Stau-Gefahr in den Osterferien in NRW - auch Bahn- und Flugreisende betroffen

Flughafen, Bahn, Auto : Im Ferienverkehr wird es eng

Bahnbaustellen, Flugpassagier-Rekorde und lange Staus auf den Autobahnen – am Freitagnachmittag bricht NRW in die Osterferien auf. Wir zeigen, wo es eng werden dürfte und wo es noch Reise-Schnäppchen gibt.

Die Bahn versucht es mit Humor. In ihren Aushängen ist das Baustellenmaskottchen Max, der Maulwurf, zu sehen, wie er mit einem Salzstreuer mehreren Ostereiern zu Leibe rückt. „Die Osterferien werden wir Ihnen leider ein wenig versalzen müssen“, steht daneben geschrieben. Ferienzeit heißt für die Bahn auch Baustellenzeit. Der Staatskonzern nutzt die Wochen, in denen weniger Pendler unterwegs sind, um Projekte voranzutreiben und so die Beeinträchtigungen für die Dauerkunden zu minimieren. In diesem Jahr wird es in den Osterferien im Nadelöhr Köln besonders schwierig. Auf der Hohenzollernbrücke müssen zwei der sechs Gleise von diesem Freitag bis Montag, 29. April, komplett gesperrt werden. Insgesamt sieben neue Weichen sollen rund um den Kölner Hauptbahnhof erneuert werden. Hinzu kommen Arbeiten an der Brücke selbst.

Bahn Bei Fernverkehrszügen macht sich das entweder darin bemerkbar, dass diese anstelle des Hauptbahnhofs Messe-Deutz oder Ehrenfeld anfahren. Außerdem verlängert sich die Fahrtzeit und bringt dadurch den Fahrplan gehörig durcheinander. Erschwerend kommt an den Osterfeiertagen hinzu, dass zeitgleich in Mainz und Koblenz gebaut wird. Züge, die üblicherweise linksrheinisch fahren, werden über die rechte Rheinseite umgeleitet. Die Hauptbahnhöfe Köln, Bonn , Remagen, Andernach, Koblenz und Mainz werden von diesen Zügen  nicht mehr angefahren. Zudem verlängert sich die Fahrt um eine Stunde. Gleiches gilt für Reisende mit dem Fahrtziel Brüssel in der Zeit vom 23. bis zum 25. April. Dort führt eine Baustelle im Raum Aachen zu einem Plus von 60 Minuten.

Foto: Quelle: DB Netze | Foto: Andreas Bretz | Grafik: Alicia Podtschaske

Hinzu kommen zahlreiche Beeinträchtigungen im Regionalverkehr rund um Köln mit Ausfällen und Umleitungen. Die RE12 etwa entfällt komplett, gleiches gilt für die RE6 zwischen Düsseldorf und Köln Flughafen , die RE7 zwischen Opladen und Köln sowie die RE 22 zwischen Köln-Hauptbahnhof und Messe-Deutz. Die Bahn kündigte an, an den Kölner Bahnhöfen deutlich mehr Service-Kräfte einzusetzen, die die Fahrgäste leiten sollen.

Die Zweite große Baustelle betrifft die Landeshauptstadt. In Düsseldorf-Bilk sind die Umbauarbeiten der S-Bahn-Haltestelle in einen Regionalverkehrshalt in vollem Gange. Auf den dort verkehrenden Linien kommt es laut Bahn „zu umfangerichen Fahrplanänderungen“. Zugausfälle und Umleitungen sind die Folge.

Flugreisen Doch nicht nur Bahnreisende benötigen in den kommenden Wochen starke Nerven. An den Flughäfen und auf den Straßen dürfte es voll werden. Der Düsseldorfer Flughafen erwartet rund 1,2 Millionen Passagiere während der zweiwöchigen Osterferien von Freitag dieser Woche bis Sonntag dem 28. April. Dabei liegt die Passagierzahl 21,2 Prozent höher als vor einem Jahr. Hauptgrund des Wachstums ist, dass der Untergang von Air Berlin vergangenes Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Angebots geführt hatte. Außerdem liegt Ostern dieses Jahr sehr spät, entsprechend mehr Bürger planen eine Reise insbesondere an das Mittelmeer und in die Türkei.

