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Trickbetrug: Falsche Telekom-Mitarbeiter in Düsseldorf unterwegs - Polizei warnt

Trickbetrug-Fälle in NRW : Polizei warnt vor falschen Telekom-Mitarbeitern

Immer wieder werden Menschen Opfer von Trickbetrügern. Zuletzt gaben sich Betrüger in der Region als Telekom-Mitarbeiter aus. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt vor der Brutalität dieser Kriminellen.

Der Mann, der im Hausflur eines Mehrfamilienhauses in Düsseldorf an einer Wohnungstür klingelt, trägt dunkle Kleidung. Auf seiner Jacke prangt vorne und hinten das bekannte Logo der Deutschen Telekom, das große T mit den Pünktchen. Zusätzlich hat er sich einen Ausweis an die rechte Brustseite geheftet, der ihn als Mitarbeiter der Telekom ausweisen soll, wie Bilder einer Überwachungskamera zeigen, die unserer Redaktion vorliegen. Nachdem er geläutet hat, tritt er etwas von der Tür zurück. Niemand macht ihm auf. Der Mann geht.

Die Anwohner vermuten, dass es sich bei dem Mann um einen Betrüger gehandelt haben könnte, der sich als Telekom-Mitarbeiter ausgewiesen hat, um Zutritt in die Wohnung zu bekommen. „Wir haben niemanen bestellt. Und auch niemand hat sich bei uns angemeldet. Zudem gibt es bei uns die Warnung vom Hausverwalter vor falschen Telekom-Mitarbeitern“, sagt ein Anwohner. Eine kriminelle Masche, die derzeit weit verbreitet ist in der Region – die Polizei berichtet von Fällen im Rheinland und Ruhrgebiet. Nicht immer haben die Anwohner so viel Glück wie im oben geschilderten Fall. In Krefeld-Uerdingen erbeuteten vergangene Woche falsche Telekom-Mitarbeiter Schmuck und Bargeld im Haus eines Seniorenpaares. Sie hatten an der Haustür geklingelt und behauptet, Leitungen überprüfen zu müssen; zudem fragten sie nach schweren Metallgegenständen in der Wohnung, die der Umstellung von Analog- auf Digitalfernsehen im Wege stehen könnten. Die Kriminellen räumten schließlich den Tresor des Paares aus und flüchteten mit dem Inhalt. Ähnliche Fälle ereigneten sich unter anderem in Niederkrüchten und Dortmund.

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Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt vor der Brutalität, die diese Kriminellen ausüben können, um an Beute zu kommen, wenn Ablenkung allein nicht ausreicht. „Wir haben bei diesen Delikten eine Verrohung und eine brutale Tatausführung festgestellt, die lebensbedrohlich sein kann für die Opfer“, sagt Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. „Da wurden schon Opfer massiv angegriffen in ihren Wohnungen. Ältere Menschen wurden heftig zu Boden geschubst, so dass sie Brüche erlitten – bis hin zu wirklich lebensgefährlichen Verletzungen“, sagt Rettinghaus. „Alte Menschen wurden auch schon mit Klebeband gefesselt und ins Badezimmer eingesperrt. Dort konnten sie keine Hilfe rufen“, sagt er.

„Der überwiegende Teil dieser Täter kommt aus Südosteuropa. In der Regel stecken da organisierte Banden hinter, die das mit System machen“, betont Rettinghaus. Tatsächlich werden die Täter von Zeugen und Opfern in den meisten Fällen als Südländer beschrieben. So heißt es etwa in einer Polizeimeldung der Kreispolizeibehörde Heinsberg zu einem solchen Fall, dass der Täter kurze, schwarze Haare und ein südländisches Erscheinungsbild gehabt hätte. In einer Meldung der Polizei Krefeld von einem Fall am 11. Januar 2022 heißt es: „Einer der Täter ist etwa 1,80 Meter groß, hat eine schlanke Statur, kurze dunkle Haare und ein ,südländisches Aussehen‘.“

Die Kriminellen haben es derzeit besonders auf Mehrfamilienhäuser mit mehreren Wohnungen abgesehen. In Düsseldorf warnt ein Verwalter in einem Schreiben aktuell die Bewohner vor den Trickbetrügern. Darin heißt es: „Die Einbrecher versuchen sich tagsüber Zutritt zu den Häusern zu verschaffen und geben sich dafür als Postbote, Telekom-Techniker, Elektriker und Monteure aus.“ Und weiter heißt es: „Insofern bei Ihnen jemand klingelt und sagt, dass er die Heizungsanlage oder Ähnliches überprüfen soll, lassen Sie diese Person nicht ins Haus.“ Einbrüche und Einbruchsversuche hätten sich in letzter Zeit in den Mehrfamilienhäusern bereits gehäuft.

Die Polizei rät dazu, an der Haustür immer misstrauisch zu sein, bei Personen, die man nicht kennt und bei einem unguten Gefühl sofort die 110 zu wählen. „Egal, ob es zu einem Betrug gekommen ist oder nicht. Denn Betrügerinnen und Betrüger lassen nicht nach. Sie werden es in der Nachbarschaft oder in der Stadt weiter versuchen“, so die Polizei in Dortmund. Werde eine Person an der Tür zudringlich, sollte man sich energisch wehren und laut um Hilfe rufen.

(csh)