegen  Kristian B. ähnlich beurteilt werde. Derweil hofft der 63-Jährige darauf, dass der Alptraum bald ein Ende hat.