Aufruf des Erzbistums Köln Öffentliche Suche nach möglichen Missbrauchsopfern eines früheren Priesters

Swisstal · In einem ungewöhnlich offenen Aufruf wendet sich das Erzbistum Köln an die Öffentlichkeit. Diese soll bei der Aufarbeitung von mutmaßlichem Missbrauch durch einen Geistlichen helfen. Er lebte zeitweise auch in Swisttal.

Das Erzbistum Köln bittet Missbrauchsopfer um die Mithilfe bei Aufklärung (Symbolbild).

Das Erzbistum Köln bittet Missbrauchsopfer um die Mithilfe bei Aufklärung (Symbolbild).

Foto: dpa/Luca Bruno

Mit dieser Einschätzung dürfte das Erzbistum Köln vermutlich recht haben: „Uns ist bewusst, dass der nachfolgende Aufruf viele von Ihnen erschrecken und beunruhigen wird.“ So lautet der erste Satz eines Schreibens des Erzbistums, mit dem es die Öffentlichkeit darum bittet, Hilfe bei der Aufklärung von mutmaßlichen Missbrauchsfällen durch einen Geistlichen zu leisten. Dabei handelt es sich – auch das steht in dem Schreiben – um den bereits verstorbenen Pfarrer Michael Eschweiler.

Dieser lebte von 2006 bis 2018 sowie im Jahr 2020 in Swisttal-Heimerzheim. Eschweiler war dort zwar nicht Gemeindepfarrer, feierte aber regelmäßig Messen – unter anderem in der Heimerzheimer St.-Kunibert-Kirche. Über den Ort hinaus bekannt und beliebt war er für seine Mundartgottesdienste. Eschweiler wurde in Bonn geboren und wuchs in Rösberg und Merten auf. Neben Swisttal war Eschweiler unter anderem in den Jahren 2003/04 sowie 2018/19 in Wesseling als wohnhaft beziehungsweise tätig.

Persönliche Worte des Heimerzheimer Pfarrers

Weiter heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt: „Wir müssen Ihnen heute mitteilen, dass der verstorbene Pfarrer Michael Eschweiler in mehreren Fällen beschuldigt wird, Minderjährige sexuell missbraucht und sich sexuell grenzverletzend verhalten zu haben. Die Vorwürfe wurden von Eschweiler zum Teil eingeräumt.“

Der Aufruf wurde am Sonntag in den Kirchen St. Kunibert Heimerzheim und St. Katharina Dünstekoven verlesen und im Anschluss für sechs Monate ausgehängt. Im Gottesdienst in Heimerzheim richtet Pater Marek Madej einige persönliche Worte an die Gläubigen. Die Schattenseiten der Kirchen dürften nicht verschwiegen werden. Zugleich betonte er, dass das Seelsorgeteam immer für Gespräche bereitstehe.

In dem Schreiben aus Köln heißt es weiter: „Die Klärung und konsequente Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs ebenso wie die Unterstützung und Begleitung von Betroffenen sind daher ein wichtiges und zentrales Anliegen des Erzbistums Köln.“ Man gehe allen Hinweisen und Verdachtsfällen auch dann nach, wenn Verdächtige beziehungsweise Beschuldigte bereits verstorben sind.

Nicht der erste Aufruf dieser Art

In Einzelfällen sei es erforderlich, weitere Informationen und Erkenntnisse zu gewinnen – weswegen dann die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten werde, so das Erzbistum. Weiter steht in dem Brief: „Wir sind uns bewusst, dass eine solche Mitteilung immer auch Unsicherheit, Wut und Trauer bei den Beteiligten auslösen kann. Dennoch sind wir es den Betroffenen von sexualisierter Gewalt schuldig, allen Hinweisen nachzugehen und den jeweiligen Sachverhalt möglichst umfänglich zu klären.“

Es ist nicht das erste Mal, dass das Erzbistum Köln mit einem derartigen Aufruf die Öffentlichkeit bittet, bei der Missbrauchsaufarbeitung zu helfen. Schon im Mai und im Juni dieses Jahres waren solche Schreiben mit expliziter Namensnennung von Geistlichen veröffentlicht worden, damit sich bislang unbekannte Missbrauchs­betroffene oder Hinweisgeber melden.

In diesen Fällen ging es um die ebenfalls bereits verstorbenen Priester Leonhard Meurer und Edmund Dillinger. Ersterer war ein Priester des Bistums Aachen, der allerdings von 1983 bis 1991 im Erz­bistum Köln tätig war. Dillinger war wiederum Priester des Bistums Trier, wirkte aber in den Jahren 1971 bis 1979 in der Kölner Erzdiözese.

Für Missbrauchsopfer und Hinweisgeber auf mögliche Missbrauchsfälle stehen im Erzbistum Köln gleich drei Ansprechpersonen zur Verfügung. Kontakt: Christina Braun: ☏ 015 25/28 25 703, christina.braun@erzbistum-koeln.de; Peter Binot: ☏ 01 72/29 01 534, peter.binot@erzbistum-koeln.de; Martin Gawlik: ☏ 01 72/29 01 248, martin.gawlik@erzbistum-koeln.de

Dieser Text erschien zuerst im Bonner Generalanzeiger