Messe in Köln: Spargelbauern fordern Niederrhein-Label

Messe in Köln : Spargelbauern fordern Niederrhein-Label

Düsseldorf (RP). Mit seinem Spargelgebäck will Reinhard Bücker nicht nur Konditor-Kollegen auf der Kölner Süßwarenmesse beeindrucken, die bis Mittwoch (4. Februar) läuft. Oder die Kunden seiner Bäckerei in Lippstadt. Bücker will zum Beginn der neuen Spargel-Saison auch das Geschäft der Bauern in seiner Region ankurbeln.

Die Landwirte sollen ihm erst "einige Zentner Spargel” liefern, wie der Bäcker sagt. Und: Nachdem er das Gemüse zu Suppe verkocht, mit Marzipan, Nougat und Schokolade verfeinert und zwischen Mürbeteigblätter gepackt hat, sollen die Bauern es auch auf ihren Höfen als Gebäckmischung verkaufen.

Spargelgebäck aus Lippstadt, Spargelessig aus dem Schwarzwald, Spargelentschlackungskapseln aus dem Speckgürtel von Hamburg ­- am Niederrhein will man von solchen Trendprodukten nichts wissen. Nicht, dass man etwas gegen Innovationen hätte, betont Franz Allofs, einer der wichtigsten Spargelbauern vom Niederrhein, im Gegenteil. Aber sie müssen sich eben verkaufen lassen. Und das funktioniere hier vielleicht noch mit Spargelschnaps. Oder Spargeleis. Am besten und in den größten Mengen aber nun mal klassisch. Beim Bauer des Vertrauens.

Das Problem: Über den saisonalen Ab-Hof-Verkauf halten die Bauern zwar ihre Absatzmengen hoch. Sie machen den Spargel aber nicht zu einem Exportschlager, der die Region bundesweit bekannter machen würde ­- mit einem einheitlichen Label, das Wirtschaftsförderer und Tourismusexperten fordern.

"Wir brauchen eine Identität, die den Übernachtungsgästen in Erinnerung bleibt”, sagt Hans-Josef Kuypers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve. "Ein Label 'Niederrhein‘ wäre für die Region ganz wichtig”, sagt auch Monika Stallknecht von der Initiative "Genussregion Niederrhein”, die die Region über ihre kulinarischen Vorzüge vermarkten will. Für zwölf Lebensmittelbetriebe verlost die Initiative jetzt professionelles Marketing. Stallknecht hofft, über die Bewerbungen auch auf innovative Spargelbauer aus der Region zu stoßen. "Gerade Spargel ist schließlich eines unserer Aushängeschilder”, sagt sie.

Eine längst überfällige Aktion, meint Kuypers. "Die Spargelbauern sind viel zu lange allein gelassen worden.” Aber wohl auch nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Von einer einheitlichen Vermarktungsplattform sind die Spargelbauern am Niederrhein weit entfernt. In dem Verband "Spargelstrasse NRW”, auf den man in der Branche gern verweist, sind gerade 170 der rund 300 Spargelbauer in NRW organisiert.

Den Versuch, eine Marke "Spargel NRW” zu etablieren, haben die Verantwortlichen schon vor einiger Zeit wieder zu den Akten gelegt. Gescheitert ist er am einheitlichen Geschmack ­- der hängt zu 70 Prozent vom Boden ab, und die Böden im Land seien nun mal sehr verschieden, sagt Peter Komp von der Spargelstrasse NRW. Zudem sei ein solches Label sehr aufwändig. "Die Marke Spreewälder Gurken hat zehn Jahre gebraucht ­ - und sehr, sehr viel Geld gekostet”, sagt Komp.

Stattdessen beginnen am Niederrhein nun die ersten finanzstarken Einzelkämpfer, ihre eigenen Qualitätsmarken zu etablieren. Franz Allofs lässt etwa sich seinen "Walbecker Qualitätsspargel” vorausschauend schützen. Er hat erkannt: "Immer mehr Einzelhandelsketten wollen nicht nur deutschen Spargel, sondern auch solchen aus einer bestimmten Region.”

(RP)
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