Alleine am kommenden Wochenende rechnet der größte Airport des Landes mit rund 227.000 Passagieren bei 1780 Starts- und Landungen. 80.000 Reisende werden für diesen Freitag erwartet, ebenso viele am letzten Sonntag der Ferien.

Trotz des hohen Andranges hofft der Airport, ein Chaos bei der Abfertigung vermeiden zu können. Ein Leitsystem meldet, wenn es an einer Sicherungskontrolle zu voll ist. Dann können Reisende an eine andere Sicherheitssperre wechseln. Die Sicherheitsfirma Kötter wird in der Spitze bis zu 300 Luftsicherheitsassistenten gleichzeitig einsetzen, um Gepäck und Reisende schnell durchchecken zu können. „Wir haben im Sommer 2018 gut gearbeitet“, sagt Kötter-Geschäftsführer Peter Langer, „also rechne ich auch zu Ostern 2019 mit positiven Nachrichten.“

Nicht ganz so voll wird es am Flughafen Köln-Bonn. Der Airport rechnet über die Osterferien mit 574.000 Passagieren, vier Prozent weniger als vor einem Jahr. Doch praktisch einziger Grund ist der Wegzug der Langstreckenflotte von Eurowings von Köln nach Düsseldorf, innerhalb Europas ist das Angebot mindestens so gut wie 2018.

Auch hier ist Kötter-Manager Langer optimistisch: „Wir haben uns mit unseren Partnern Bundespolizei und Flughafen intensiv vorbereitet. Daher bin ich überzeugt, dass wir den Passagieren einen genauso guten Urlaubsstart verschaffen werden wie in allen Ferien 2018.“

Dabei sind keineswegs alle Jets ab NRW ausgebucht. Oliver Wagner, Geschäftsführer von Marktführer Eurowings, erklärt, dass zwar nahezu alle Tickets nach Mallorca und auf die Kanaren verkauft seien. Doch zu vielen anderen Zielen gäbe es freie Kapazitäten. Dank Reserveflugzeugen sei Eurowings auch besser als in 2018 vorbereitet, um liegengebliebene Jets bei Pannen ersetzen zu können.

Tuifly erklärt, dass erst 85 Prozent der Tickets in den Osterferien verkauft worden sind. Der Mutterkonzern Tui weist daraufhin, es gäbe für Pauschalreisen noch erträgliche Preise: So sei möglich, bei Tui für 624 Euro am 12. April von Düsseldorf an die Costa de la Luz zu fliegen und dort dann eine Woche mit Halbpension zu bleiben. Eine Woche All-Inclusive in der Türkei koste 644 Euro. Günstig ist auch Alltours: Die Düsseldorfer bieten eine Woche Halbpension in Paguera (Mallorca) ab dem 16. April für 437 Euro an. Eine Woche Ägypten im Doppelzimmer kostet pro Person All-Inclusive ab dem 17. April 655 Euro.

Auto So voll manche Luftstraßen ans Mittelmeer sein werden, so voll wird es auch auf vielen Autobahnen. Der ADAC macht darauf aufmerksam, dass Freitag in acht Bundesländern sowie in einigen anderen Eu-Staaten die Ferien beginnen. Gerade die Routen nach Süden würden an dem Tag und am Samstag voraussichtlich hoch belastet sein, außerdem die Straßen an die Küsten, wozu ab NRW auch die Autobahnen Richtung Niederlande und Flandern (Belgien) zählen. „An unsere Nordseeküste kommen Ostern viele NRW-Familien“, sagt Lothar Peters, Direktor des Tourismusbüros Flandern.

Der ADAC warnt nun vorrangig vor Engpässen am Kölner Autobahnring, bei Frankfurt, Ulm und rund um München, aber auch auf der A61 von Mönchengladbach Richtung Koblenz und Ludwigshafen. In Köln wird mit Beginn der Osterferien am 15. April die Mülheimer Brücke für Lastwagen ab 3,5 Tonnen Gewicht gesperrt, außerdem sind nicht alle Spuren befahrbar wegen der  aufwendigen Sanierung der Brücke. An den Grenzen nach Österreich und in die Schweiz ist mit langen Wartezeiten zu rechnen. Ein Grund: Dorthin fahren die letzten Skiurlauber.

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