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Sternsinger aus dem Libanon

Kindermissionswerk : Singen für den Frieden

Am heutigen Dreikönigstag ziehen Sternsinger von Haustür zu Haustür. Das Geld geht in diesem Jahr an notleidende Kinder im Libanon. In Dortmund sammelt die neunjährige Lor Spenden. Sie stammt aus dem Libanon.

Lor weiß genau, wo sie lang muss. Der Stern, den eine ihrer Freundinnen trägt, weist der Neunjährigen den Weg. Und der führt die Sternsingergruppe an diesem Sonntagmorgen von Haustür zu Haustür in der alten Zechensiedlung im Dortmunder Vorort Kirchlinde. Sorgfältig bringt Lor das Zeichen „20*C+M+B+20“ an Hauswänden und Türrahmen an. Lors Eltern stammen aus dem Libanon, ihre Freundinnen, die mit ihr unterwegs sind, sind muslimischen Glaubens. „Die verschiedenen Religionen passen gut in das Konzept der Sternsinger“, sagt Gemeindereferent Michael Thiedig von der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Kirchlinde-Rahm. „Bei uns kann jeder mitmachen. Religionen spielen keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man anderen helfen will.“

Die Mädchen aus Dortmund gehören zu den rund 300.000 Sternsingern, die derzeit bundesweit von Haustür zu Haustür ziehen, um den Segensspruch C+M+B (Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus) anzubringen und Geldspenden für notleidende Kinder zu sammeln. In diesem Jahr stellt die Sternsingeraktion den Staat Libanon in den Mittelpunkt, das Motto lautet: „Frieden! Libanon und weltweit“. Seit Beginn der Aktion Dreikönigssingen im Jahr 1959 wurden rund 1,5 Milliarden Euro gesammelt. Das Geld ist mehr als 74.400 Projekten und Hilfsprogrammen für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa zugute gekommen. Der Brauch des Dreikönigssingens zählt in Deutschland seit 2015 zum immateriellen Kulturerbe.

Lor hat vor einem Jahr das Sternsingen für sich entdeckt, nachdem Thiedig ihre Schule besucht hat. „Ich gehe jedes Jahr im Herbst in die sechs Schulen in unserer Gemeinde und werbe für die Aktion“, sagt der Gemeindereferent. Rund 1800 Schüler erreicht er auf diesem Weg. 140 bleiben am Ende übrig, die dann den Segen verkünden. In den Schulen macht Thiedig den Kindern und Jugendlichen deutlich, weshalb der Einsatz für Gleichaltrige in aller Welt so wichtig ist. „Ich berichte zum Beispiel von einem Krankenhaus in Tansania, das von den Dortmunder Sternsingern unterstützt wird“, so Thiedig. „Dass dort so vielen Menschen geholfen werden kann, ist auch den Sternsingern zu verdanken“, erklärt er. Als Loh das hörte, wollte sie sofort mitmachen bei den Sternsingern. „Ich will auch anderen Kindern helfen, und das Singen und Sammeln macht großen Spaß“, sagt sie.

Am Freitag besuchten die Sternsinger NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). „Auch bei uns in Deutschland gibt es zu viel Hass und zu viele Vorurteile“, erklärte der Regierungschef. „Die Sternsinger stehen zum Glück für das Gegenteil, für Mitgefühl und Toleranz – auch bei uns zu Hause.“ Laschet appellierte an die Bürger, den Sternsingern die Türen zu öffnen, um für Kinder und Jugendliche in Not zu spenden. Im Mittelpunkt der diesjährigen Sammelaktion steht das Thema Frieden am Beispiel des Libanon. „In zu vielen Ländern herrschen Krieg, Gewalt und Unsicherheit“, stellte der CDU-Politiker fest. „Kinder und Jugendliche leiden darunter am allermeisten. Ihnen fehlt die Geborgenheit, die sie brauchen, um gut aufzuwachsen“, so Laschet.

Im Libanon befinden sich derzeit besonders viele Menschen, insbesondere Familien mit Kindern, auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung. Das Kindermissionswerk, das in Aachen seinen Hauptsitz hat, hat deshalb auch ein Flüchtlingscamp im Libanon besucht und dort mit der sechsjährigen Noar gesprochen, die mit ihren Eltern aus Syrien geflohen ist. „Sie lebt mit ihrer Familie in einem Zelt aus Holzlatten und Plastikplanen. Wenn es regnet, ist alles feucht und kalt – ihre Kleidung, ihre Decke und ihre Matratze. Gegen die Kälte gibt es immerhin einen Dieselofen“, heißt es beim Kindermissionswerk. Das Beispiel soll zeigen, wie notwendig die Hilfe für die Kinder dort ist.

Lor und ihre Freundinnen besuchen in der Zechensiedlung alle, die sich das wünschen und darüber freuen. Nur sehr selten stoßen sie an den Türen, an denen sie klingeln, auf Ablehnung. Wir wollen anderen Menschen helfen, egal ob sie Christen oder Muslime seien, so die Mädchen. „Es kommt nicht darauf an, woher man kommt“, sagt Gemeindereferent Thiedig.