Städte in NRW kämpfen gegen illegale Müllkippen

Deutlicher Anstieg im Jahr 2017: Was wilde Müllkippen die Städte in NRW kosten

Durch achtlos und illegal entsorgten Unrat entsteht den NRW-Städten zusammengerechnet jährlich ein Schaden im hohen zweistelligen Millionenbereich. Allein Straßen NRW entsorgt pro Jahr Müll für rund sieben Millionen Euro.

Wenn man ihm nur eine Woche Zeit geben würde, sagt ein Leiter einer großen Autobahnmeisterei in Nordrhein-Westfalen, könne allein er entlang der Autobahnen so viel Müll einsammeln, um damit ein ganzes Wohnzimmer zu füllen. Alte Schränke samt Inventar, Sofas, Sessel und Tische - es gebe nichts, was dort nicht illegal entsorgt werde. Hinzu kämen Tonnen von anderem Unrat wie Bauschutt, Hausmüll aller Art, Lebensmittelreste und Papiertüten, die einfach aus den Autos geworfen werden und auf Parkplätzen an Gebüschen abgestellt werden.

Jährlich fallen bis zu 16.000 Tonnen illegal entsorgter Müll entlang des Autobahnnetzes an, sagt ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW. Ein Millionenschaden für den Steuerzahler. "Pro Jahr kostet es knapp sieben Millionen Euro, diese Fremdabfälle zu entsorgen", so der Sprecher. Im Gegensatz zu den Kommunen könne Straßen NRW diese Ausgaben nicht über Gebühren refinanzieren. Sie gingen vollständig zu Lasten anderer Aufgaben - wie Instandhaltungsarbeiten an Straßen und Brücken.

Öffentliche Empörung: Ein Schild an der B8 in Düsseldorf. Foto: Christoph Reichwein

Nicht nur Autobahnen verkommen zunehmend zu illegalen Müllkippen, auch viele Städte in NRW klagen über sogenannte wilde Müllkippen. Den Kommunen entsteht dadurch zusammengerechnet ein finanzieller Schaden in einem hohen zweistelligen Millionenbereich, wie eine Umfrage unserer Redaktion in der Region ergeben hat. Dabei sind es in der Regel nicht die reinen Entsorgungskosten, die die Kommunen teuer zu stehen kommen. "Die betragen bei uns 210.000 Euro.

Rechnet man Personalkosten mit rein, sind es 3,2 Millionen Euro pro Jahr", erklärt Yvonne Tillmanns von den Mönchengladbacher Abfall-, Grün- und Straßenbetrieben. In Köln betragen die jährlichen Beseitigungskosten sogar rund acht Millionen Euro. Dort gebe es laut der zuständigen Abfallwirtschaftsbetriebe rund 6500 wilde Müllkippen, insbesondere in den sozialen Brennpunkten in Chorweiler, am Kölnberg und in Bocklemünd/Mengenich. "Sie sind in Köln ein Problem - vor allem in anonymen, schlecht einsehbaren Bereichen wie in Waldstücken", sagt Stadtsprecherin Sabine Wotzlaw.

Die Stadt Düsseldorf musste im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Euro aufbringen, um diesen Unrat zu beseitigen. In Münster sind es rund 580.000 Euro gewesen, die wegen illegalen Mülls im städtischen Haushalt zu Buche schlugen. In Duisburg waren es knapp eine halbe Million Euro. "Das Problem mit wilden Müllkippen gibt es bei uns schon seit Jahren. Die illegale Müllentsorgung zeigt sich im ganzen Stadtgebiet", sagt Stadtsprecher Jörn Esser.

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In den meisten Städten hat es 2017 deutlich mehr illegale Müllkippen gegeben als in den Vorjahren. In Krefeld waren es rund 4000 solcher Stellen im Stadtgebiet; 2012 lag die Zahl dort noch bei 2671. In Solingen stieg die Zahl von 407 im Jahr 2016 auf 531 im vergangenen Jahr.

Fast alle Städte berichten, dass sich die wilden Müllkippen meist an Containersammelplätzen, Altkleider- und Glascontainern, an Ampeln, Bahndämmen, Straßen mit Grünstreifen und Waldgebieten befänden. "Besonders oft finden illegale Abfallablagerungen an Stellen statt, die mit Fahrzeugen angefahren werden können und schlecht einsehbar sind", sagt Viola Juric von der Stadt Remscheid. Vor allem Seitenstreifen abgelegener Straßen, Parkplätze in Außenbereichen und Randbereiche in Gewerbegebieten seien betroffen, sagt sie. Selbst in einer eher kleinen Stadt wie Neukirchen-Vluyn wurden 2017 rund 160 Tonnen "wilder Müll" eingesammelt. "Das Problem bei uns ist auch, dass Hausmüll regelmäßig über die städtischen Abfallkörbe in den öffentlichen Grünanlagen entsorgt wird", sagt Frank Grusen von der 27.000-Einwohner-Stadt.

Es gibt aber auch Kommunen, die damit kaum ein Problem zu haben scheinen. Zum Beispiel Kleve, wo wilde Müllkippen nach Angaben der Stadt kaum vorhanden seien und dementsprechend mit 2700 Euro auch keine nennenswerten Entsorgungskosten anfielen. Ähnlich sieht es auch in Goch und Hilden aus.

Die Städte unternehmen viel im Kampf gegen die Müllsünder, sind sich aber meist einig darüber, dass es schwierig ist, diese zu fassen. "Die Erfolgsquote ist gering, da in den meisten Fällen der Verursacher nicht eindeutig zu ermitteln ist", sagt ein Sprecher der Stadt Solingen. Wer erwischt wird, dem drohen zum Teil strafrechtliche Sanktionen und hohe Bußgelder. In Köln liegen diese im Schnitt bei 150 bis 200 Euro, können aber im Extremfall auf bis zu 1000 Euro steigen. In Neuss hat die Stadt eine App entwickelt, mittels der sich Bürger melden können, wenn sie eine wilde Müllkippe ausgemacht haben. Zudem setzen viele Kommunen auf den "Dreck-weg-Tag", bei dem Bürger freiwillig Müll sammeln. In Duisburg hat man beim Ordnungsamt wegen des zunehmenden Müllproblems die Arbeitsgruppe "Abfallaufsicht" mit 18 Mitarbeitern ins Leben gerufen.

Wer entlang der Autobahnen beim illegalen Abkippen von Dreck erwischt wird, muss mit einer Strafe von bis zu 500 Euro rechnen. Aktuell wird an den Raststätten und Parkplätzen mit einer mehrsprachigen Plakataktion von Straßen NRW und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft darauf aufmerksam gemacht, Speisereste nicht achtlos wegzuwerfen. Hintergrund ist die grassierende afrikanische Schweinepest, die heimische Haus- und Wildschweine bedroht. Diese verbreite sich unter anderem durch Lebensmittelreste aus osteuropäischen Fleisch- und Wurstwaren, die von Fernfahrern aus diesen Staaten häufig auf den Seitenstreifen während der Fahrt entsorgt werden.

(csh)