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Moers/Wermelskirchen: Städte sparen an Weihnachtslichtern

Moers/Wermelskirchen : Städte sparen an Weihnachtslichtern

In Moers ist ein Teil der altersschwachen Weihnachtsbeleuchtung ausgefallen. Morgen wird sie kurzzeitig komplett abgeschaltet. Für Reparaturen fehlt das Geld. Einzelhändler und Stadt streiten um die Kosten. In Wermelskirchen gibt es erstmals nach 32 Jahren überhaupt keinen Lichterglanz.

Jahr für Jahr erfreut sich Werner Peters an der funkelnden Weihnachtsbeleuchtung vor seinem Brillengeschäft an der Homberger Straße in Moers. "Die Lichter sind wichtig für den Umsatz", sagt der 57-Jährige. "Sie sorgen für eine angenehme Atmosphäre und gute Stimmung bei den Kunden." Doch auf den Lichterglanz muss Peters in diesem Jahr verzichten. Die altersschwachen Lichterketten funktionieren nicht mehr. "Das ist ein Skandal", schimpft er. Seit Jahren sei das Problem mit dem maroden Beleuchtungssystem bekannt. "Aber die Stadt hat nichts gemacht. Im Gegenteil. Sie lässt uns Einzelhändler im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln stehen."

Nicht nur in Moers sieht es in diesem Jahr in der Innenstadt düster aus. Auch in Wermelskirchen bleiben die Lichter erstmals seit 32 Jahren aus. "Die Stadt hat uns die Zuschüsse gestrichen — es fehlen rund 20 000 Euro", sagt Maximilian Freser vom Marketingverein "Wir in Wermelskirchen". Lediglich zwei Bäume sind in diesem Jahr mit elektrischen Kerzen geschmückt worden — viel zu wenig, wie ein Großteil der Einzelhändler meint. "Die Geschäftsleute klagen zwar, sind allerdings selbst nicht bereit, mehr Geld für eine attraktive Beleuchtung in die Hand zu nehmen", sagt Marketing-Mann Freser.

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Ähnliche Probleme gab bis vor wenigen Tagen auch in Mönchengladbach. Dort war ebenfalls ein Streit zwischen Einzelhandel und Stadt über die Finanzierung der Lichterketten entbrannt. Auf der größten Einkaufsstraße der Stadt, der Hindenburgstraße, blieben zunächst einzelne Abschnitte dunkel, weil einige Händler nicht bereit waren, zusätzliche Kosten für den Lichterglanz auf sich zu nehmen. Die Devise des Mönchengladbacher City-Managements lautete: Nur wer zahlt, wird bestrahlt. Die Maßnahme zeigte Wirkung: Nach einem tagelangen Zank gaben viele Händler schließlich nach und entrichteten ihren Beitrag von jeweils 120 Euro. Dennoch bliebe das City Management, so ihr Vorsitzender Stefan Wimmers, wie jedes Jahr auf einem Teil der Kosten für den Lichterglanz sitzen, weil nur die Hälfte der Geschäftsleute bezahlte.

Eine attraktive Weihnachtsbeleuchtung sei aber für eine Stadt enorm wichtig, meint der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Niederrhein, Wilhelm Bommann. "Die Lichterketten sind Aushängeschilder für die Städte. Deswegen können nicht nur die Geschäftsleute in die finanzielle Pflicht genommen werden." Vielmehr müssten Kommunen, Einzelhandel und Kunden gemeinsam die Kosten stemmen. Das sieht Michael Birr, Geschäftsführer der Moers Marketing, anders. "Die Einzelhändler sind diejenigen, die schließlich am meisten von den Lichterketten profitieren", sagt er. "Wenn es jetzt keine Solidarität von Bürgerschaft und Einzelhandel gibt, bleibt Moers dunkel."

In Moers gibt die Weihnachtsbeleuchtung seit Anfang der Woche nach und nach den Geist auf. Die Anlage stammt aus den 1970er Jahren, einige Teile dürften sogar schon 50 Jahre in Betrieb sein, heißt es bei der Stadt. Wie alt die Weihnachtsbeleuchtung wirklich ist, vermag niemand verlässlich zu sagen. Ganze Straßen bleiben abends dunkel. Zwar werden noch einige Teile der Stadt beleuchtet. "Aber wir müssen täglich damit rechnen, dass sie komplett ausfällt", sagt Birr. Doch für die dringend notwendigen Reparaturen oder den Kauf einer neuen Beleuchtung fehlt das Geld.

Die Aktivgemeinschaft Moers, ein Zusammenschluss der Einzelhändler, will nun mit der Spendenaktion "Lichterglanz" Geld für eine moderne und stromsparende LED-Beleuchtung sammeln, die bis zu 200 000 Euro kostet. Morgen wird um 17.30 Uhr für eine Viertelstunde die Weihnachtsbeleuchtung komplett abgestellt. "Wir möchten damit auf die höchst kritische Lage aufmerksam machen", sagt Thorsten Fischer von der AG Moers. "Es ist ein Hilferuf nach Solidarität."

Für Werner Peters kommen die Bemühungen zu spät. Er will sich nun selbst um Lichterketten auf der Straße vor seinem Brillengeschäft kümmern. "Ich bin zwar nicht gegen die Spendenaktion, aber es gab schon zu viele leere Versprechungen", sagt er. "Außerdem bekommt man die Beleuchtung auch für viel weniger Geld hin."

(RP/jco)