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Sturm "Sabine" legt Bahnen und Flugzeuge lahm

Sturm über NRW : In Aachen und Wuppertal wütete „Sabine“ am heftigsten

Mit heftigen Böen traf der seit Tagen erwartete Sturm „Sabine“ am Sonntag auf NRW. Vor allem Reisende leiden noch am Montag unter den Auswirkungen.

Der schwere Sturm hat in der Nacht zum Montag in Nordrhein-Westfalen offensichtlich weniger Schäden angerichtet als im Vorfeld befürchtet. Zwar gab es Verletzte, über Todesopfer ist zunächst nichts bekannt. In den meisten Fällen hatten es die Einsatzkräfte mit umgestürzten Bäumen zu tun.

In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos großes Glück: Ein 25 Meter hoher Baum erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. Das Auto geriet ins Schleudern und landete im Straßengraben. Die beiden konnten sich selbst befreien. Nur leicht verletzt kamen sie in ein Krankenhaus. „Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können“, berichtete die Feuerwehr Mülheim am frühen Montagmorgen.

In Viersen mussten fünf Menschen ihre Wohnungen in den oberen Etagen eines Mehrfamilienhauses verlassen. Hier hatte der Wind die Fassade und eine Decke im Haus beschädigt. Die fünf kamen bei Bekannten unter. In Hemer wurde das Dach eines Hauses teilweise abgedeckt. Abgedeckte Dächer gab es auch in Oberhausen. Viele Feuerwehren gingen in der Nacht davon aus, dass bei Tagesanbruch noch weitere Sturmschäden sichtbar werden.

Der Bürgermeister der Stadt Grevenbroich besuchte die haupt- und ehrenamtlichen Helfer auf der Wache und dankte ihnen für ihre große Einsatzbereitschaft. „Es gibt weiß Gott angenehmere Freizeitbeschäftigungen als den Sonntagabend auf der Feuerwache zu verbringen und Sturmschäden abzuarbeiten“, sagte er laut einer Mitteilung.

Orkan Friederike: Bahn stellt Zugverkehr in NRW wegen Sturm ein

In Dortmund kam es durch den Sturm zu einem Verkehrsunfall. Dabei wurde ein Mensch schwer verletzt. In Paderborn erlitt ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast Kopfverletzungen. In Essen wurde eine 47 Jahre alte Frau von einer herabstürzenden Schieferplatte leicht verletzt.

In Aachen und in der Städteregion Aachen rückten die Einsatzkräfte bis 1 Uhr zu 432 Einsätzen aus. In den meisten Fällen ging es um umgestürzte Bäume. Verletzte gab es keine.

In einigen Ortschaften fiel der Strom aus. Tausende Feuerwehrleute waren im Einsatz. Als sich nach Mitternacht das Wetter etwas beruhigte, reduzierten viele Wachen ihre Besetzung.

Die Auswirkungen des Sturms sind beträchtlich. So ist am Morgen mit einer deutlichen Beeinträchtigung des Berufsverkehrs zu rechnen: Der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen wird am Montag nur schrittweise wieder in Gang kommen.

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen. Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal und Aachen (beide 112 km/h) registriert.

Viele Flüge wurden in Köln, Düsseldorf und Amsterdam annulliert. Die Fluggesellschaft Eurowings entschied am Sonntagnachmittag, seinen Flugbetrieb zu unterbrechen. Nur von zwei Städten in Deutschland werde noch geflogen. Man gehe davon aus, dass sich die Situation erst am Montagnachmittag wieder entspanne. In unserem Liveblog informieren wir Sie über die neuesten Entwicklungen.

Wegen der Unwetterschäden könne die Deutsche Bahn bundesweit im Regional- und Fernverkehr keine zuverlässige Betriebsaufnahme gewährleisten, teilte das Unternehmen am Sonntagabend mit. „Die notwendigen Erkundungsfahrten zur Sichtung der Schäden sind erst mit Tageslicht möglich“, hieß es. Am Sonntagabend hatte die Bahn in mehreren Bahnhöfen sogenannte Aufenthaltszüge für gestrandete Reisende bereitgestellt. Auch Hotel- und Taxigutscheine wurden ausgegeben.

Umgestürzte Bäume haben am Morgen wichtige Autobahnstrecken blockiert. So ist nach Angaben der Landesleitstelle die A4 Richtung Köln zwischen Elsdorf und Kerpen noch gesperrt. In Hagen ist die A45 in Fahrtrichtung Frankfurt zwischen dem Kreuz Hagen und der Anschlussstelle Hagen-Süd voraussichtlich bis Montagmittag, 13 Uhr, voll gesperrt. Auch Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sind am Morgen stellenweise noch nicht nutzbar sein. Aus Sicherheitsgründen konnten die Straßenmeistereien umgestürzte Bäume in der Nacht noch nicht beseitigen. Zahlreiche Flüge sind gestrichen worden.

Etliche Städte lassen am Montag den Unterricht an ihren Schulen ausfallen - darunter Köln, Düsseldorf, Essen, Aachen, Mülheim und Gelsenkirchen. Am Sonntag hatten sich kurzfristig auch noch Münster, Dortmund sowie weitere Kreise und Gemeinden angeschlossen. Auch etliche Kindertagesstätten - darunter in Köln, Düsseldorf und Solingen - werden geschlossen bleiben. An vielen Schulen und Kindertagesstätten soll es aber eine Notbetreuung geben.

In Krefeld beschädigten Bäume die Oberleitungen der Straßenbahn. Die Stadtwerke stellten daraufhin am Abend den Betrieb aller vier Linien ein. Die Einsatzkräfte waren nicht nur mit dem Zersägen von Bäumen beschäftigt, die auf Straßen, geparkte Autos oder gegen Häuser gefallen waren. So berichtete die Feuerwehr Essen, dass mehrfach Bauzäune oder Baugerüste gesichert werden mussten - ebenso Baustellentoiletten, ein Pavillon oder Trampoline. Gelockerte oder herabgewehte Dachziegel waren ebenfalls häufig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sturmtief „Sabine“ trifft NRW

(dtm/dpa)