Türkei-Wahl: Erdogan-Anhänger fahren im Autokorso durch Duisburg und Dortmund

Nach Sieg in türkischer Präsidentschaftswahl : Feuerwerk und Hupkonzert für Erdogan in NRW

Gleich in mehreren Städten im Rheinland und im Ruhrgebiet haben Deutsch-Türken am Sonntagabend den Wahlsieg von Recep Tayyip Erdogan gefeiert. In Duisburg versammelten sich rund 1000 Anhänger in Hamborn und Marxloh.

Hupkonzert, Türkeiflaggen und Erdogan-Ikonen - in Duisburg, Essen, Dortmund, Düsseldorf und Köln haben Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Sonntagabend den Wahlsieg gefeiert.

In Duisburg feierten besonders viele Deutsch-Türken. Nach Angaben der Polizei versammelten sich mehr als 1000 Personen im Duisburger Stadtteil Hamborn im Norden der Stadt. Viele Anhänger marschierten zu Fuß vom Rathaus in Hamborn in Richtung Merkez-Moschee und wieder zurück. Die Weseler Straße in Marxloh war zeitweise komplett dicht. Die Feiernden kletterten laut Polizei auf Ampelmasten und schwenkten AKP-Fahnen und zündeten Feuerwerkskörper. Nach eigenen Angaben war die Polizei mit 80 Beamten von 20.20 Uhr bis 0.30 Uhr im Einsatz.

Auch am Hochemmericher Markt im Stadtteil Hochemmerich versammelten sich rund 60 Personen.

Duisburg: Erdogan-Anhänger feiern Türkei-Wahl-Sieg mit Autokorso

Auch in Dortmund war viel los. Dort versammelten sich rund 400 Personen am Borsigplatz, wo normalerweise die Siege von Borussia Dortmund gefeiert werden. Der Platz wurde für den Verkehr gesperrt, die Teilnehmer der spontanen Versammlung in Richtung Hoesch-Park geleitet. Laut Polizei endete der Einsatz dort gegen 23.40 Uhr. Auch auf der Wallstraße in Dortmund feierten die Deutsch-Türken. 100 Autos veranstalteten ein Hupkonzert. Die Polizei leitete die Autos auf der B54 in Richtung Süden ab, damit Anwohner nicht gestört wurden. Die Beamten kontrollierten Personalien und erteilten den ein oder anderen Platzverweise, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage der Redaktion. „Unterm Strich ist es friedlich geblieben.“

Ähnlich ruhig verlief der Einsatz für die Essener Polizei. Auch dort versammelten sich rund 200 Deutsch-Türken rund um das Türkische Konsulat. „Die Feiernden sind die Straße kurz hoch und runter gezogen, dann haben sie sich aufgelöst“, sagte eine Sprecherin der Polizei.

In Düsseldorf trafen sich ebenfalls rund 200 Anhänger des türkischen Präsidenten vor dem Generalkonsulat im Stadtteil Heerdt. „Etwa 25 Fahrzeuge sind danach durch die Innenstadt gefahren“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir haben das polizeilich begleitet, mussten aber nicht weiter eingreifen.“

In Köln gab es auf den Innenstadt-Ringen einen Autokorso, berichtet der „Kölner Stadtanzeiger“. Einige Erdogan-Fans zündeten Feuerwerksraketen. Die Polizei sperrte kurzfristig den Hohenzollernring.

Der türkische Präsident Erdogan hatte sich und seine Partei AKP am Sonntagabend schon zu Wahlsiegern erklärt, als das offizielle Ergebnis noch gar nicht vorlag. Mittlerweile hat auch die offizielle Wahlkommission bestätigt, dass Erdogan die Wahl mit 52,5 Prozent der Stimmen gewonnen hat. Auf seinen Herausforderer, CHP-Kandidat Muharrem Ince, entfielen 30,7 Prozent der Stimmen. Von den Türken, die in Deutschland zur Wahl gingen, stimmten zwei Drittel für Erdogan. Bis zum 19. Juni konnten in Deutschland lebende Türken ihre Stimmen für die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgeben.

In allen 13 Wahllokalen in Deutschland erhielt Erdogan nach den von der regierungsnahen Zeitung „Sabah“ veröffentlichten Einzelergebnissen die absolute Mehrheit. Hier eine Übersicht:

  • Essen: 76,3 Prozent für Erdogan, 13,2 Prozent für Ince
  • Düsseldorf: 70,5 für Erdogan, 18,4 für Ince
  • Köln: 65,9 für Erdogan, 20,8 für Ince
  • Münster: 66,1 für Erdogan, 20,3 für Ince
  • Stuttgart: 68,8 für Erdogan, 18,7 für Ince
  • München: 65,5 für Erdogan, 26,4 für Ince
  • Mainz: 64,5 für Erdogan, 20,7 für Ince
  • Karlsruhe: 63,5 für Erdogan, 22,1 für Ince
  • Hannover: 60,1 für Erdogan, 20,6 für Ince
  • Nürnberg: 59,7 für Erdogan, 29,3 für Ince
  • Frankfurt am Main: 59,8 für Erdogan, 24,4 für Ince
  • Hamburg: 59,3 für Erdogan, 24,8 für Ince
  • Berlin: 51,5 für Erdogan, 32,7 für Ince

Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte das Wahlverhalten der Deutsch-Türken scharf. „Die feiernden deutsch-türkischen Erdogan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Wie die AfD eben“, twitterte der Bundestagsabgeordnete.

Erdogan hatte auch schon bei früheren Abstimmungen deutlich mehr Rückhalt unter den Türken in Deutschland als zu Hause. Bei der Parlamentswahl im November 2015 kam seine AKP in Deutschland auf 59,7 Prozent. Beim Referendum über Erdogans Verfassungsreform stimmten 63,1 Prozent mit Ja. Das oppositionelle Lager der Reformgegner kam in Deutschland damals nur auf 36,9 Prozent. (mit dpa)

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