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Thomas Drach: Mutmaßlicher Komplize soll in Düsseldorf in U-Haft sitzen

Nach Überfall am Flughafen Köln/Bonn : Mutmaßlicher Drach-Komplize soll in Düsseldorf in U-Haft sitzen

Ein mutmaßlicher Komplize des früheren Reemtsma-Entführers und mutmaßlichen Räubers Thomas Drach ist laut einem Medienbericht aus den Niederlanden an die Kölner Behörden überstellt worden.

Dies habe Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestätigt, berichtete die Zeitung am Freitag. Demnach sitzt der 52-jährige Niederländer in der JVA Düsseldorf in Untersuchungshaft.

Drach soll mit Komplizen 2018 und 2019 drei Überfälle auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt am Main begangen haben. Bei einem Überfall wurde ein Wachmann schwer verletzt. Drach war Ende Februar in Amsterdam festgenommen und vor gut zwei Wochen nach Deutschland überstellt worden. Ein mutmaßlicher Komplize war ebenfalls in Amsterdam festgenommen worden.

Laut dem Zeitungsbericht soll der Verdächtige beim Überfall am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 den Fluchtwagen an den Tatort herangefahren und die erbeuteten Geldkassetten entgegengenommen haben. Bei der Tat in Frankfurt soll er das Fluchtauto bereitgestellt haben.

Die Taten des in Erftstadt bei Köln geborenen Thomas Drach blieben jahrelang rätselhaft, die Polizei tappte scheinbar im Dunklen. Allerdings gab es eine Spur in die Niederlande, denn von dort stammten die eingesetzten Fluchtwagen. Sie wurden meist ausgebrannt zurückgelassen - ohne Spuren.

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Doch bei dem Überfall am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 galt das nur für eines der Autos - es war zusammen mit der Tatwaffe, einer Kalaschnikow, angezündet worden. Ein Augenzeuge hatte aber sowohl den Überfall als auch ein zweites Fluchtauto gefilmt. Unter erheblichem Aufwand und mit verdeckten Ermittlungen gelang es den Kölner Fahndern, den Wagen ausfindig zu machen - und so auch Drachs Aufenthaltsort: Amsterdam. Im Februar wurde er in der Wohnung eines Bekannten und mutmaßlichen Komplizen festgenommen.

In der niederländischen Hauptstadt hatte Drach in der schicken Rivierenbuurt gelebt. Die liegt so weit ab, dass sich dort eher wenige Touristen hin verirren, aber doch zentral genug, um mit der Straßenbahn in einer Viertelstunde in der Innenstadt zu sein. Durch Zufall wohnte Drach in derselben Straße, in der einst auch der Entführer des niederländischen Bierbrauers Freddy Heineken, Willem Holleeder, einen Stützpunkt hatte. Niederländische Medien tauften Drach denn auch prompt den „Deutschen Holleeder“.

Im März 1996 hatten Drach und seine Komplizen den Hamburger Soziologen und Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt und nach 33 Tagen wieder freigelassen - gegen 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken Lösegeld. Zwei Jahre später wurde Drach in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er kam im Herbst 2013 frei. Nun ist er in Köln-Ossendorf in Haft.

(mba/dpa)