Trend in internationalen Großstädten: Nachtbürgermeister sind auch in NRW ein Thema

Mannheim und Amsterdam sind Vorbild : Stadtoberhaupt bei Nacht

Ein Nachtbürgermeister soll ab August in Mannheim zwischen Clubs, Stadt und Anwohnern vermitteln. Ist das Modell ein Vorbild für NRW?

Mannheim sucht als erste Stadt in Deutschland einen Nachtbürgermeister. Ab dem 1. August soll der „Night Mayor“ Probleme aus dem Weg schaffen und Streitigkeiten schlichten. Die Nachtszene soll florieren, ohne dass Bürger Grund zur Beschwerde haben. Der Nachtbürgermeister soll die Betreiber der Bars, Kneipen und Klubs miteinander vernetzen und Streitigkeiten schlichten. Fast 40 Interessierte hatten sich auf den Posten beworben.

Damit folgt die baden-württembergische Großstadt dem Vorbild internationaler Metropolen: Die Idee des Nachtbürgermeisters stammt aus Amsterdam, wo der Posten des „nachtburgemeester“ 2012 eingeführt wurde. In Paris, London und New York gibt es Nachahmer: Dort ist ein „Conseil de la Nuit“, „Night Czar“ beziehungsweise „Director of Nightlife“ als Schnittstelle zwischen Politik und Clubszene aktiv.

Sind Amsterdam und bald auch Mannheim Vorbilder für NRW?

Mirik Milan hat sich als Nachtbürgermeister von Amsterdam einen guten Ruf erarbeitet. Er setzte durch, dass zahlreiche Bars und Clubs rund um die Uhr öffnen dürfen. Zuvor hatten Clubbesitzer gegen die teils strikten Vorgaben protestiert. Anfangs arbeitete Milan ehrenamtlich, dann bekam er ein Gehalt – zur Hälfte durch Spenden finanziert. Bis 2018 war er im Amt, heute ist er als „Global Night Mayor Advocate“ weltweit tätig.

Sind Amsterdam und bald auch Mannheim Vorbilder für NRW? Ginge es nach der SPD Köln, lautet die Antwort ja. Bereits 2014 sprach sie sich für einen Nachtbürgermeister in der Domstadt aus und lud Mirik Milan nach Köln ein, um seinen Job vorzustellen. Zuspruch für die Idee des Nachtbürgermeisters kam damals auch von Stefan Bohne, dem Inhaber des Artheaters und Sprecher des Verbands Kölner Clubs und Veranstalter.

Der Stadtrat lehnte die Initiative der Sozialdemokraten jedoch ab. „Da der Antrag ohne jegliche Alternativvorschläge abgelehnt wurde, wird uns die Problematik wohl in Zukunft weiter begleiten“, heißt es im SPD-Ratsreport aus dem Jahr 2016. „Wir bleiben am Ball.“

Gladbach und Wuppertal „brauchen keine Nachtbürgermeister“

In Mönchengladbach werde kein Nachtbürgermeister gebraucht, sagt Stadtsprecher Dirk Rütten. Im „Kneipenviertel“ in der Innenstadt gebe es bereits seit 2002 „eine gut funktionierende Ordnungs-Partnerschaft mit verbindlichen Absprachen und regelmäßigen Treffen“. Wirte, Anwohner und Behörden (Ordnungsamt, Polizei, Jugendamt und Stadtplanung) sowie soziale Einrichtungen tauschen sich bei den Treffen aus. Eine Maßnahme seien etwa gemeinsame nächtliche Streifen von Polizei und Ordnungsamt sowie Jugendschutzkontrollen mit dem Jugendamt.

„Die Zusammenarbeit hat sich dadurch verbessert, dass die Stadt Mönchengladbach im November 2017 einen hauptamtlichen Stadtteilkoordinator eingestellt hat“, sagt Rütten. Der vermittle zwischen Behörden, Gewerbetreibenden und Gastronomen, Kulturinitiativen und Anwohnern in der Altstadt. Außerdem unterstütze er Projekte, die das Zusammenleben in der Altstadt verbessern sollen.

In Wuppertal ist das Amt eines Nachtbürgermeisters zurzeit nicht angedacht, sagt Stadtsprecher Thomas Eiting. „Das Ordnungsamt pflegt einen guten Kontakt mit den Beteiligten und setzt zunächst auf ein klärendes Gespräch.“

(mba)