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Sorge vor Ansturm: Skigebiete in NRW machen erneut dicht

Sorge vor neuem Ansturm : Skigebiete machen dicht

Nach den Besucherströmen am vergangenen Wochenende riegeln die Orte im Sauerland, in der Eifel und im Bergischen Land größtenteils wieder Straßen und Parkplätze ab. Neben eindringlichen Appellen soll ein verstärktes Polizeiaufgebot die Situation entspannen.

Noch nie war Schnee so unerwünscht in den Wintersportregionen des Landes wie in diesem Jahr. Weil Orte wie Winterberg, Hellenthal und Reichshof am vergangenen Wochenende trotz Lockdowns von Tagesausflüglern überschwemmt wurden, ist die Sorge dort groß, dass sich die Ereignisse wiederholen könnten. Zumal die Meteorologen neuen Schnee und am Sonntag örtlich Auflockerungen prognostizieren, bestes Rodelwetter also. Die betroffenen Städte im Sauerland, der Eifel und dem Bergischen Land bereiten sich daher auf neuerliche Besucherströme vor - und appellieren an alle Touristen, zu Hause zu bleiben. Denn Parkplätze, Pisten und teils auch Zufahrtsstraßen sind in fast allen Regionen weiterhin gesperrt.

 „Normalerweise freuen wir uns über jeden Besucher“, sagt Sven Gnädig, Sprecher des Kreises Euskirchen. „Aber die Wintersportgebiete und andere Orte in der Eifel sind in den vergangenen Tagen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht worden.“ In Hellenthal, aber unter anderem auch in Bad Münstereifel, Blankenheim und Schleiden staute sich der Verkehr auf den Straßen, Parkplätze waren hoffnungslos überfüllt. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden setzten sich daher mit dem Landrat und den Kreispolizeibehörden zusammen, um ein Konzept für das kommende Wochenende zu entwickeln. Das Ergebnis: Neben der eindringlichen Aufforderung, nicht anzureisen, werden alle Orte weitestgehend abgeriegelt. Das gilt auch für das weitläufige Naturschutzgebiet Hohes Venn, das sich bis nach Belgien zieht. Schon am vergangenen Wochenende war die Durchfahrt auf Erlass der belgischen Behörden verboten gewesen.

 Wer dennoch in der Eifel beispielsweise in einem Landschaftsschutzgebiet parkt, riskiert ein hohes Bußgeld. „Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 750 Euro Strafe geahndet werden kann“, sagt Gnädig. Auf landwirtschaftlichen Flächen bestehe zudem die Gefahr, etwa frisches Saatgut zu zerstören, wenn ein Fahrzeug dort abgestellt werde. Letztendlich hoffen die Verantwortlichen aber auf die Vernunft der Ausflügler. Denn Pisten sowie Rodelhänge sind gesperrt, die Lifte laufen nicht, dazu gibt es weder Toiletten noch Möglichkeiten, sich aufzuwärmen oder etwas zu essen. „Selbst ein Spaziergang im Wald ist nicht ungefährlich, da durch die hohe Schneelast viele Bäume in Schieflage geraten sind“, sagt Gnädig. „Insgesamt verstehen wir unter Freizeitvergnügen und Schneespaß etwas anderes.“

 Auch im zuletzt besonders gebeutelten Winterberg im Sauerland rechnen die Behörden am Wochenende wieder mit einem erhöhten Besucheraufkommen. Für Bürgermeister Michael Beckmann (CDU) ist es schwer nachvollziehbar, dass weiter Tagesausflügler in die Stadt kämen: „Mittlerweile ist es für mich sogar schon ein Stück unverständlich, dass die Menschen seit einigen Wochen und trotz der Bilder der letzten Tage unseren Appell ,Bleiben Sie zu Hause’ nicht ernst nehmen.“

 Wegen des Ansturms vieler Schneetouristen hat die Stadt ebenfalls Wintersportgebiete und angrenzende Parkplätze sowie am vergangenen Wochenende auch Zufahrtsstraßen gesperrt. Kilometerlange Staus waren die Folge. Die Behörden registrierten Hunderte Verstöße gegen die Auflagen. Seit Montag war der Ansturm abgeebbt. Eine neuerliche Sperrung der Straßen sei erstmal nicht geplant, erklärte eine Polizeisprecherin des Hochsauerlandkreises. „Wir schauen erst einmal, wie es läuft“, sagte die Sprecherin, „sind aber mit einer starken Kräfte-Präsenz vor Ort.“ Das gilt auch für etwas niedriger gelegene, aber trotzdem verschneite Regionen im Märkischen Kreis, etwa zwischen Meinerzhagen und Herscheid.

 Ein Anziehungspunkt für Schneefreunde im Bergischen Land ist die Gemeinde Reichshof bei Eckenhagen. Weil das beliebte Rodelgebiet Blockhaus in den vergangenen Tagen hoffnungslos überlaufen war, entschied die Stadt, am kommenden Wochenende alle Zufahrtsstraßen zu sperren und dies auch zu kontrollieren. Auf den Rodelpisten seien Abstands- und sonstige Hygieneregeln nicht einzuhalten gewesen, zudem seien keine Toilettenanlagen vorhanden. Ebenfalls gesperrt würden die Loipen auf der Belmicke in Bergneustadt.  

 Die Hoffnung des Winterberger Bürgermeisters, dass Schnee im Flachland die Ausflugslust der Menschen etwas eindämmen könnte, wird sich wohl nicht erfüllen. Schneien werde es vor allem in den höheren Regionen des Landes, also im Sauerland, im Bergischen Land und in der Eifel, prognostizierte Ulrike Zenkner, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst. In den Höhenlagen sind in den nächsten Tagen durchaus zehn bis 15 Zentimeter Neuschnee drin, im Flachland ist es eher trocken. Meistens bleibt der Himmel dabei trüb, nur in der Eifel könnte es am Sonntag stellenweise auflockern. Sonne und Schnee ist nur gerade das letzte, was sich die Eifelaner wünschen. „Wir können den Menschen nicht verbieten zu kommen“, sagt Gnädig. „Wir können nur an ihre Vernunft appellieren.“  

(mit dpa)