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Steinbachtalsperre: Seehofer und Laschet im Kreis Euskirchen

Lage entspannt sich : Laschet und Seehofer loben Einsatzkräfte an der Steinbachtalsperre

Aufatmen an der Steinbachtalsperre: Der Damm hält. Die Anwohner können zurück in ihre Häuser. Bundesinnenminister Horst Seehofer und Ministerpräsident Armin Laschet loben die Arbeit der Hilfskräfte.

„Willkommen im Erholungsgebiet Steinbachtalsperre“, steht auf einem Schild direkt am aufgestauten Gewässer. Dort, wo ansonsten viele Menschen zum Wandern hinkommen, stehen jetzt Fahrzeuge der Bundeswehr, Räumpanzer und Lastwagen des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehr. Der Boden ist matschig, verschlammt. Über der Sperre kreist unaufhörlich ein Hubschrauber; Maschinen pumpen weiter Wasser aus dem See.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stehen auf dem Damm, der tagelang zu brechen drohte, und lassen sich von der Einsatzleitung über die Lage informieren. Ein Bruch habe an dieser Stelle verhindert werden können, sagt der CDU-Bundesvorsitzende und Unions-Kanzlerkandidat. Es bestehe nun die Chance, „dass sich die Lage endgültig entspannt“.

Wegen der unmittelbaren Gefahrenlage sind vier Ortschaften der Städte Euskirchen und Rheinbach mit mehr als 4500 Einwohnern tagelang evakuiert gewesen. Dass der Damm nicht gebrochen ist, sei auf enge Zusammenarbeit der örtlichen Feuerwehren, der beiden Kreise, des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundeswehr zurückzuführen, betont Laschet. Die Menschen dürfen jetzt nach und nach zurück nach Palmersheim, Flamersheim und Schweinheim.

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Hunderte Einsatzkräfte sind seit Tagen an der Steinbachtalsperre im Einsatz – sie kommen aus fast allen Landesteilen. So sind unter anderem Feuerwehren aus Duisburg, Düsseldorf und Essen da, um das Wasser aus dem See zu pumpen. „Wir wurden am Sonntagabend um 21.30 Uhr alarmiert: Um 0.30 Uhr waren wir da“, sagt ein Feuerwehrmann aus Duisburg. Mitgebracht haben die Duisburger eine spezielle Pumpe. „Damit kann man 8000 Liter pro Minuten abpumpen“, erklärt er.

 19.07.2021, Nordrhein-Westfalen, Euskirchen: Blick auf den kaputten Damm der Steinbachtalsperre. Die Dämme der Talsperre drohten wegen dem Hochwasser tagelang zu brechen. Foto: Roberto Pfeil/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
19.07.2021, Nordrhein-Westfalen, Euskirchen: Blick auf den kaputten Damm der Steinbachtalsperre. Die Dämme der Talsperre drohten wegen dem Hochwasser tagelang zu brechen. Foto: Roberto Pfeil/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Roberto Pfeil

Besonders die Anwohner aus den umliegenden Ortschaften unterhalb der Talsperre atmen nun auf; sie haben tagelang gebangt und gehofft, dass der Damm halten wird. Am Montagmittag stehen die ersten Bewohner vorm Ortseingang nach Flamersheim, der aber zu diesem Zeitpunkt noch mit einem rot-weißen Flatterband gesperrt ist; zwei Polizisten achten darauf, dass niemand die Absperrung durchbricht. Auch wenn ein Dammbruch verhindert wwerden konnte; Flamersheim ist trotzdem überschwemmt worden. „Es war hier alles voller Wasser. Wir hatten keine Informationen; das Internet funktionierte nicht mehr, sagt ein Frau aus Flamersheim. „Die Feuerwehr ist dann am Donnerstagmorgen um vier Uhr hier durchgefahren und hat gerufen, dass wir unsere Häuser verlassen müssen und dass man evakuiert werde.“ Bis abends 18 Uhr hätte sie nicht gewusst, was überhaupt los sei. „Man hörte nur von außen was. Von Reportern gab es Informationen. Sonst nicht“, sagt sie.

Fachleute haben die Standsicherheit des Damms begutachtet. In den vergangenen beiden Tagen sei so viel Wasser abgelassen und abgepumpt worden, dass die Experten nun von einer stabilisierten Lage ausgingen, heißt es bei der Bezirksregierung Köln. Der Wasserspiegel ist auf etwa sieben Meter gedrückt worden. Die Talsperre soll nun in den nächsten Tagen abgefischt und dann vollständig entleert werden.

Seehofer sagt während seines Besuches an der Sperre, dass er so eine Naturkatastrophe wie hier in NRW noch nicht gesehen habe. „Wir erleben eine Tragödie", sagt er. Auch er lobt die Arbeit der vielen Helfer, die erstklassige Arbeit geleistet hätten – und weiter leisten. Zur Diskussion über den Katastrophenschutz erklärt er, dass dessen föderale Struktur richtig sei und Zentralismus nichts verbessern würde. Laschet ergänzt, es müsse analysiert werden, wie Katastrophen-Meldungen besser gemacht werden könnten.

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Armin Laschet fährt nach seinem Besuch an der Talsperre in seiner schwarzen Dienstlimousine an ihnen vorbei. „Er hat uns zu gewinkt“, sagt eine Frau, die direkt am Absperrband steht. „Wäre der Damm gebrochen, hätte es uns voll erwischt“, sagt sie. Jetzt freut sie sich, endlich in ihr Haus zurück zu dürfen.

(csh)