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Thomas Drach: Reemtsma-Entführer wird nach Deutschland ausgeliefert

Überfälle auf Geldtransporter : Reemtsma-Entführer Drach wird nach Deutschland ausgeliefert

Der frühere Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird aus den Niederlanden nach Deutschland ausgeliefert. Der gebürtige Erftstädter soll mit Komplizen unter anderem einen Überfall auf Geldtransporter in Köln begangen haben.

Thomas Drach werde der Kölner Justiz überstellt, urteilte ein Amsterdamer Gericht am Dienstag. Der 60-Jährige war vor zehn Wochen in der niederländischen Hauptstadt festgenommen worden. Er steht unter dem dringenden Verdacht, drei Raubüberfälle begangen zu haben.

Der in Erftstadt bei Köln geborene Drach soll mit Komplizen 2018 und 2019 drei Überfälle auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt/Main begangen haben. Bei einem Überfall wurde ein Wachmann schwer verletzt. Jahrelang fehlte aber jede Spur von den Tätern. Auch ein mutmaßlicher niederländischer Komplize wurde inzwischen ebenfalls in Amsterdam festgenommen. Über seine Auslieferung nach Deutschland wurde noch nicht entschieden.

Bei allen drei Raubüberfällen waren die Täter mit in den Niederlanden gestohlenen und mit falschen Kennzeichen ausgestatteten Autos geflüchtet, hatten diese unweit der Tatorte angezündet und die Flucht mit anderen Fahrzeugen fortgesetzt.

Nach dem Raubüberfall am Flughafen Köln/Bonn fanden die Ermittler die Tatwaffe, ein Kalaschnikow-Sturmgewehr AK-47, in dem vollständig ausgebrannten Auto. Durch die Auswertung der Videoaufzeichnungen zu dem Überfall am Flughafen Köln/Bonn und anschließende teils verdeckte Ermittlungen gelang es den Strafverfolgern, einen Fluchtwagen zu identifizieren und zu beschlagnahmen.

Wann Drach genau den Behörden überstellt wird, war zunächst unklar. Drach, der bis zu seiner Festnahme in Amsterdam gewohnt hatte, hatte gegen die Auslieferung keine Einwände erhoben.

Drach war erst im Herbst 2013 aus der Haft entlassen worden. Er hatte 1996 mit Komplizen den Hamburger Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt. Das Opfer wurde nach 33 Tagen wieder freigelassen – gegen umgerechnet rund 18 Millionen Euro Lösegeld. Drach wurde später gefasst und zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

(mba/dpa/AFP)