Sternsinger leben Inklusion vor

Heilige Drei Könige : Sternsinger leben Inklusion vor

Kinder mit Behinderungen stehen in diesem Jahr bei den Sternsingern im Mittelpunkt. Frederik ist einer von ihnen. Der Zwölfjährige hat das Down-Syndrom hat. Für ihn gibt es kaum etwas Schöneres, als anderen Kindern zu helfen.

Um besser an den oberen Türrahmen zu kommen, stellt sich Frederik, der das Down-Syndrom hat, mutig auf einen wackeligen Blumenkübel, der direkt vor der Eingangstür steht. Seine beiden Freunde Eric (9) und Nico (8) stützen ihn, damit er nicht fällt und sorgfältig das Zeichen „20*C+M+B+19“ aufkleben kann. „So, fertig“, ruft der Zwölfjährige, nachdem er wieder sicheren Boden unter den Füßen hat. Sein Freund Nico streckt der Frau an der Tür die Gelddose entgegen. „Wir sammeln für Kinder, denen es nicht so gut geht“, sagt er.

Die drei Jungen aus Oberhausen gehören zu den rund 300.000 Sternsingern, die derzeit bundesweit von Haustür zu Haustür ziehen, um den Segensspruch C+M+B (Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus) anzubringen und Geldspenden für notleidende Kinder zu sammeln. In diesem Jahr stellt die Sternsingeraktion Kinder mit Behinderungen in den Mittelpunkt, das Motto lautet: „Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit“.

Der südamerikanische Staat in den Anden steht exemplarisch für den vielerorts schlechten Umgang mit Kindern mit Behinderungen. Die Sternsinger unterstützen mit den Spenden das Projekt „Yancana Huasy“ in der Hauptstadt Lima, das jährlich rund 1000 Kinder mit Behinderung fördert und ihnen Zugang zu Bildung ermöglicht. „Menschen mit Behinderungen auszuschließen, oder ihnen sogar nicht die gleiche Würde anzuerkennen wie jedem anderen Menschen, behindert sie in doppelter Weise. Wir wollen bei dieser Dreikönigsaktion die Sternsinger dahingehend sensibilisieren, dass wir zusammengehören und dass jeder von uns einen unersetzlichen Beitrag leisten kann“, sagt Diözesanseelsorger Markus Wipperman vom Bund deutscher katholischer Jugend. Die bundesweite Aktion Dreikönigssingen ist die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder.

Die Sternsinger sind unterwegs - warum eigentlich?

Frederik ist bereits seit seinem vierten Lebensjahr als Sternsinger unterwegs. Eine Aufgabe, die ihm wie auch seinen beiden Freunden große Freude bereitet. „Ich bin deswegen extra am Donnerstagabend aus dem Urlaub zurückgekommen, um mitmachen zu können“, sagt der Zwölfjährige.

Auch in Moers laufen schon seit vielen Jahren Kinder mit kleineren und größeren Behinderungen mit. „Wir machen gar keinen Unterschied zwischen den Kindern. Das ist für uns ganz normal“, sagt Elisabeth Marquardt, die seit 20 Jahren Sternsinger-Gruppen organisiert und begleitet. „Es spielt für mich überhaupt keine Rolle, ob ein Kind eine Behinderung hat oder nicht. Jedes Kind ist individuell. Und alle machen bei uns mit“, sagt sie. Es gebe Kinder, die würden ständig ihre Krone verlieren. Dann seien immer mal wieder welche nicht wettergerecht angezogen. Und wieder andere könnten noch nicht richtig lesen. Und das seien alles Kinder ohne Behinderungen. „Daran sieht man, dass man nicht besonders auf Kinder mit Behinderungen achten muss als Gruppenleiter, sondern auf alle“, betont Marquardt.

Am Freitag haben Sternsinger NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Landeshaus besucht. 55 Mädchen und Jungen aus den fünf Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn überbrachten ihm den Segen. „Auch wir in Nordrhein-Westfalen sind alle gefordert, Menschen mit Behinderung bestmöglich in unsere Gesellschaft zu integrieren“, sagte Laschet. Deshalb arbeite man daran, Barrieren im Berufsleben und im Alltag abzubauen. „Gelebte Inklusion bedeutet für mich das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben“, so der Ministerpräsident.

Für Barbara Breyhan, Fachreferentin für Gesundheit beim Kindermissionswerk Die Sternsinger sind Menschen mit Behinderungen die „größte Minderheit der Welt“. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit 15 Prozent der Menschen mit einer Behinderung, rund 165 Millionen von ihnen sind Kinder. „Sie sind besonders verletzlich und gefährdet. In vielen Regionen der Welt haben sie kaum die Möglichkeit, medizinisch, sozial und psychologisch begleitet zu werden“, sagt sie. Gesellschaftliche Akzeptanz und Inklusion seien vielerorts nicht gewährleistet, hätten ihr Projektpartner des Kindermissionswerks berichtet.

Besonders schön findet Frederik es, wenn die Leute, bei denen sie schellen, ihnen noch etwas Süßes zustecken. „Manchmal gibt es sogar eine Waffel mit Puderzucker“, sagt der Zwölfjährige. Aber selbst wenn sie mal nichts bekommen sollten: Singen tun sie immer. Am liebsten das Lied „Wir kommen daher aus dem Morgenland ...“ Aber immer nur die erste Strophe, wie Eric klarstellt. Aus Zeitgründen. Die drei Könige müssen ja auch noch jeweils ihren Segen aussprechen. Frederik hat seinen extra auswendig gelernt. „Wir überwanden weite Wege, erzählten hier und überall: Gott ist in Jesus Mensch geworden, ganz klein und arm in einem Stall“, sagt er fehlerfrei auf.

(csh)
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