Limburg stimmt dafür Taubentötung per Genickbruch – so gehen Städte in NRW mit den Vögeln um

Düsseldorf · Die Stadt Limburg will die hohe Taubenpopulation bekämpfen. Bei einem Bürgerentscheid stimmte die Mehrheit dafür, einen Teil der Vögel per Genickbruch töten zu lassen. Wie gehen Städte in NRW mit Tauben um?

 Bei einem Bürgerentscheid in Limburg entschied sich die Mehrheit für eine umstrittene Tötung von Tauben per Genickbruch.

Bei einem Bürgerentscheid in Limburg entschied sich die Mehrheit für eine umstrittene Tötung von Tauben per Genickbruch.

Foto: dpa/Boris Roessler

In Limburg waren am vergangenen Sonntag nicht nur Europa- und Landratswahlen, die Bürger sollten auch darüber entscheiden, ob Tauben in der Stadt getötet werden sollen oder nicht. Die Wähler stimmten am Sonntag dafür, einen Teil der Vögel in der Stadt per Genickbruch töten zu lassen. Demnach unterstützen 53,45 Prozent (7530 Stimmen) der wahlberechtigten Bürger einen entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetensammlung.

Bereits seit Monaten sorgt der Umgang der hessischen Stadt mit den Tauben für Diskussionen, die auch überregional Aufmerksamkeit erfahren. Um Menschen und Gebäude vor dem Taubenkot zu schützen, soll der Bestand von schätzungsweise 700 Stadttauben reduziert werden. Tierschützer schlagen Alarm: „Die Mehrheit der Limburger hat mit ihrer Wahl das Todesurteil für die Tauben besiegelt“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Die geplante Tötung der Vögel stelle aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar und sei zudem unbegründet, da die Tauben keine gesundheitliche Gefahr für Menschen seien. Zu dem Ergebnis kommt auch das Robert Koch-Institut und das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin.

Taubenschützer hatten vorgeschlagen, den Bestand mithilfe von Taubenhäusern zu reduzieren. Etwas, das in der nordrhein-westfälischen Stadt Neuss bereits gemacht wird: „Zur Reduktion der Stadttaubenpopulation hat der Rat der Stadt Neuss beschlossen, an zwei Tauben-Hotspots betreute Taubenhäuser zu errichten“, erklärt Sprecher Marc Bohn. In Kombination mit Vergrämungsmaßnahmen im Bereich der Unterführung am Neusser Hauptbahnhof sollen die Tauben darauf geprägt werden, Futter und Nistplätze nur noch in den Taubenhäusern anzunehmen. „Zudem werden die Taubeneier ausgetauscht, um die Population gering zu halten. Wilde Nistplätze werden entfernt. Es werden aber keine Tiere getötet“, sagt Bohn.

Auch in Duisburg wurde ein milderer Umgang mit den Vögeln gefunden: „Im Mai 2023 sind wir mit einem Pilotprojekt in der Nähe des Hauptbahnhofes gestartet, bei dem eine Vogelfutterstation installiert wurde, die regelmäßig mit einem speziellen Futter befüllt wird, das die Unterdrückung der Eientwicklung bewirkt“, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Das Futter sei für die Tiere nicht schädlich. Aktuell werde die Situation und Entwicklung beobachtet und begutachtet – die ersten Befunde seien vielversprechend, mehr kann sie aber noch nicht sagen. „Abschließende Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor, da das Projekt vorerst bis zum Ende der diesjährigen Hauptbrutperiode (voraussichtlich Oktober 2024) läuft“, sagt Priem. Unabhängig davon sei die Stadt auch in engem Austausch mit einem Taubenschutzverein, um weitere Möglichkeiten zu finden, der Taubenpopulation entgegenzuwirken.

In der Landeshauptstadt spricht man sich gezielt gegen eine Tötung aus: „In Düsseldorf werden keine Stadttauben zur Reduzierung der Taubenpopulation getötet“, sagt eine Sprecherin. Bereits seit Jahren würde in Düsseldorf erfolgreich ein Taubenmanagement zusammen mit dem Tierschutzverein durchgeführt werden. „Dieses tierschutzkonforme Projekt besteht aus einer Kombination von Eiaustausch, Fütterungsverbot und gezielten Vergrämungsmaßnahmen“, erklärt sie.

In Köln gibt es seit November 2019 einen betreuten Taubenschlag. „Der Taubenschwarm vom S-Bahnhof und von der U-Bahnhaltestelle Hansaring soll in den Taubenschlag mit Futter gelockt werden und sich dort dauerhaft niederlassen“, erklärt die Stadt auf ihrer Seite. Ansonsten herrscht in der Stadt ein striktes Fütterungsverbot.