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Böen mit bis zu 100 kmh: Sturm über NRW: Bahn-Störungen und Bäume auf den Straßen

Böen mit bis zu 100 kmh : Sturm über NRW: Bahn-Störungen und Bäume auf den Straßen

Ein Sturm mit Böen bis zu 100 Stundenkilometer ist am Freitag über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt. Feuerwehr und Polizei melden zahlreiche Einsätze: In der Region stürzten Bäume um, Dachziegel fielen von den Häusern. Bei mehreren Verbindungen wurde der Bahnverkehr gestört.

Nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes sollte der Sturm zum Abend hin nachlassen. Für Samstag erwarteten die Meteorologen erneut kräftige Windböen, die aber nicht so stark wie am Freitag ausfallen sollten. "Das Wochenende wird insgesamt recht ungemütlich mit Wind und Regen", sagte Meteorologe Peter Zedler.

In Düsseldorf rückte die Feuerwehr zu mehreren Einsätzen aus. Die Rettungskräfte mussten herabgestürzte Dachziegel und umgefallene Bäume beseitigen. Auf der Herdecker Straße fiel ein Baum auf einen geparkten Pkw. In Hilden drohte zudem ein Kamin abzustürzen. In Leichlingen knickten ebenfalls Bäume um, ein Kind wurde offenbar verletzt.

In Mönchengladbach verfärbte sich der Himmel am Morgen bereits bedrohlich dunkel. Dort gab der Wetterdienst Meteomedia dann am Mittag eine Unwetterwarnung heraus. Mehrere Schäden verursachte der Sturm in Grevenbroich — unter anderem in der Südstadt. An der Wöhlerstraße hatten die Windböen einen etwa 22 Meter hohen Baum in einen anderen stürzen lassen. Der Baum drohte, auf ein Haus zu fallen und es zu beschädigen. In Krefeld musste die Feuerwehr derweil zu einem halben Dutzend Einsätze ausrücken. Zwei Bäume stürzten um und mehrere Schindeln fielen von den Dächern. In Rheinberg und Wesel kam es zu schweren Niederschlägen, ausrücken musste die Feuerwehr jedoch vorerst nicht. Die Ausläufer des Orkantiefs "Qumaira" sorgten auch in Köln für viele Feuerwehreinsätze. Zeitweise waren alle Feuerwachen der Berufsfeuerwehr und mehr als die Hälfte der Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr unterwegs, um umgestürzte Bäume oder lose Dachteile aus dem Weg zu räumen, melden die Einsatzkräfte. Verletzt wurde durch die umher fliegenden Teile bislang niemand. Bis 14:30 Uhr kam es zu 73 Sturmeinsätzen in Köln.

Seit etwa 10.30 Uhr musste auch die Feuerwehr Leverkusen zu einigen Sturmeinsätzen fahren. Ein Baum kippte auf eine Oberleitung, einige Äste und Dachziegel fielen auf die Straße. In Kevelaer stürzte ein Baum auf Bahngleise und behinderte den Schienenverkehr nach Düsseldorf. Auch in Neuss stürzte ein Baum um.

Im Kreis Mettmann gab es eine Vielzahl von Einsätzen für Rettungsdienste und Polizei. Von umgestürzten Bäumen, Zweirädern, Verkehrsschildern, Telefonkästen und damit verbunden einem Telefonausfall im Bereich Velbert Schul/Schloßstraße, bis hin zu umgefallenenBauzäunen, weggeflogenen Kunststoff-Folien und Dachziegeln. Bäume stürzten um und behinderten den Verkehr in Haan.

Die Zoos in Wuppertal und Krefeld haben am Freitag vorsorglich geschlossen gehabt.

Bahnverkehr gestört

In Bottrop hatte nach Angaben der Bundespolizei ein Baum die Oberleitungen heruntergerissen und war auf die Gleise gestürzt. Ein Zug der Nordwestbahn fuhr gegen das Hindernis. Es sei niemand verletzt worden. Die Strecke wurde gesperrt, Busse brachten die Reisenden zum Zielort. Auch bei Münster stürzte wegen des Sturms ein Baum in die Oberleitungen. Der Nah- und Fernverkehr musste umgeleitet werden, wie eine Bahnsprecherin sagte. Ein ICE kollidierte auf der linksrheinischen Bahnstrecke bei Rhens mit der Baumkrone. Die Strecke musste für etwa 45 Minuten gesperrt werden, es kam zu Verspätungen. Weder am Zug noch an der Oberleitung sei ein Schaden entstanden, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Drei Fernzüge wurden laut Bahn über die rechtsrheinische Strecke umgeleitet. Der betroffene ICE war auf dem Weg von Hamburg nach Frankfurt.Auch auf einigen anderen Strecken gebe es Verspätungen.

Auch für viele Autofahrer machte sich der starke Wind unangenehm bemerkbar. Bei Uckerath wehte eine Bö den Anhänger eines Lkw um.

"Was nicht niet- und nagelfest ist, kann dann schonmal rumfliegen und sollte gesichert werden", riet Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst in Essen am Freitagvormittag. Die Meteorologen rechnen am Freitagnachmittag verbreitet mit stürmischen Böen, "in den Höhenlagen auch schwere Sturmböen". Es andelt es sich jedoch um keine Unwetterwarnung, sondern eine Warnung vor "markantem Wetter".

Hinter dem ersten Sturmband lauert schon das nächste: Auch am Samstag und Sonntag ziehen von Westen her Tiefausläufer durch. Das alles nennt der Meteorologe einen "Herbststurm mit Verspätung": Er entsteht, weil milde Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad auf kalte Polarluft prallen. "Hätten wir es winterlich kalt, könnten solche Stürme zu dieser Jahreszeit gar nicht entstehen".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sturmböen in NRW - Lkw gerät ins Wanken

(lnw)