Trockener Sommer 2018 macht Igel-Nachwuchs zu schaffen

Folgen des trockenen Sommers : Kleine Igel in großer Not

Der trockene Sommer macht Igeln zu schaffen: Muttertiere haben zu wenig Milch, in den Aufzuchtstationen finden sich viele verwaiste oder schlecht ernährte Jungtiere. Übereifrig sollte man aber keine Igel aus der Natur nehmen.

In der Aufzuchtstation des „Netzwerk Igel e.V.“ in Wuppertal rappelt es schon in fast jedem Karton. Weit über 100 Igel sind bereits abgegeben worden. In den Kisten, mit Zeitungspapier ausgelegt, sitzen viele Igelmütter mit Nachwuchs oder verlassene Jungtiere. „Durch den Extremsommer mit wenig Regen und harten Böden haben viele Igelmütter zu wenig oder keine Milch“, sagt Leiterin Monika Thomas. Und so haben Thomas und ihre Mitarbeiter einige Waisen und schlecht genährte Jungtiere zu versorgen, die weit unter 100 Gramm wiegen und zum Teil nur so groß sind wie eine kleine Mandarine. Die Igelchen bekommen Welpen- oder Katzenaufzuchtmilch. „In diesem Jahr sind es viel mehr Jungtiere als sonst“, betont Monika Thomas.

Und die Zeit der Igel-Aufzucht ist noch nicht vorbei – selbst im September bekommen Igel Nachwuchs. Zum Glück hat es nun doch häufiger geregnet, der Boden ist wieder weicher. Die Igelmütter sind nachts auf Nahrungssuche und tagsüber mit dem Nachwuchs im Nest, um ihn zu säugen. Wer bei der Gartenarbeit ein Nest mit Jungtieren findet, sollte es wieder zudecken und die Tiere nicht anfassen. Da Igel Wildtiere sind, dürfen sie nicht aus der Natur genommen werden.

Der Kleine ist erst wenige Tage alt und wird per Hand aufgezogen. Foto: Endermann, Andreas (end)

Eine Ausnahme sind kranke, geschwächte oder verletzte Tiere. Sind Igel tagsüber unterwegs, sollte man einen prüfenden Blick auf sie werfen, auch Igeljunge ohne Mutter sind in der Regel hilfsbedürftig. „Man sollte aber erst einmal abwarten und beobachten“, rät Thomas. Oft kehrt die Mutter auch zum Nachwuchs zurück. Wichtig ist, wenn möglich, unterernährte Jungtiere mitsamt ihrer Mutter zu fangen. Übereifrig sollte man jedoch nicht handeln, denn das schadet den Tieren langfristig. „Igel, die drinnen überwintern, haben im Frühjahr große Anpassungsschwierigkeiten in der Natur“, sagt Birgit Königs, Sprecherin des Nabu NRW. Flaschen-Aufzuchten können in der Regel sogar nur in eine geschützte Umgebung entlassen werden. Wer einen Igel in Not findet, sollte ihn aber zu einer Aufzuchtstation oder zu einem Tierarzt bringen.

„In diesem Jahr wird es allerdings bei den Igel-Jungtieren wohl große Verluste geben“, stellt Königs fest. Der Fortbestand der Art sei zwar nicht gefährdet, doch die Population sei eh schon arg unter Druck. Denn die Zersiedelung der Landschaft, aufgeräumte und mit Zäunen abgetrennte Gärten erschweren die Nahrungssuche. Durch den trockenen Sommer habe es schlicht weniger Futter gegeben, so hätten sich zum Beispiel Käferlarven und Würmer, sonst wichtiger Posten auf dem Speisezettel, tief in die Erde zurückgezogen. Vielen Igeln und ihrem Nachwuchs wird es schwerfallen, sich noch genügend Winterspeck anzufressen. Die Igel-Retter empfehlen deshalb, die Tiere zu unterstützen, indem man ihnen abends Katzenfutter und Wasser hinstellt.

Die Wuppertaler päppeln den Nachwuchs auf, pflegen verletzte Igel gesund. Geschwächte Tiere sind besonders anfällig für Parasiten, so werden alle Körperöffnungen gespült und gereinigt, um zum Beispiel Eier und Larven von Fliegen zu beseitigen.

Monika Thomas befreit die Tiere mit einer Lösung von Parasiten. Foto: Endermann, Andreas (end)

Unter dem extremen Sommer haben fast alle Tierarten gelitten. „Viele kleine Säuger werden weniger Nachwuchs haben“, sagt Königs. Auch die Eichhörnchen haben Schwierigkeiten, sich einen Vorrat für den Winter anzulegen. Von Aufrufen, Nüsse zu sammeln und für die Tiere auszulegen, hält sie wenig. „Man sollte stattdessen in diesem Jahr alle Nüsse für die Tiere liegen lassen.“

Das Problem ist jedoch nicht die Menge der Nussausbeute, sondern deren Qualität. „Viele Nüsse sind innen hohl, weil kein Kern ausgebildet wurde“, erklärt die Expertin. Die Eichhörnchen vergraben deshalb viele hohle Nüsse in ihren Verstecken für den Winter. Von denen finden sie eh nicht alle wieder, aber wenn sie mehrere Tage hintereinander hohle Nüsse finden, bekommen die Eichhörnchen im Winter große Probleme. Birgit Königs empfiehlt deshalb, jetzt schon Nüsse in der Schale für die Tiere auszulegen. „Das hilft natürlich nur denjenigen, die in der Nähe der Menschen leben.“ Im Wald sind die Eichhörnchen, die auch Bucheckern, Eicheln und Walnüsse fressen, auf sich allein gestellt. „Das gehört aber zur Natur“, betont Königs. In der Regel werden in den nächsten Jahren die Populationen wieder ausgeglichen.

Die Igel, die Ende September 500 Gramm wiegen, werden die Hilfsstation in Wuppertal noch vor dem Winter wieder verlassen. Wer etwas für sie und ihre Artgenossen tun will, räumt seinen Garten nicht leer von Blättern und Gestrüpp und lässt Schlupflöcher in Zäunen. So kann sich der Igel wohlfühlen.

(mso)