Schweinehalter aus Wachtendonk: "Tierschutz ruiniert uns"

Schweinehalter aus Wachtendonk: "Tierschutz ruiniert uns"

Eine Bundesratsinitiative sieht vor, Nutztiere besser zu schützen. So sollen Schweine in größeren Boxen gehalten werden. Die Schweinebauern fürchten nun massive Wettbewerbsnachteile. Tierschützer bestreiten das.

Auf dem Hof von Heinz Lax in Wachtendonk geht es turbulent zu. Zwischen 1700 und 1800 Ferkel (bis 30 Kilogramm) leben in den Ställen, dazu noch etwa 250 Muttertiere. Sollten die Pläne des Bundesrates zur Änderung der Nutztierhaltungsverordnung eine Mehrheit finden, wird es deutlich ruhiger auf Lax' Hof. Um 30 Prozent soll sich dann unter anderem der Platz pro Schwein vergrößern. "Das bedeutet, dass jeder Schweinebauer die Zahl seiner Tiere um ein Drittel verringern muss", sagt Lax, der auch Vorsitzender der Kreisbauernschaft in Kleve ist. "Damit werden viele Betriebe in den Ruin getrieben."

Aus Sicht des 54-jährigen Ferkelzüchters ist die Bundesratsinitiative, die das Land NRW unterstützt, ein Beleg dafür, dass die Politik der Kompetenz der Landwirte nicht mehr vertraut. Stattdessen werde riskiert, dass sich die Produktion wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit ins Ausland verlagere. Vor allem kleinere Familienbetriebe könnten die geforderten Änderungen finanziell nicht kompensieren.

Der erhöhte Platzbedarf eines Schweines — bisher 0,75 bis 0,8 Quadratmeter für ein 100 Kilogramm schweres Mastschwein — ziehe ja auch Folgekosten nach sich. "Man muss zum Beispiel mehr heizen, weil den Jungtieren die Nestwärme fehlt", sagt Lax. Ein weiterer Kritikpunkt ist für ihn die geplante einheitliche Säugezeit für Ferkel von 28 Tagen, um eine Mindestgröße zu garantieren. Lax versteht den Ansatz nicht: "Als Bauer hätte ich doch ein Problem, wenn ich die Ferkel zu früh von der Mutter trenne." Der Bauer schließt aus dem Vorhaben, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung in NRW seitens der Politik nicht mehr gewünscht sei.

Der Ansatz ist laut dem NRW-Ministerium für Landwirtschaft aber ein anderer. "Wir haben ein konkretes Problem mit der Nutztierhaltung", sagt Sprecher Wilhelm Deitermann. "Die Tiere werden leistungsmäßig überfordert." Mehrere auch vom Land NRW in Auftrag gegebene Studien würden das belegen. Diesem Stress für die Tiere soll nun mit einer überarbeiteten Nutztierhaltungsverordnung begegnet werden. Deitermann: "Weniger Stress heißt am Ende auch mehr Fitness für die Tiere. Gesündere Tiere brauchen zum Beispiel weniger Medikamente. Die Bauern sollten also nicht nur fragen, was ein verbesserter Tierschutz sie kostet, sondern auch, was er ihnen einbringt."

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Den von Lax angeführten Wettbewerbsnachteil lässt Deitermann nicht gelten. Die novellierte Tierschutzverordnung soll auch europaweit schnell umgesetzt werden, um gleiche Voraussetzungen für alle Landwirte zu schaffen. "Die Leistungsschraube muss zurückgedreht werden", fordert Deitermann. "Es ist doch besser, weniger Ferkel zu haben, dafür aber alle Tiere durchzubringen." Der momentane Entwurf der Verordnung sei aber ohnehin eine Maximalforderung; bis zur Verabschiedung sei es noch ein langer Weg, auf dem auch der Dialog mit den Landwirtschaftsverbänden gesucht werde.

Klarer noch als Deitermann formuliert Florian Schöne, Agrarexperte des Naturschutzbund Deutschland (Nabu), die Notwendigkeit, die Nutztiere besser gesetzlich zu schützen. "Eine Novelle ist eigentlich überfällig, und die Bauern sind gut beraten, sich darauf einzustellen", sagt Schöne. Viele Landwirte würden aus seiner Erfahrung bei Stallneubauten schon den geforderten Mehrplatz mit einkalkulieren. Nach der Korrektur der Legehennenhaltung seien jetzt eben die Schweinemast an der Reihe. "Am Ende wird es sicher auf einen Kompromiss hinauslaufen. Trotzdem ist die Initiative ein erster und wichtiger Schritt, dem Tierschutz in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen."

Ferkelzüchter Heinz Lax ist da deutlich pessimistischer. Nach seiner Prognose wandert am Ende die Schweinemast genauso ab ins Ausland wie die Legehennenhaltung. Denn auf die Tierhaltung in anderen Ländern hätten weder deutsche Verbraucher noch Landwirte noch Politiker irgendeinen Einfluss. "Dann sind wir keine Vorreiter mehr im Tierschutz, sondern nur noch Zuschauer. Das kann doch nicht ernsthaft gewollt sein."

(RP/anch/csr)
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