Sturm: Orkan Friederike fordert drei Todesopfer in NRW

Heftigster Sturm seit 2007: "Friederike" fegt über Deutschland - mehrere Menschen sterben

Sturm "Friederike": So stark hat der Orkan die Region erwischt

Der Orkan "Friederike" ist der heftigste Sturm seit mehr als zehn Jahren in Deutschland. Polizei und Feuerwehr rücken zu Tausenden Einsätzen aus. Die Bahn lässt ihre Fernzüge aus Sicherheitsgründen stehen. Mindestens sechs Menschen verlieren ihr Leben.

+++ Hier gibt es das Protokoll des Tages zum Nachlesen. +++

"Friederike" fegt über Deutschland - die Fakten im Überblick

  • Mindestens drei Todesopfer allein in NRW
  • Feuerwehren im Großeinsatz, viele umgestürzte Bäume
  • Stromausfälle am Niederrhein

Mit großer Wucht fegt der Wintersturm "Friederike" über Deutschland. Mindestens fünf Menschen starben, drei davon in NRW. Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr am Donnerstagnachmittag bundesweit komplett ein, nachdem bereits in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen keine Züge mehr fuhren. Die Feuerwehren rückten wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer und herumfliegender Straßenschilder aus.

In niederrheinischen Emmerich wurde ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz von einem umstürzenden Baum erschlagen. Ebenfalls in Nordrhein-Westfalen kam in Lippstadt im Kreis Soest ein 68-jähriger Mann ums Leben, als sein Transporter durch starke Sturmböen umkippte und im Gegenverkehr mit einem Lastwagen zusammenprallte. Im sauerländischen Sundern kam ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr während eines Sturm-Einsatzes ums Leben, wie NRW-Innenminister Herbert Reul mitteilte.

Auch Thüringen starb ein Feuerwehrmann: Der 28-Jährige wurde nach Polizeiangaben in einem Waldstück bei Bad Salzungen von einem Baum erschlagen. In Brandenburg starb ein Lastwagenfahrer: Während des Sturms prallte sein Fahrzeug auf der Autobahn 13 in die Mittelleitplanke und stürzte um. In der Nähe von Neubrandenburg starb eine 61-jährige Autofahrerin: Sie verlor südlich von Penzlin vermutlich wegen widriger Straßenverhältnisse und zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Auto und schleuderte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen.

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Es gab zudem zahlreiche Verletzte. In Ratingen wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum getroffen. Im Kreis Heinsberg wurden zwei Männer unter einem umstürzenden Baum eingeklemmt und schwer verletzt. Auf der Autobahn 555 bei Köln wurden zwei Menschen verletzt, als eine Sturmböe einen Lastwagen umkippte. In Köln wurde nach Polizeiangaben eine 48-jährige Autofahrerin schwer verletzt, als ein Baum auf ihren Wagen stürzte.

In Pößneck (Thüringen) wurde das Dach einer Schule abgerissen, in der sich noch Kinder befanden. Nach Angaben des Landratsamtes Saale-Orla-Kreis blieben alle Schüler unverletzt. Das Dach des Grundschulgebäudes landete auf dem Schulhof. Der Oberharz war am Nachmittag von der Außenwelt abgeschnitten. Zufahrtsstraßen waren gesperrt worden, weil Bäume umgekippt waren, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung Goslar. Ein Polizeisprecher bezeichnete die Lage als chaotisch. Trotz zahlreicher Verkehrsunfälle sei bisher niemand verletzt worden.

In vielen Städten riefen die Behörden die Menschen dazu auf, in Gebäuden zu bleiben. Wochenmärkte wurden abgesagt, Parks und Zoos geschlossen. In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus oder wurde früher beendet. Allein die Stadt Köln meldete bis zum Nachmittag mehr als 600 Sturmeinsätze. Wie die Lage in den Städten unserer Region war, lesen Sie hier.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts gab es Sturmböen mit Spitzengeschwindigkeiten von rund 130 Stundenkilometern, örtlich waren sie auch noch höher. Über den Brocken im Harz jagten Orkanböen mit Geschwindigkeiten bis zu 203 Stundenkilometern. Damit erreichte "Friederike" eine höhere Windgeschwindigkeit als "Kyrill" 2007. "Vor exakt 11 Jahren gab es 202 km/h auf dem Wendelstein, heute meldete der Brocken eine Böe von 203 km/h", teilte der Deutsche Wetterdienst mit ( eine Übersicht über die Windgeschwindigkeiten in der Region finden Sie hier).

Orkan Friederike: So heftig erleben unsere Nutzer den Sturm

Die Deutsche Bahn stoppte am Vormittag zunächst den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen sowie Teilen von Rheinland-Pfalz, dann auch in Niedersachsen. Am Nachmittag wurde der Fernverkehr dann bundesweit eingestellt. Fernverkehrszüge bleiben nach Konzernangaben in den Abfahrtsbahnhöfen stehen oder werden in Unterwegsbahnhöfen gestoppt. Vielerorts saßen zahlreiche gestrandete Passagiere an den Bahnhöfen fest, zum Beispiel in Köln. Teilweise wurden Hotelzüge bereit gestellt.

>> Aktuelle Infos: Die Züge rollen wieder >>

Mancherorts stürzten Bäume auf Oberleitungen und Straßen, vereinzelt kam es zu Stromausfällen. Der Flughafen Köln/Bonn unterbrach am Mittag für etwa anderthalb Stunden den Betrieb, es gab keine Starts und Landungen mehr. Am Flughafen Düsseldorf wurden nach Angaben des Betreibers etliche Flüge gestrichen. Einige Piloten mussten ihr ganzes Können aufbringen, um sicher zu landen ( ein Video mit den beeindruckendsten Manövern sehen Sie hier). Auch an anderen deutschen Flughäfen gab es Streichungen, etwa weil Ankünfte aus den Niederlanden wegen des Unwetters ausfielen.

Auf vielen Straßen kam es zu Verkehrsbehinderungen. In Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Hessen mussten wegen umgestürzter Lastwagen mehrere Brücken und Autobahnabschnitte gesperrt werden. Gegen Abend entspannte sich die Lage auf den Autobahnen in NRW.

Vor allem im Norden brachten die Ausläufer des Sturmtiefs auch viel Schnee. In Hamburg erlitt ein 17-Jähriger lebensgefährliche Verletzungen, als ein dicker Ast laut Polizei unter der Schneelast brach und ihn am Kopf traf. In Lübeck kam der Verkehr in der Innenstadt wegen des Schneefalls teilweise zum Erliegen.

Auch in den Nachbarländern sorgte "Friederike" für Chaos. Auf Gleisen und Straßen ging nichts mehr, der Flughafen Schiphol von Amsterdam strich vorübergehend alle Flüge, weil der Wetterdienst die höchste Alarmstufe ausrief. Zwei Männer kamen in den Niederlanden durch herabfallende Äste und umgestürzte Bäume ums Leben. Auch in Belgien starb eine Autofahrerin.

(skr/sef)